Hamburg persönlich

Hermann Rauhe - der Botschafter der Musik wird 85

Ehemaliger Hochschulpräsident förderte Talente wie Ute Lemper und Christian Tetzlaff. Dabei begann Rauhes Laufbahn mit einem Misserfolg.

Hamburg. Getreu seinem Motto „Man muss selber brennen, um andere zu entzünden“ ist er auch im hohen Alter unermüdlich aktiv: ob im Vorstand zahlreicher Stiftungen, als Ehrenpräsident des Vereins „Il Canto del Mondo“ oder bei „New Generation“, einer gemeinnützigen Einrichtung für Menschen ab 50, deren Grundstein er zusammen mit seinem Freund, dem ehemaligen Michel-Pastor Helge Adolphsen, legte. Am kommenden Freitag feiert Hermann Rauhe, Ehrenpräsident und Ehrendoktor der Hochschule für Musik und Theater, an der er studierte und 44 Jahre lehrte, seinen 85. Geburtstag. „Aktiv bleiben ist das Beste, was man tun kann. Dann bleibt man fit und gesund“, erläutert der Jubilar seine Philosophie.

Der amtierende Präsident der Musikhochschule, Professor Elmar Lampson, würdigte seinen Vorgänger als unermüdlichen Botschafter für die Musik: „Hermann Rauhe hat ganze Generationen von Studierenden persönlich geprägt, hat ihnen Wege zu ihren Karrieren geebnet, hat ihnen Mut gemacht. Und er tut dies auch heute noch unermüdlich, zukunftsfroh und mit seinem ureigenen pädagogischen Geheimrezept – dem Loben!“ Sein visionärer Geist und seine Überzeugung von der durch nichts zu ersetzenden Kraft der Musik, die versöhnt, Brücken bauen und vielleicht sogar Frieden stiften kann, inspiriere auch ihn immer wieder. Am 2. Mai gibt es in der Jugendmusikschule zu Ehren von Hermann Rauhe ein Symphoniekonzert mit dem Hochschulorchester.

Dabei begann Rauhes Laufbahn mit einem Misserfolg: Bei der ersten Aufnahmeprüfung an der Hamburger Musikhochschule fiel er durch, weil er Bach zu jazzig interpretierte. Rauhe legte daher zunächst das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Musik und Deutsch ab. Seit 1960 unterrichtete der gebürtige Niedersachse, der seit 50 Jahren mit seiner Ehefrau Annemarie in Hausbruch lebt, an der Hochschule, zuerst als Lehrbeauftragter, dann als Professor. 1978 wurde er zum Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater gewählt. Das Amt hatte der engagierte Musikwissenschaftler 26 Jahre inne, zuletzt als dienstältester Musikhochschulpräsident Deutschlands.

Während seiner Präsidentschaft verlieh er der Hochschule durch neue Studiengänge wie Jazz und Popularmusik, Musiktherapie und Kulturmanagement ein einmaliges Profil. Unermüdlich tritt er mit seinem Anliegen auch an die Öffentlichkeit. Durch seine ZDF-Sendereihen „Junge Talente“ und „Jeder braucht Musik“ wurden Spitzentalente wie Christian Tetzlaff, Sabine Meyer, Niklas Schmidt oder Ute Lemper bekannt.