Stadtteilreporter verraten

Sieben Besonderheiten über Eppendorf

| Lesedauer: 6 Minuten
Inga Kubitzky

Foto: Michael Reimers

Stadtteilreporterin Inga Kubitzky hat mit Bewohnern aus Eppendorf gesprochen und den Stadtteil genauestens unter die Lupe genommen.

Heute geht es in der Serie des Abendblatts "Stadtteilreporter verraten sieben Besonderheiten, die man über ... wissen sollte" an den Rand der Innenstadt - genauer gesagt nach Eppendorf.

Stadtteilreporterin Inga Kubitzky hat die Sitzbänke in dem Quartier getestet, mit Bewohnern des Viertels gesprochen und mit großer Ausdauer nach einem ungewöhnlichen und interessanten Straßennamen gesucht. Nun stellt sie ihre sieben persönlichen Eppendorf-Geheimnisse vor. Kommende Woche geht es dann nach St. Pauli.

Geschichten aus Ihrem Quartier schreiben Sie bitte an die Adresse: stadtteilreporter@abendblatt.de . Und für Hinweise zu Eppendorf wenden Sie sich direkt an Inga Kubitzky: inga.kubitzky@fm-abendblatt.de

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1. Die perfekte Bank

Wie eine kleine Oase zwischen den Häusern kommt der Kellinghusenpark daher. Hier steht auch die idyllischste Bank des Quartiers. Der Clou: Ihre Aussicht variiert. Denn mangels Verankerung im Boden zeigt die Bank eine beachtliche Flexibilität. So wandert sie, von starken Eppendorfern getragen, von einem schönen Fleck zum nächsten. Mal ist sie dem Teich zugewandt, ein anderes Mal blickt sie in den Park hinein. Je nach Vorliebe steht sie in der Sonne oder im Schatten.

Viele wartende Pendler der nahe gelegenen U-Bahn-Haltestelle Kellinghusenstraße nutzen die Wartezeit, um auf dieser bequemen Sitzgelegenheit Platz zu nehmen. Einfach ein perfekter Ort, um die Gedanken schweifen zu lassen!

2. Das Original

Seit 1995 geht der Polizist Rolf Früchtenicht regelmäßig in Eppendorfs Straßen auf Streife. Ladenbesitzer, Schüler und langjährige Anwohner kennen ihn gut. Er ist für sie eine Art "Vertrauenspolizist" geworden. Seine Hauptaufgabe ist es, Straftaten durch präventive Gespräche zu verhindern. Persönlicher Kontakt und das Schaffen einer Vertrauensbasis seien hier besonders wichtig. Je besser die Zusammenarbeit sei, desto besser könne er arbeiten, meint Früchtenicht und sagt weiter: "Eppendorf ist ein Traum für einen Schutzmann. Die gesamte Bandbreite polizeilichen Handelns kommt hier zum Tragen."


3. Die schönste Wasserstelle

Vor dem Übergang von der Alster in den Eppendorfer Mühlenteich ragen zwei alte steinerne Plateaus aus dem Mauerwerk hervor. Aufgrund ihrer verwinkelten Lage bieten sie Ruhe und Windstille für die wenigen Besucher, die diese Stelle kennen. Bei Sonnenschein erwärmen sich die Steinplatten auf eine behagliche Temperatur. Dann muss man sich nur noch niederlassen, um von hier unten aus einen Erste-Klasse-Blick auf die Alster und ihre Ufer zu genießen. Vielleicht sollte man, der Bequemlichkeit wegen, auch ein Kissen mitbringen. Bettina Franzky aus Eppendorf genießt diesen Ausblick an jedem sonnigen Wochenende. "Ich setze mich hier öfter kurz hin, um durchzuatmen", sagt sie. Die Zeit stehe hier still. Franzky überbrückt an dieser Wasserstelle meist die Wartezeit, bis ihre Wäsche im Waschsalon um die Ecke fertig ist. "So ist es doch viel schöner, als drinnen zu warten."


4. Die fieseste Ampel

Gerade die Fußgängerampel an der Ecke Eppendorfer Landstraße/Haynstraße nervt Fußgänger und Autofahrer oft mit unverhältnismäßig langen Rotphasen.

Wegen der Nähe zum Gymnasium Eppendorf hasten täglich auch Scharen von Schülern über die rote Ampel - aus Angst, zu spät zum Unterricht zu kommen oder gar den Bus zur Heimfahrt zu verpassen.

Nicht der einzige, aber ein weiterer Grund, warum diese Ampel endlich fußgängerfreundlicher werden sollte.


5. Die interessanteste Straße

Nein, in dieser Straße werden keine Unmengen von gerührten und geschüttelten Martini-Cocktails gebechert. Zwar liegt diese Vermutung bei der Martinistraße nahe, tatsächlich hat ihr Name aber einen medizinischen, keinen alkoholischen Ursprung.

Die Martinistraße verbindet den Eppendorfer Marktplatz mit der Hoheluftchaussee und dem Lokstedter Steindamm und führt direkt am Universitätsklinikum vorbei.

Namensgeber für diese Straße war ein gewisser Dr. Erich Martini (1843-1880). Weil das Allgemeine Krankenhaus St. Georg zu klein wurde, entstand von 1884 bis 1889 das Neue Allgemeine Krankenhaus Eppendorf - heute kennen wir es unter dem Namen Universitätsklinikum Eppendorf. Als es erbaut wurde, war Dr. Martini Oberarzt der Chirurgie in St. Georg. Grund genug, ihm eine Straße zu widmen.


6. Der bekannteste Bewohner

Prominente sind überall gern gesehen. Und in Eppendorf ist der Promi-Faktor besonders hoch. Einer der bekanntesten Mitbewohner ist Tetje Mierendorf. Der Schauspieler wohnt nicht etwa in der "Schillerstraße", sondern hier bei uns im Quartier. Derzeit spielt er den Ganoven im Musical "Sister Act".

Außerdem zählen die Komiker Karl Dall, Olli Dittrich und der Laufstegtrainer Jorge Gonzalez zu den bekanntesten Eppendorfern - um nur einige zu nennen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel wohnte die ersten sechs Wochen ihres Lebens in der Isestraße 95.


7. Das Ärgernis

Wenn ich morgens vor die Tür trete, wandert mein Blick direkt auf den Gehweg und bleibt dort haften. Nicht etwa, weil ich Angst habe hinzufallen, sondern wegen einer anderen Gefahr. Eine, die nicht schönzureden ist: Hundedreck. Wer sich in der Stadt einen Hund anschafft, kann nicht nur dessen Vorzüge genießen und so tun, als gäbe es keine schwarzen Tütchen dafür.

Mit dieser Meinung stehe ich offensichtlich nicht alleine da. Eppendorfs Fußwege sind mit privaten und eindeutigen Beschilderungen sowie Tüten zur Entsorgung des Hundedrecks bestückt.