Kriminalität

Wie viele Flüchtlinge sind in Hamburg kriminell?

Rund um die Große Freiheit zeigt Hamburgs Polizei seit den Silvestervorkomnissen vor einem Jahr immer wieder verstärkt Präsenz (Archivbild)

Rund um die Große Freiheit zeigt Hamburgs Polizei seit den Silvestervorkomnissen vor einem Jahr immer wieder verstärkt Präsenz (Archivbild)

Foto: Imago/Lars Berg

Fast jeder zehnte Tatverdächtige war 2016 ein Asylbewerber. Statistik ist aber umstritten. CDU: Straftäter konsequent abschieben.

Hamburg. Der Trend hat sich bestätigt: Asylbewerber und Flüchtlinge sind nach Senatsangaben im Jahr 2016 weit überdurchschnittlich wegen Straftaten ins Visier der Hamburger Polizei geraten. Wie eine Auswertung des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator nach zwölf Kleinen Anfragen ergab, machen sie fast zehn Prozent aller Tatverdächtigen aus – die Statistik birgt jedoch Risiken. Das Abendblatt dokumentiert die zentralen Ergebnisse.

Kriminalität insgesamt

Nach der Auswertung wurden im Jahr 2016 insgesamt 71.271 Tatverdächtige registriert, davon waren 30.741 Personen ausländischer Herkunft. Somit wurden zu 57 Prozent Deutsche und zu 43 Prozent Ausländer einer Straftat verdächtigt. Darunter waren auch 6797 Asylbewerber und Flüchtlinge – ein Anteil von 9,5 Prozent an allen Tatverdächtigen, obwohl sie nur etwa 2,8 Prozent der Einwohner Hamburgs darstellen. Ein großer Teil (bis zu 40 Prozent) der Flüchtlinge unter Tatverdacht waren aber außerhalb Hamburgs gemeldet.

Die Statistik ist zudem noch nicht gesichert: Die absolute Zahl der Verdächtigen könnte noch sinken, da für den Dezember einige Fälle noch doppelt gezählt worden sein könnten. Die Daten befänden sich in der Abstimmung, heißt es vom Senat. Die Zahlen bilden zudem keine tatsächlich Verurteilten ab – insgesamt wird etwa jeder dritte Verdächtige tatsächlich verurteilt, in einigen Bereichen wie Sexualdelikten ist die Quote noch geringer. Alle Zahlen sind um ausländerrechtliche Straftaten bereinigt.

Sexualdelikte

Weit überdurchschnittlich sind Flüchtlinge laut Erhebung der Polizei an Sexualdelikten beteiligt. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen, die 2016 ermittelt wurden, lag bei den Vergewaltigungen bei rund 15 Prozent, bei den Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei rund sieben Prozent und bei den Beleidigungen auf sexueller Basis bei 15,37 Prozent.

Bei einer Erhebung der Polizei zum ersten Halbjahr hatten Experten noch gehofft, dass der Hintergrund der hohen Anteile von Flüchtlingen als Tatverdächtige bei Vergewaltigung oder anderen sexuell motivierten Delikten durch die Silvestervorfälle zum Jahreswechsel 2015/2016 Dezember und dem dadurch gestiegenen Anzeigeverhalten in den Monaten danach begründet sei und „ein weiteres Absinken der Anteile im Jahresverlauf“ zu erwarten sei. Das bestätigte sich nicht.

Im Dezember betrug der Anteil von Flüchtlingen an den ermittelten Tätern bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sogar 27,3 Prozent. Ihr Anteil bei den Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag bei 13 Prozent. Lediglich bei den „Beleidigungen auf sexueller Basis“, etwa sogenannten Grapschdelikten, war der Anteil mit zehn Prozent kleiner als im Jahresdurchschnitt.

Gewaltkriminalität

Deutlich überproportional fallen Flüchtlinge auch bei Gewaltkriminalität mit 13 Prozent, der Rauschgiftkriminalität mit 12,42 Prozent, dem Diebstahl mit 12,1 Prozent, oder den Körperverletzungsdelikten mit 11,06 Prozent aller Tatverdächtigen auf. In anderen Kriminalitätsfeldern sind Asylbewerber dagegen kaum auffällig, insgesamt etwa 87 Prozent der rund 52.000 Flüchtlinge unbescholten.

Fegebank: Fall Amri offenbart Hilflosigkeit der Behörden
Fegebank: Fall Amri offenbart Hilflosigkeit der Behörden

Niedriges Alter als Ursache?

„Flüchtlinge sind häufig männlich und jünger“, sagt Polizeisprecher Rene Schönhardt. Junge Männer gelten, unabhängig von Nationalität und Herkunft, als besonders auffällig. Zudem stammen gerade in Großstädten Ausländer überproportional aus bildungsfernen und sozial unteren Schichten. Zusätzlich würde laut Polizei die Bereitschaft, einen Ausländer anzuzeigen, höher sein als bei deutschen Straftätern.

Zu einer hohen Belastung, gerade bei den Körperverletzungsdelikten, habe die Lage in den Erstaufnahmen geführt, die von vielen Menschen belegt waren. Dort habe sich die Situation deutlich entspannt. „Der Anteil der Polizeieinsätze, die in Erstaufnahmen stattfindet, liegt mittlerweile bei unter 0,4 Prozent“, sagt Schönhardt.

CDU fordert Maßnahmen

Der Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator mahnt, die Kriminalität durch einen Teil der Asylbewerber ernst zu nehmen. „Unter den ausländischen Tatverdächtigen befinden sich Flüchtlinge. Dies ist eine Tatsache, der wir uns nicht verschließen dürfen“, sagte Gladiator.

Der Christdemokrat fordert ein deutliches Vorgehen und sagt: „Hilfe, wem Hilfe gebührt, aber kein Bleiberecht für Straftäter. Sie müssen konsequent abgeschoben werden“, so Dennis Gladiator. Der rot-grüne Hamburger Senat hat inzwischen eine Sondereinheit zur Rückführung straffälliger abgelehnter Ausländer gebildet.