Digitalisierung

19 Standorte für Geflüchtete noch immer ohne Internet

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Edgar S. Hasse
Flüchtlingsunterkunft Björnsonweg: Hier gibt es WLAN.

Flüchtlingsunterkunft Björnsonweg: Hier gibt es WLAN.

Foto: Thorsten Ahlf / THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Die Digitalisierung soll in Unterkünften für Geflüchtete ankommen. Fördern & Wohnen plant dafür kostenpflichtiges Gutschein-Modell.

Hamburg. Geflüchtete kommen in ein für sie fremdes Land und sind umso mehr auf die digitale Kommunikation mit Menschen in ihrer Heimat angewiesen. Hamburg arbeitet nun daran, die Internetanbindung in Erstaufnahmen und Folgeunterbringungen zu verbessern. Denn es gibt noch immer städtische Unterkünfte ohne Internetversorgung.

Wie aus einer Senatsantwort auf eine schriftliche Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Carola Ensslen und Sabine Boeddinghaus hervorgeht, fehlt ein Internetzugang beispielsweise in der Sieker Landstraße 1 und in der Stapel­feder Straße 7 (beide Bezirk Wandsbek) sowie am Hornkamp 9–11 (Nord). Zudem werde kostenfreies WLAN zum Beispiel an den Standorten Hornackredder (Eimsbüttel) und Max-Brauer-Allee (Altona) nicht angeboten.

Digitalisierung: 95 Unterkünften mit Internet

19 Standorte der öffentlich-rechtlichen Unterbringung würden derzeit nicht mit WLAN versorgt, heißt es in der Senatsantwort. „Damit sind 95 von 114 Einrichtungen mit Internet versorgt. Von diesen 95 Standorten verfügen 31 über eine hochwertige Internetversorgung wie in einem Privathaushalt.“ Kostenfreies WLAN bietet unter anderem die Unterkunft am Björnsonweg in Blankenese an. Dort findet auch Schulunterricht statt.

Die Interimsstandorte, an denen Schutzsuchende aus der Ukraine zeitweise wohnen, sind nach Abendblatt-Informationen teils auch mit WLAN ausgestattet. Darunter befinden sich Pensionen oder Hostels. Der Ausbau von WLAN läuft bei Fördern & Wohnen (F&W) in einem zweistufigen Projekt. Stufe 1 sei plangemäß abgeschlossen.

Internet mit Voucher-Modell

An rund 76 Standorten, für die Fördern & Wohnen zuständig ist, gibt es kostenlose WLAN-Hotspots in Gemeinschafts­räumen und im Außenbereich der Wohnunterkünfte. Diese Grundversorgung eigne sich zum Schreiben und Empfangen von E-Mails und zum Besuch von Websites. Bei knapp einem Drittel der Unterkünfte von Fördern & Wohnen können sich die Haushalte selbst per Vertrag mit einem Internetanschluss versorgen, wie es auch in Mietshäusern üblich ist, hieß es.

Um die soziale und wirtschaftliche Teilhabe zu verbessern, plant F&W an rund 90 Standorten WLAN bis ins Zimmer über ein Voucher-Modell. Derzeit werden die technischen und baulichen Planungen durchgeführt, das Ausschreibungsverfahren läuft. Die Kosten würden unter der Nachrichtenübermittlungspauschale des Regelsatzes liegen, die im Rahmen der Regelbedarfssätze (39,88 Euro für Alleinstehende) vorgesehen sind. Die Voucher-Kosten werden erst nach Beendigung des Vergabeverfahrens für die Dienstleistungskonzession feststehen.

Dass allein im Bezirk Wandsbek sieben Standorte noch immer ohne Internetversorgung sind, stößt in der CDU-Fraktion der Bezirksversammlung auf Unverständnis. „Ein funktionierender Internetzugang sollte Standard in allen Flüchtlingsunterkünften sein“, sagte Jörn Weiske, Fachsprecher für Bildung und Integration der CDU-Bezirksfraktion Wandsbek, dem Abendblatt. „Stabile Internetzugänge werden in den Unterkünften insbesondere für Schülerinnen und Schüler zum Lernen und für Berufseinsteiger benötigt.“ Gerade im Schulalltag brauchten die Flüchtlingskinder geeignete Lernmöglichkeiten wie in Privathaushalten. „In einer digitalen Welt müssen auch Flüchtlingsunterkünfte digital angebunden sein.“