Belastungen in Schulräumen

Goetsch sieht keine akute Gefahr durch Asbestfunde

58 Sporthallen und 36 Schulräume betroffen. Laut Behörde besteht jedoch keine Gefährdung der Gesundheit durch Asbest in der Atemluft.

Hamburg. Nicht nur in Hamburger Schulsporthallen ist Asbest gefunden worden, sondern auch noch in 36 anderen Schulräumen wie Musiksälen, Aulen und Pausenhallen. Das räumte der Leiter des Amts für Verwaltung in der Schulbehörde, Hannes Alpheis, gestern in einer kurzfristig von Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) anberaumten Pressekonferenz zum Thema Asbestfunde ein.

Wie die Senatsantwort auf eine Große Anfrage der SPD-Bürgerschaftsfraktion ergab, gibt es in 58 Schulsporthallen noch immer asbesthaltiges Material (wir berichteten). Davon gehe aber, das betonte sowohl die Senatorin als auch die anwesenden Experten, keine akute Gesundheitsgefahr aus. Die Untersuchungen in Schulen und Sporthallen nach dem Asbestfund in der Heizungsanlage in der Halle der Peter-Petersen-Schule im vergangenen September habe ergeben, dass Schüler und Sportler keinem gesundheitsgefährdenden Asbest in der Atemluft ausgesetzt seien, so die Behörde. Acht Gutachterbüros mit rund 20 Gutachtern waren für die Untersuchungen seit September 2009 im Einsatz.

Deshalb würden die 58 Hallen, in denen noch immer Asbest vorhanden ist, nach den geltenden Vorschriften in zwei beziehungsweise fünf Jahren überprüft. Damit sei die Asbestsanierung in Hamburger Schulsporthallen abgeschlossen. Allerdings würden viele Schulen und Hallen im Rahmen der geplanten Sanierungsoffensive modernisiert. Im Zuge dessen würden die Gebäude auch noch einmal auf Asbest oder andere Belastungen überprüft, so Goetsch.

Gutachter Arndt von Liebermann betonte, dass Asbest "immer ein Problemstoff" sei. Deshalb sei es dringend geboten, systematisch zu untersuchen, welche Giftstoffe in den Gebäuden vorhanden seien. Die Initiative Hamburgs nach den Funden in der Peter-Petersen-Schule seien genau richtig gewesen, müssten nun aber fortgeführt werden. In den vergangenen 20 Jahren sei dies zu sehr vernachlässigt worden, so von Liebermann.

In Hamburg soll nun eine behördenübergreifende Gefahrstoffdatenbank aufgebaut werden, sagte Hannes Alpheis. Darin sollen auch die aktuellen Daten über die Asbestfunde eingepflegt werden.

Der SPD-Schulpolitiker Ties Rabe, der die Große Anfrage zum Thema Asbestbelastung in Hamburgs Schulen initiiert hatte, forderte die Schulbehörde auf, der Sanierung von asbestbelasteten Räumen und Gebäuden in Hamburger Schulen Priorität einzuräumen. "Wir brauchen für alle Gebäude - ob Turnhallen, Aulen, Musik- oder Pausenräume - einen Sanierungsplan. Eine Kontrolle nach fünf Jahren reicht nicht", so Rabe.

Die Schulbehörde dürfe nicht den Fehler aus den 80er-Jahren wiederholen, mahnte Rabe. Auch damals habe man nach Asbestfunden auf eine schnelle Sanierung verzichtet und auf entsprechende behördliche Richtlinien verwiesen - passiert sei danach aber bis in die Gegenwart nichts. "Das aktuelle Asbestproblem ist auch eine Folge von Fehlern aus den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts", betonte Rabe. Seiner Meinung nach sollte die Schulbehörde "kein Risiko eingehen" und den gleichen Fehler nicht zweimal machen.