1500 Hamburger Patienten betroffen

Körperverletzung: Poppenbütteler Ärzte im Visier des Staatsanwalts

Eine Krankenkasse hatte Anzeige gegen die Brüder erstattet. Die Ärzte sollen bei Behandlungen sogar Querschnittlähmungen riskiert haben.

Hamburg. Zwei Hamburger Ärzte sollen mit riskanten Schmerzbehandlungen Patienten in Gefahr gebracht und Krankenkassen um mehr als 180.000 Euro betrogen haben. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt ermitteln gegen die Brüder wegen des Verdachts der Körperverletzung und des gewerbsmäßigen Abrechnungsbetrugs. „Nach bisherigem Ermittlungsstand sind mindestens 1500 Patienten betroffen, von weiteren geschädigten Patienten und Krankenkassen ist auszugehen.“ Beamte durchsuchten die Praxis der beiden Neurochirurgen im Stadtteil Poppenbüttel und beschlagnahmten die EDV-Anlage, Patientenunterlagen und Aufklärungsbögen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Januar gegen die 38 und 43 Jahre alten Mediziner, wie Behördensprecher Wilhelm Möllers berichtete. Eine Krankenkasse hatte zuvor Strafanzeige erstattet. „Die Staatsanwaltschaft hat Anhaltspunkte, dass nicht indizierte Schmerzbehandlungen in Verbindung mit unzureichender Patientenaufklärung vorgelegen haben könnte“, sagte Möllers.

Laut Gutachter sollen die Ärzte rund dreieinhalb Jahre lang bei Patienten, die vor allem Bandscheibenvorfälle hatten, Methoden zur Aufhebung der Schmerzempfindung angewandt haben, hieß es bei der Polizei – „in einer nicht nachvollziehbaren Häufigkeit, teilweise wöchentlich“. „Diese Behandlungsmethode kann der Vermeidung einer Operation an der Bandscheibe dienen und ist mit erheblichen Risiken bis hin zur Querschnittlähmung verbunden.“ Allein hier soll der Schaden bei mehr als 150.000 Euro liegen.

Außerdem sollen die Ärzte ambulante Behandlungskosten für Patienten abgerechnet haben, die stationär im Krankenhaus aufgenommen worden waren. Und in zahlreichen Fällen sollen sie sogenannte postoperative Überwachungsmaßnahmen angeordnet haben – obwohl die Patienten an den entsprechenden Tagen gar nicht operiert worden waren. „Ferner werden sie beschuldigt, postoperative Behandlungsmaßnahmen abgerechnet zu haben, obwohl in den drei Wochen zuvor keine Operation stattgefunden hatte“, teilte die Polizei mit.

( (dpa) )

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