Jungfernstieg

Messerstecherei: 19-Jähriger auf Intensivstation

| Lesedauer: 3 Minuten
Denis Fengler und Michael Schick

Ein 19-Jähriger liegt nach einem Streit mit sieben Messerstichen auf der Intensivstation. Nur eine Notoperation rettete sein Leben.

Hamburg/Norderstedt. Sieben Messerstiche trafen den 19-Jährigen, verletzten ihn an beiden Oberschenkeln, am linken Oberarm, am Bauch und an der Brust. Sie zerfetzten die Niere des Norderstedters, ließen ein Loch in der Bauchdecke zurück. Nur eine noch in der Nacht angesetzte Notoperation in der Asklepios-Klinik St. Georg konnte das Leben von Zaver A. retten. Mittlerweile ist er wieder außer Lebensgefahr. Die Intensivstation hat er aber noch nicht verlassen.

Der Täter, ein 17-Jähriger aus Eilbek, schweigt. Gegenüber den Beamten der Mordkommission, die ihn am Sonnabend mehrere Stunden lang vernahmen, blieb Bedirhan E. stumm. Dennoch scheint sein Motiv klar: Rache für seinen Zwillingsbruder Sinan. Bereits vor zwei Jahren waren das Brüderpaar und der Norderstedter aneinandergeraten - in vertauschten Rollen. Am 8. August 2009 soll Zaver A. dem damals 15-jährigen Sinan E. in Barmbek in den Bauch gestochen und ihn schwer verletzt haben, nachdem sie über das Internet Beleidigungen ausgetauscht hatten. Verurteilt wurde Zaver A. allerdings bislang nicht, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Ob sich die drei verfeindeten Heranwachsenden am frühen Sonnabendmorgen zufällig begegneten oder ob sie sich mit ihren Cliquen an der Alsterpromenade am Jungfernstieg auf Höhe des Neuen Walls verabredet hatten, ist noch Teil der Ermittlungen. Klar ist bereits: 40 Minuten nach Mitternacht geht Bedirhan E. unvermittelt auf Zaver A. zu, holt mit den Worten "Ich stech dich ab!" ein Klappmesser hervor und sticht zu. Verletzt wird nicht nur Zaver A., sondern auch ein 21-Jähriger, der ebenfalls in Norderstedt wohnt. Als er seinem Freund zu Hilfe eilt, trifft ihn das Messer in die Hüfte.

Nach der Tat flüchten die Zwillinge Bedirhan und Sinan E. in Richtung Mönckebergstraße. Sie schaffen es bis an die Steinstraße, wo sie von Streifenpolizisten gestoppt und festgenommen werden. Das Klappmesser haben sie bei sich. Es wird sichergestellt. Sie werden ins Polizeipräsidium in Alsterdorf gebracht. Sinan E. kommt jedoch noch am Sonnabend wieder auf freien Fuß, "da er nicht unmittelbar an der Tat beteiligt war", wie Polizeisprecher Andreas Schöpflin sagt. Sein Bruder hingegen, der sich jetzt wegen versuchter Tötung verantworten muss, wird die Zeit bis zum Prozess wohl in Untersuchungshaft verbringen. Er wurde gestern einem Haftrichter vorgeführt. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Die Zwillingsbrüder, die einer Billstedter Jugendgruppe angehören sollen, sind bei der Polizei keine Unbekannten. Sie sind wegen verschiedener Körperverletzungen aufgefallen, Bedirhan E. wurde zudem wegen eines Drogendelikts bereits zu einer Jugendstrafe verurteilt. Der Streit mit der Clique aus Norderstedt halte schon seit längerer Zeit an, hieß es aus Polizeikreisen. Immer wieder komme es zu Auseinandersetzungen. Die Hintergründe sind nicht bekannt.

Das Opfer Zaver A. wohnt im Zentrum von Norderstedt-Mitte. Der Stadtteil, seit den 80er-Jahren auf der Wiese gebaut, hat in den letzten Monaten für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Mehrfach kam es besonders im Bereich von ZOB und U-Bahn-Station zu Übergriffen von Jugendlichen vor allem auf ältere Menschen. Nachdem sich insbesondere viele Senioren nicht mehr sicher fühlten, setzte die Stadt einen privaten Sicherheitsdienst ein. Ruhe kehrte erst ein, nachdem "schwarze Sheriffs" über Monate regelmäßig Streife liefen.

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