Kindergesundheit

Ernährung von Babys: Die zehn wichtigsten Tipps

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Spätestens, wenn das Baby sechs Monate alt ist, sollten Eltern mit der Beikost beginnen, raten die Hamburger Kinderärztinnen.

Spätestens, wenn das Baby sechs Monate alt ist, sollten Eltern mit der Beikost beginnen, raten die Hamburger Kinderärztinnen.

Foto: Christin Klose / picture alliance / dpa Themendienst

Von der Muttermilch über Babybrei bis zum Essen am Familientisch: Die KinderDocs geben Eltern Rat und erklären, was man meiden sollte.

Hamburg.  Gute Ernährung ist für uns alle wichtig – ganz besonders aber für Babys im ersten Lebensjahr. Kaum ein Thema beschäftigt Eltern in dieser Zeit so sehr wie dieses. Die KinderDocs Claudia Haupt und Charlotte Schulz vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg geben wichtige Ratschläge zu Stillen und Fläschchen, Milch und Beikost.

„Es ist völlig unbestritten, dass Muttermilch für Neugeborene die beste Ernährung ist“, sagt Claudia Haupt, Kinderärztin in Blankenese. Sollten Probleme auftreten, sei es wichtig, dass man den Partner, die Hebamme, die Stillberaterin oder die Kinderärztinnen oder Kinderärzte um Hilfe bittet. In letzter Zeit sei immer wieder bei Kindern davon die Rede, dass das Zungenbändchen zu kurz sei, nicht selten werde da auch operiert. „Das macht uns Sorgen“, sagt Charlotte Schulz. „Das gibt es viel seltener, als uns heute glauben gemacht wird. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sollte unbedingt vorher noch mal den Kinderarzt oder die Kinderärztin konsultieren.“

KinderDocs: Nicht verzweifeln, wenn’s mit dem Stillen nicht funktioniert

Ihr zweiter Tipp: Stillende Mütter sollten sich nicht verrückt machen oder verzweifeln. Wer keine eigene Hebamme gefunden hat, kann sich an die Mütterberatung in ihrem Bezirk wenden. „Wenn das Stillen überhaupt nicht klappt, sollten sich die Frauen nicht schlecht fühlen. Entscheidend ist am Ende, dass die Mama entspannt ist, für ihr Baby emotional verfügbar ist und mit ihm eine sichere Bindung aufbaut.“ Es gebe, wenn es mit dem Stillen überhaupt nicht klappt, sehr gute Säuglingsanfangsnahrung. „Die Produkte werden so streng kontrolliert, dass man jede Marke im Supermarkt oder in der Drogerie kaufen kann“, sagt Charlotte Schulz.

Wovon sie dringend abrät, Tipp Nummer drei: „Man sollte keine Säuglingsmilch nehmen, die eine andere als eine Kuhmilch- (oder eventuell Ziegenmilch)-Proteingrundlage hat.“ Es würden pflanzliche Produkte, insbesondere Hafermilch, für Säuglinge angeboten. „Sie haben aber nicht die Nährstoffe und Vitamine, die im ersten Lebensjahr wichtig sind, können die Kinder überhaupt nicht ausreichend versorgen, haben weniger Kalorien und zu viele Ballaststoffe für den kindlichen Darm.“ Bei Säuglingen sei eine vegane Ernährung problematisch und nicht empfehlenswert. „Da können wirklich Entwicklungsstörungen auftreten, die dann auch vielleicht gar nicht mehr so rückgängig zu machen sind.“

Gesunde Babys wissen selbst, wann sie Hunger haben

Tipp Nummer vier: „Eltern sollten sich nicht verunsichern lassen durch Mengenangaben oder Vorstellungen über die Häufigkeit von Stillen oder Flaschen-Mahlzeiten“, so Claudia Haupt. Die meisten Kinder bekommen sechs bis acht Mahlzeiten am Tag, manche Babys brauchen 18 Stillmahlzeiten, anderen reichen vier Mahlzeiten, und sie sind völlig gesund. „Man muss überhaupt nicht in Panik geraten, auch bei Neugeborenen und Säuglingen funktioniert der Stoffwechsel individuell sehr unterschiedlich.“ In der Regel können gesunde, reifgeborene Säuglinge ihr Hunger- und Sättigungsgefühl selbst gut regulieren. Wichtig sei, dass sich die Kinder gut entwickeln – man sollte ihr Gewicht im Auge behalten.

Dann, der fünfte Rat: Ab dem vollendeten vierten Lebensmonat des Kindes kann man mit der Beikost beginnen – und spätestens, wenn das Kind sechs Monate alt ist. „Die Kinder geben auch da klare Signale. Wenn man versucht, den ersten Löffel Brei zu geben, dann sieht man schon, ob das Kind bereit ist“, sagt Kinderärztin Haupt. Eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, sechs Monate voll zu stillen, gründe sich eher auf die Lage in Regionen, wo es schwierig ist, eine gute Beikost bereitzustellen.

Abwechselung gut: Darm der Kinder braucht viele Impulse

„Der derzeitigen Datenlage nach ist das Zeitfenster von vier bis fünf Monaten der beste Zeitraum, um dem kleinen Darm die richtigen Impulse zu geben. „Und da ist Abwechslung auf dem Tisch sinnvoll“, sagt Charlotte Schulz. Lange galt der Rat, nicht zu sehr zu variieren – doch das ist passé. „Kinder sollten sehr variantenreich ernährt werden, weil wir eben wollen, dass der Darm sich mit vielen verschiedenen Stoffen beschäftigt. In der Regel beginnt man mit Gemüsebrei, Fleisch oder Fisch.

Wichtig, sechstens: Gestillte Kinder essen oft deutlich kleinere Portionen als in den zu kaufenden Gläschen für dieses Lebensalter enthalten sind. „Dann nicht sofort noch Milch geben, Kinder sollen ein Sättigungsgefühl auch einfach erst mal erfahren.“

Kinderärztinnen: dreimal pro Woche Fleisch oder Fisch

Noch wichtiger, siebtens: „Unsere Empfehlung ist, dreimal pro Woche Fleisch oder Fisch dazuzugeben, denn dieses ist der ganz entscheidende Zeitraum, wo die Kinder jetzt dringend Eisen benötigen. Sie haben die mütterlichen Ressourcen abgebaut, die sie bei der Geburt mitgekriegt haben, und brauchen jetzt Eisen in der Nahrung, um daraus rote Blutzellen zu bilden. Ob selbst gekocht wird oder fertige Gläschen verwendet werden, ist dagegen nicht so entscheidend. „Was man nicht vergessen darf: In Gemüse oder Gemüse/Fleischbrei, auch aus dem Gläschen, gehört immer ein extra Löffel Rapsöl hinein, so werden die fettlöslichen Vitamine viel besser aufgenommen“, sagt Claudia Haupt.

„Essen soll Freude machen. Also Essen bitte nicht mit Zwang verbinden oder als Anreiz oder Bestrafung einsetzen“, mahnt Kinderärztin Schulz. Tipp Nummer acht: An den Familientisch kann man Kinder einbeziehen, indem man ihnen weich gekochte Gemüsesticks anbietet und sie entscheiden lässt, was und wie viel sie davon essen. „So lernen sie Spaß am Essen.“

Ganz wichtig, neuntens: Bitte Kinder auch nicht forciert füttern oder ein iPad mit lustigen Filmchen aufstellen, das das Kind beim Essen beziehungsweise Füttern ablenkt. „Davon raten wir sehr stark ab“, sagen die KinderDocs. Als zweite Mahlzeit führt man einen Brei mit Getreide, Milch und Obst am Abend ein. Besonders empfehlenswert ist eisenreiches Getreide. Für Kinder ab sechs Monaten könne man durchaus Kuhmilch verwenden – aber Achtung: noch keine frische Kuhmilch zu trinken geben.

KinderDocs: Bitte keine Säfte zu trinken geben

Rund um den ersten Geburtstag können die Kinder dann überwiegend am Familientisch mitessen. Gern kann man dem Nachwuchs dann Lebensmittel in die Hand geben, die sie einfach mit der Zunge am Gaumen zerdrücken können – beispielsweise weiches Banane oder Beeren. Nicht geeignet sind beispielsweise Nüsse oder ganze Trauben, alles, was die Kinder verschlucken könnten.

Und der zehnte Rat: Als Getränk ist für Kinder am besten stilles Wasser geeignet, das man ihnen mit Beginn der Beikostphase anbieten kann. Bis zum sechsten Monat sollte man das Wasser abkochen, raten die KinderDocs. „Leitungswasser ist ansonsten perfekt geeignet und völlig unbedenklich, die Wasserqualität in Hamburg ist ausgezeichnet“, sagt Claudia Haupt. Nur wer in einem Altbau mit alten Bleileitungen wohnt oder in einem Neubau mit neuen Kupferrohren, sollte das Wasser überprüfen lassen – für Eltern mit Säuglingen kostenlos bei Hamburg Wasser. Von Säften raten die KinderDocs ab, außer bei besonderen Gelegenheiten vielleicht wie ein Geburtstag oder Restaurantbesuch. Wenn Kinder überhaupt nicht genug trinken wollen, kann man übergangsweise eine dünne Saftschorle anbieten.