Dienstwagen-Check

So schmutzig fahren Peter Tschentscher und die Senatoren

Zeit, umzusteigen? Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit seinem Mercedes-Dienstwagen.

Zeit, umzusteigen? Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit seinem Mercedes-Dienstwagen.

Foto: Picture Alliance

Hamburgs Spitzenpolitiker kommen im bundesweiten CO2-Vergleich noch gut weg – allerdings auf alarmierend kritischem Niveau.

Berlin/Hamburg. Diese gute Nachricht ist auf den zweiten Blick eigentlich gar keine gute: Hamburgs Landesregierung stößt mit ihrer Dienstwagen-Flotte im bundesweiten Vergleich mit durchschnittlich 202 g/km am zweitwenigsten CO2 aus. Nur Bremens Spitzenpolitiker sind mit 199 g CO2/km schadstoffärmer unterwegs.

Das ergab der 13. Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dessen Ergebnisse am Montag vorgestellt wurden. Demnach müssten aber auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und seine roten und grünen Senatoren ihre Häupter senken.

Denn wie alle anderen Regierungspolitiker von Bund und Ländern haben auch Hamburgs Vertreter durch die Bank den seit 2015 geltenden EU-CO2-Flottengrenzwert von 130 g CO2/km im Realbetrieb wiederholt deutlich verpasst.

Tschentscher in Hamburg auf dem letzten Platz

Während Tschentscher mit seinem Mercedes-Benz E 44d 4MATIC (Diesel) auf einen realen CO2-Ausstoß von 227 g/km kommt (Rang vier unter den Landeschefs, aber letzter Platz innerhalb Hamburgs), fährt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) noch vergleichsweise nachhaltig.

Sein BMW 330e iPerformance (Benzin/Elektro) stößt durchschnittlich 165 g CO2/km aus. Damit liegt Kerstan im Vergleich mit seinen Amtskollegen auf Rang zwei hinter Parteifreundin Regine Günther (Berlin).

Lesen Sie auch:

Bundesumweltministerin Svenja Schulze belegt in ihrem Ressort den drittletzten Platz (242 g/km) – im vergangenen Jahr lag die SPD-Politikerin mit ihrem Dienstwagen noch bei 200 g/km.

Hamburgs Senatoren haben sich verschlechtert

Mit ihrer Verschlechterung steht Schulze nicht alleine da – auch Tschentscher fuhr im vergangenen Jahr noch ungleich umweltfreundlicher (198 g/km). Kerstan konnte seinen Wert immerhin halten. Insgesamt verschlechterte sich Hamburgs Kabinett von 183 auf 202 g CO2/km.

Drei Senatsmitglieder (Dorothee Stapelfeldt, Andy Grote und Melanie Leonhard) sowie Bürgermeister Tschentscher fahren jeweils einen laut DUH-Angaben besonders umweltschädlichen Diesel.

Die Dienstwagen der Hamburger Regierungspolitiker:

  1. Jens Kerstan (Umweltsenator/Grüne): BMW 330e iPerformance (Benzin/Elektro), 165 g CO2/km
  2. Ties Rabe (Schulsenator/SPD): Mercedes-Benz E 350e (Benzin/Elektro), 171 g CO2/km
  3. Andreas Dressel (Finanzsenator/SPD): BMW 330e iPerformance (Benzin/Elektro), 177 g CO2/km
  4. Dorothee Stapelfeldt (Stadtentwicklungssenatorin/SPD): Mercedes-Benz 220d (Diesel), 192 g CO2/km
  5. Katharina Fegebank (Wissenschaftssenatorin/Grüne): Mercedes-Benz E 300e (Benzin/Elektro), 208 g CO2/km
  6. Michael Westhagemann (Wirtschaftssenator/parteilos): Mercedes-Benz E 300e (Benzin/Elektro), 208 g CO2/km
  7. Andy Grote (Innensenator/SPD): BMW 530d xDrive (Diesel), 210 g CO2/km
  8. Carsten Brosda (Kultursenator/SPD): BMW 530e iPerformance (Benzin/Elektro), 215 g CO2/km
  9. Cornelia Prüfer-Storcks (Gesundheitssenatorin/SPD): BMW 530e iPerformance (Benzin/Elektro), 215 g CO2/km
  10. Till Steffen (Justizsenator/Grüne): BMW 530e iPerformance (Benzin/Elektro), 215 g CO2/km
  11. Melanie Leonhard (Sozialsenatorin/SPD): Audi A6 Avant (Diesel), 223 g CO2/km
  12. Peter Tschentscher (Erster Bürgermeister/SPD), 227 g CO2/km

Verkehrsminister Scheuer fährt am schmutzigsten

Bei den Regierungschefs der Länder setze sich der laut DUH "enttäuschende Trend zu hochmotorisierten Dienstwagen" mit durchschnittlich 252 g CO2/km fort. Schlusslicht bei den Bundesministern ist Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit einem realen CO2-Ausstoß von 258 g CO2/km.

Das Verteidigungsministerium von Annegret Kramp-Karrenbauer ist mit durchschnittlich 243 g CO2/km auch insgesamt am klimaschädlichsten unterwegs. Bestes Bundesministerium ist noch das Gesundheitsministerium (212 g CO2/km), dicht gefolgt vom Finanzministerium mit einen CO2-Ausstoß von 215 g/km.

Lesen Sie auch:

Deutsche Umwelthilfe rüffelt die Politiker

Dass jedoch kein einziger Dienstwagen der Regierungspolitiker den EU-Flottengrenzwert einhalte, sei eine ernüchternde Bilanz, sagte die stellvertretende DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz am Montag in Berlin.

"Bei unserem Dienstwagencheck 2019 zeigt sich einmal mehr, dass weder Politiker noch Autobauer verstanden haben, wofür die Menschen seit über einem Jahr auf die Straße gehen", sagte Metz in Anspielung auf die regelmäßige Klima-Demo "Fridays for Future".

"Wir benötigen endlich Ministerpräsidenten und Minister, die mit positivem Beispiel vorausfahren und auf hochmotorisierte Spritschlucker-Limousinen verzichten. Was wir brauchen, sind effiziente und gleichzeitig sparsame Fahrzeuge, idealerweise mit reinem Elektroantrieb."

Erstmals drei Minister mit Elektroautos

2019 fahren auf Landesebene erstmals überhaupt drei Politiker ein reines Elektrofahrzeug: Die Umweltminister Thorsten Glauber (Bayern/Freie Wähler) und Franz Untersteller sowie Verkehrsminister Winfried Hermann (jeweils Baden-Württemberg/Grüne).

Wer in der Untersuchung übrigens Hamburgs Alt-Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) vermisst: Der Dienstwagen des Bundesfinanzministers ist besonders geschützt und wurde daher wie die Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin sowie des Innen- und Außenministers nicht gewertet.

Die Angaben beruhen auf Abfragen bei den Ministerien und eigenen Berechnungen. Insgesamt wurden 245 Bundes- und Landespolitiker zu ihren 237 Dienstwagen befragt. 143 Fahrzeuge haben reinen Dieselantrieb, 74 einen Plug-In-Hybridantrieb und 17 Pkw sind konventionelle Benziner.

EU setzt CO2-Grenze weiter herab

Besondere Kritik der Umwelthilfe richtet sich gegen Modelle mit Plug-In-Hybriden. Diese seien als die Antriebsart mit den höchsten Abweichungen zwischen offiziellem und realem CO2-Ausstoß "enttarnt" worden, so Metz.

Praxistests zufolge würden diese Fahrzeuge vorwiegend im extrem ineffizienten Verbrennermodus betrieben, hieß es zur Begründung. Der unter Politikern beliebteste Plug-In-Hybridantrieb ist der BMW 740e iPerformance (218 g CO2/km).

Im kommenden Jahr müssen sich Deutschlands Spitzenpolitiker dann an noch strengeren Vorgaben messen lassen: Ab 2020 gilt in der EU ein Flottengrenzwert von 95 g CO2/km.