Warnung: Polizei rät, Eigentum besser zu schützen

Trauriger Rekord: 182 Einbrüche in einer Woche

Massive Häufung in Eimsbüttel, Altona, Eppendorf und Winterhude. Junge Mädchen auf Einbruchstour.

182 Haus- und Wohnungseinbrüche verzeichnete die Polizei in der Woche vom 12. bis 18. Oktober - so viel wie in keiner Woche des bisherigen Jahres. Die neuerliche Steigerung der Fallzahlen - ein Vorbote der dunklen Jahreszeit? Die Ermittler der Soko "Haus- und Wohnungseinbruch" (HWE) registriert seit einigen Tagen einmal mehr eine hohe Zahl von Taten, die von jungen Mädchen begangen werden - Kindern von reisenden Familien, die sich stets nur für wenige Wochen in Hamburg aufhalten und ihren Lebensunterhalt aus Einbrüchen bestreiten.

Die Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag wird das Problem erneut verschärfen - davon gehen die Einbruchermittler aus. Denn, so Kai Rassek, Leiter der Soko HWE: "Einbrecher lieben die Dämmerung. Sie wollen allein im Haus oder in der Wohnung sein, ungestört arbeiten können. Der Glaube, dass Einbrecher hauptsächlich nachts kommen, ist tatsächlich ein Irrglaube." Rassek erklärt die Vorgehensweise typischer Täter: "Wenn sie sich Wohnungen vorgenommen haben, verschaffen sie sich zuerst Zutritt zum Haus, klingeln dann an einer Wohnungstür. Wenn jemand öffnet, fragen sie nach einem imaginären Mieter. Wenn niemand da ist, hebeln sie in Sekundenschnelle die meist wenig gesicherte Tür auf. Gestohlen wird Bargeld und Schmuck, nichts Sperriges oder Auffälliges. Bei Reihen-, Doppel- oder Einfamilienhäusern suchen sich die Täter meist eine Stelle aus, die schwer einsehbar ist, hebeln dann geeignete Fenster auf." Auch das dauere meist nur wenige Sekunden. Seit 2006 steigt die Zahl der Einbrüche in Hamburg. Im Jahr 2008 verzeichnete die Polizei insgesamt 6811 Taten. Nach bisherigem Stand wird die Fallzahl für das laufende Jahr ähnliche Größenordnungen erreichen. Im Vergleich zum Vorjahr soll sie noch leicht hinter der Vergleichszahl von 2008 liegen. Doch eine massive Häufung der Einbrüche in Eimsbüttel, Altona, Eppendorf und Winterhude bereitet den Ermittlern Sorgen. Auch entlang der B 75 von der City in Richtung Nordosten gibt es eine signifikante Häufung. Die Polizei bittet Anwohner, die in ihrer Nachbarschaft verdächtige Beobachtungen machen, dringend, die Polizei zu informieren. Rassek: "Oft schicken die betreffenden Familien jüngere Mädchen auf Einbruchtour, die sich dann in den Straßen scheinbar ziellos, aber sehr aufmerksam bewegen." Die reisenden Einbrecherfamilien wohnen nach Erkenntnissen der Kripo meist bei Verwandten, im Wohnwagen oder im Auto, halten sich selten länger als drei Wochen in einem Bundesland auf. Die vor einigen Monaten noch sehr aktiven Einbrecherbanden aus Chile sind indes vollkommen aus den Täter-Statistiken verschwunden. Polizeisprecher Ralf Meyer: "Ehrlich gesagt sind auch wir überrascht, dass diese Tätergruppe sich so vollständig zurückgezogen hat."

Michael Schöttler, Leiter des Bereichs Kriminalprävention bei der Polizei rät Haus- und Wohnungseigentümern, aber auch besorgten Mietern, zu einer polizeilichen Einbruchschutz-Beratung. Schöttler: "Im Kommissariat an der Caffamacherreihe (Neustadt) können sich alle Bürger nach Anmeldung kostenlos und anbieterneutral über Schutzkonzepte informieren. Oft ist schon mit wenig Aufwand eine große Verbesserung möglich." (Anmeldung und Info: Tel. 428 67 12 80, www.polizei.hamburg.de )