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GEW verkauft jüdische Gründerzeit-Villa in Rotherbaum

In das Haus soll die Akademie der Weltreligionen einziehen. Zudem ist eine Ausstellung zur jüdischen Geschichte in Hamburg geplant.

Rotherbaum. Der jahrelange Streit um die Gründerzeit-Villa Rothenbaumchaussee 19 ist beendet. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist bereit, das denkmalgeschützte Gebäude an einen privaten Investor zu verkaufen, der der Jüdischen Gemeinde nahesteht. Das Haus, intern "Ro 19" genannt, hatte bis 1935 Hamburger Juden gehört und war dann vom NS-Lehrerbund (NSLB) für nur 40.000 Reichsmark erworben worden. Die GEW als Rechtsnachfolgerin hatte das "arisierte Gebäude" 1954 zugesprochen bekommen.

Die jetzt gefundene Lösung hat Ruben Herzberg, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, vermittelt. Herzberg hat auch ein Nutzungskonzept für die Villa erarbeitet, das nun umgesetzt werden soll. Danach wird die neu geschaffene Akademie der Weltreligionen der Universität in der Rothenbaumchaussee ihren Sitz bekommen. Die Uni ist bereits jetzt Mieter und hat Interesse, das Gebäude langfristig zu nutzen.

Darüber hinaus ist eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte in Hamburg geplant. Schließlich soll nach dem Willen Herzbergs die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde in das rund 240 Quadratmeter große Erdgeschoss einziehen. Dadurch haben die expandierenden Bildungseinrichtungen (Schule und Kindergarten) im Gebäude der Talmud-Tora-Schule am Grindelhof, wo die Verwaltung bislang untergebracht ist, mehr Platz.

Nach Abendblatt-Informationen beträgt der Kaufpreis rund zwei Millionen Euro und liegt damit rund 20 Prozent unter dem in einem Wertgutachten ermittelten Preis. Die Preisminderung ermöglicht es dem Käufer, der anonym bleiben möchte, der Jüdischen Gemeinde die Räume für zehn Jahre kostenlos zur Nutzung zu überlassen.

Die GEW war 2007 in heftige Kritik geraten, als sich eine knappe Mehrheit ihrer Vertreterversammlung gegen einen Verkauf ausgesprochen hatte, weil die Mieteinnahmen als unverzichtbar galten. Daraufhin war der Gewerkschaft vorgeworfen worden, sich ihrer historischen Verantwortung nicht zu stellen.

"Ich bin über die jetzt eröffneten Perspektiven sehr glücklich und denke, dass die Jüdische Gemeinde damit eine wichtige Unterstützung in ihrer gemeinnützigen und auf gegenseitigen Respekt orientierten Arbeit erfährt", sagte Herzberg.