Internationaler Tanzverband

Michael Wendt ist der „Vortänzer“ aus Nienstedten

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Edgar S. Hasse

Der 66-Jährige ist neuer Präsident des Internationalen Tanzverbands IDO. Die Welt ist für ihn längst zum globalen Dorf geworden. Holt er jetzt die Hip-Hop-WM an die Elbe?

Hamburg. Längst ist die Zeit vorbei, in der Michael Wendt die berühmte Tanzschule Wendt an der Rothenbaumchaussee leitete. „Ich“, sagt der 66-Jährige und blickt auf sein Smartphone, „habe danach ein zweites Leben begonnen.“

Seit er vor gut 20 Jahren die Schule verkauft und seinen Beruf als Tanzlehrer an den Nagel gehängt hat, ist er auf anderem Parkett unterwegs. Auf Schritt und Tritt tourt Michael Wendt als Manager durch die Welt. Er organisiert nicht nur Ereignisse wie das Argentinien-Festival auf dem Hamburger Hafengeburtstag 2014. Seit wenigen Tagen steht Wendt als Nachfolger von Jörn Storbraten (Norwegen) an der Spitze des Internationalen Welttanzverbandes (IDO) – was vor ihm noch kein Deutscher geschafft hat. „Wir sind sehr stolz“, sagte Ralf Josat, Präsident des Tanzverbandes TAF Germany. Schließlich sei Wendt ein Präsident mit „Format und Visionen“.

Die International Dance Organisation ist mit rund 250.000 Tänzern aus 90 Nationen weltweit der größte Dachverband für aktuelle und moderne Tänze. Dazu gehören Hip-Hop genauso wie Salsa, Tango und Breakdance. Jährlich veranstaltet die Organisation mehr als 100 Turniere auf der ganzen Welt. „Erst der Wettbewerb“, sagt Wendt, „führt zu besseren Leistungen und spornt die Tänzerinnen und Tänzer an.“ Seine neue Funktion bringt es mit sich, dass Wendt noch mehr auf Achse ist. Erst war er in Prag, wo ihn die IDO-Delegierten einstimmig zu ihrem Präsidenten gewählt hatten. Und jetzt geht es nach Rimini zu den Hip-Hop-Europameisterschaften. „Dort erwarten wir 2200 Teilnehmer aus 25 Ländern“, sagt Michael Wendt, der in Nienstedten zu Hause ist.

Jährlich legt er mit dem Flugzeug rund 50.000 Meilen zurück. Die Welt ist für ihn längst zum globalen Dorf geworden, in dem er jeden Monat neue Kommunalpolitiker, Sportminister und Touristikexperten kennenlernt oder bekannte Gesichter wiedertrifft. „Ich habe Freunde auf der ganzen Welt. Ich bin in den rund 20 Ländern, in die ich jedes Jahr reise, kein Tourist, sondern immer Gast mit einem bestimmten Auftrag“, sagt er freudig. Dem sächsischen Riesa fühlt sich Wendt besonders verbunden. Mit seinen Veranstaltungen hat er nach der Wende dazu beigetragen, dass diese Stadt bis heute einen herausragenden Ruf als Tanzmetropole genießt. „Wenn es um das Tanzen geht, ist Riesa das Maß aller Dinge“, sagte er bei seinem jüngsten Besuch Anfang Juli.

Vom 24. bis 29. November werden in Riesa wieder die Europameisterschaften im Showdance ausgetragen, eine Woche später kämpfen die Stepptänzer um die Meisterschaftskrone. So viel internationales Renommee ist auch das Verdienst des Tanzmanagers aus Hamburg. In einer der nächsten Präsidiumssitzungen will der neue IDO-Präsident die Frage nach dem Austragungsort für die Weltmeisterschaft im Stepptanz und Hip-Hop auf die Tagesordnung setzen. Seine Favoritin ist natürlich die Hansestadt. Sollte Hamburg den Zuschlag für das große Event in den nächsten drei Jahren erhalten, würden 3500 Hip-Hop- und 2500 Stepptänzer im Kongresszentrum CCH ihr Können unter Beweis stellen.

Mit seinem Ein-Mann-Unternehmen Ewendts organisiert der Manager weitere Veranstaltungen, darunter als Beauftragter der Stadt das Programm des Partnerlandes für den Hafengeburtstag. Wie ein Architekt müsse er auch bei einer Großveranstaltung Strukturen aufbauen und zusammenfügen, sagt er. Und fügt hinzu: „Die Architektenhäuser bleiben allerdings stehen, während selbst nach einer gelungenen Veranstaltung nichts mehr übrig ist – außer ein paar Zelten, die abgebaut werden müssen.“

Wenn der Manager und Vater von zwei erwachsenen Kindern mal für ein paar Tage in Hamburg arbeitet, liest er morgens als Erstes seine E-Mails. Denn das globale Dorf, in dem er von einer Meisterschaft zur anderen fährt, schläft nie. Der Hamburger beklagt sich freilich nicht darüber, dass er sich das ganze Jahr über im Dauereinsatz befindet. Freizeit? Fehlanzeige. Der Beruf sei sein Hobby. Was man einem wie ihm wirklich abnimmt. Schließlich bezeichnet er es als sein Motto: „Das Leben muss Spaß machen.“

Nur zu einem kommt der Vielflieger kaum mehr – dem Tanzen. „Ich tanze viel zu selten“, sagt der 66-Jährige.

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