Bildung

Informatiklehrer in Hamburg protestieren

IT-Ausbildung soll doch kein Pflichtfach an Stadtteilschulen werden. Uni streicht 50 Professuren. Unternehmer, Vertreter der Kreativbranche und die Vereinigung der Informatiklehrer machen mobil.

Hamburg. Erstmals richtet Hamburg im Herbst den deutschen IT-Gipfel der Bundesregierung aus, bei dem es um die Stärkung der zukunftsträchtigen Informationstechnologiebranche geht. Aber ausgerechnet in diesem Jahr beginnt die Hansestadt an Schulen und Hochschulen bei der IT-Ausbildung zu kürzen. Die Uni will bis zu 450 Studienplätze und 50 Professuren im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft (MIN) streichen (wir berichteten). Und nun verzichtet auch Schulsenator Ties Rabe (SPD) auf den Plan, Informatik zu einem Pflichtfach an Stadtteilschulen zu machen. Dagegen machen jetzt Unternehmer, Vertreter der Kreativbranche und die Vereinigung der Informatiklehrer mobil.

Die Lehrer kämpfen mit einer eigenen Petition (www.sh-hill.de) gegen eine Schwächung ihres Faches. Mehr als 800 Unterschriften hat die Fachgruppe Schleswig-Holstein-Hamburg der Informatiklehrer (SH-HILL) bereits für ihr Anliegen gesammelt. Teile davon wurden bereits bei Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Rathaus abgegeben.

"Wir fordern Sie auf, das Regierungsprogramm des Senats ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler in Hamburg umfassende informatische Bildung und Medienbildung erhalten", heißt es in dem Begleitbrief an Scholz und Rabe. "Belassen Sie das Fach Informatik im Pflichtbereich der Stadtteilschule und führen Sie es umgehend im Pflichtbereich des Gymnasiums ein."

An den 2010 gegründeten Stadtteilschulen sollte Informatik ursprünglich mit den Fächern Biologie, Chemie, Physik und Technik zum sogenannten Fächerkanon Naturwissenschaften zusammengefasst werden. Aus der Schulbehörde heißt es jetzt: "Aufgrund zahlreicher berechtigter Einwände von Eltern, Schulleitern und Fachleuten wird Schulsenator Rabe diese Umwandlung in einen Fächerkanon nicht vollziehen. Das heißt also: Die bewährte Handhabung wird fortgesetzt - Physik, Biologie und Chemie bleiben Pflichtfächer, Technik und Informatik bleiben Wahlpflichtfächer." Damit werde gewährleistet, dass die Stadtteilschulen exakt dem Fächerkanon der Gymnasien entspräche und in der Unterrichtsqualität nicht abfalle.

Torsten Otto ist Fachsprecher der SH-HILL und Lehrer für Informatik an der Wichernschule in Hamm. Und er kennt viele, die den Aufruf für mehr Informatik unterschrieben haben. "Es sind Hamburger Eltern, die nicht nachvollziehen können, wie im 21. Jahrhundert diese wichtigen Elemente einer zeitgemäßen Bildung überhaupt zur Debatte stehen können", sagt Otto.

Unterstützung kommt auch von der Hamburger Universität, wo der Fachbereich Informatik von massiven Kürzungen betroffen ist. Auch Nico Lumma, SPD-Mitglied und einer der bekanntesten deutschen Internetpioniere, versteht die Politik seiner Hamburger Genossen nicht: "Im Fach Informatik geht es nicht darum, Programmierer auszubilden. Die Kinder sollen ein Verständnis für Digitalisierung und den Umgang mit dem Internet bekommen. Es geht um Medienkompetenz", sagt Berater und Autor. "In Hamburg gibt es mehr als 9500 Unternehmen im Bereich IT, der Hafen wäre ohne Informationstechnologie nicht denkbar."

Zum Thema IT-Bildung gibt es am 27. Mai, 19.30 Uhr, im Betahaus Hamburg, Lerchenstraße 28a, eine Diskussion unter der Leitung von Nico Lumma.