Bildung

„Lächerliche“ Digitalausstattung an Hamburger Schulen?

Zwei Schülerinnen arbeiten gemeinsam an Computer und Tablet (Symbolbild)

Zwei Schülerinnen arbeiten gemeinsam an Computer und Tablet (Symbolbild)

Foto: dpa

Großteil der Schulen hat extrem langsame Internetanschlüsse. CDU kritisiert jüngstes Eigenlob des Schulsenators.

Hamburg. Die CDU hat die angeblich so gute digitale Ausstattung der Hamburger Schulen in Zweifel gezogen – und dazu aktuelle Zahlen vorgelegt. Hintergrund: Zuletzt hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) betont, dass Hamburg im Bundesvergleich beim Thema Digitalisierung in Schulen sehr gut dastehe. So teilten sich in Hamburg nur 5,4 Schüler einen Computer, während es im Bundesdurchschnitt 11,5 seien. Zudem seien in der Hansestadt alle Schulen an das schnelle Glasfasernetz angebunden, jeder Klassenraum habe einen Netzwerkanschluss.

Die CDU zeichnet nun ein anderes Bild – und stützt sich dabei auf Antworten des Senates auf Kleine Anfragen ihrer Bürgerschaftsabgeordneten Birgit Stöver und Thomas Kreuzmann. Demnach gibt es an gerade einmal sechs der 409 Hamburger Schulen schnelles Internet mit einer Geschwindigkeit von 100 MBit/s. Die große Mehrheit der Schulen surft mit 10 MBit/s, was längst nicht mehr für gängige Anwendungen, Streaming und Clouddienste ausreiche, so CDU-Schulpolitikerin Stöver. 127 der Schulen kommen immerhin auf Netzgeschwindigkeiten von 50 MBit/s.

"Senat beweist beachtliche Inkompetenz"

Auch die Aussage, jede Schule verfüge über mindestens einen WLAN-Zugangspunkt, sei „lächerlich“, findet die CDU-Schulpolitikern Stöver. Denn erstens sei dieser zumeist im Lehrerzimmer angesiedelt und daher für Schüler nicht nutzbar. Zweitens erfordere digitales Arbeiten in der Schule WLAN in jedem Klassenzimmer.

Die Rabe-Feststellung, in Hamburg gebe es besonders viele Rechner, lasse sich nach den Antworten des Senates gar nicht detailliert darstellen. Der Senat habe bei der Befragung der Schulen offenbar jedes noch so alte Gerät mitgezählt und könne in seiner Antwort keine näheren Angaben machen.

„Die vom Senat als Erfolgsmeldung präsentierte Zahl, es würde durchschnittlich einen Computer bzw. ein Tablet je 5,4 Schüler zur Verfügung stehen, ist in Wahrheit ein rot-grünes Eingeständnis“, sagte Stöver. „Wer meint, die Qualität des digitalen Ausbaus der Hamburger Schulen durch das einfache Zählen von Endgeräten messen zu können, beweist beachtliche Inkompetenz in diesem Bereich.“ Nötig sei „flächendeckendes Highspeed-WLAN in jedem Klassenzimmer“ und der rasche Ausbau des sogenannten „Bring Your Own Device“-Programms, bei dem die Schüler eigene Geräte im Unterricht nutzen.

6,971 Millionen Euro investiert

Eine weitere Senatsantwort zeige, dass die Investitionen in die Digitalisierung an Schulen seit Jahren zu wenig wüchsen, sagte der CDU-Abgeordnete Kreuzmann. „Wenn man sich anschaut, dass die Mittel, die die Schulen für IT-Ausstattung und IT-Betrieb erhalten, seit Jahren konstant sind, frage ich mich, wie hier eine größere Verbesserung möglich gewesen sein soll“, so Kreuzmann, der selbst als Lehrer arbeitet. „Was ich in der Praxis erlebe, ist, dass von dem Geld das für Wartungen vorgesehen ist, neue Geräte gekauft werden.“ Laut Senatsantwort werden 2017 und 2018 jeweils 6,971 Millionen Euro von der Stadt in „pädagogische IT-Ausstattung“ investiert. 2016 waren es 6,394 Millionen.