Perspektiven

Wie geht es weiter im Gängeviertel? Fünf mögliche Szenarien

Nach der überraschenden Zahlung des holländischen Investors fragt sich die Stadt, was aus dem Gängeviertel wird. Das Abendblatt zeigt hier fünf mögliche Szenarien auf und bewertet die Möglichkeiten.

Abfindung: bedingt möglich

Hanzevast lässt sich abfinden, das Viertel geht an Hamburg zurück. Es entsteht eine Künstlerkolonie.

Bedingt möglich. Die Investoren gelten als beinharte Kaufleute. Sie wissen, dass sie mit ihrer Hinhaltetaktik in Hamburg einen miesen Ruf haben, während die Künstler Unterstützung seitens der Bevölkerung und weiter Teile der Politik genießen. Entsprechend könnte der Senat geneigt sein, die Investoren aus dem Vertrag herauszukaufen. Es wäre dann nur eine Frage des Preises. GAL, SPD und weite Teile der CDU könnten sich damit anfreunden.

Künstler gehen: unwahrscheinlich

Hanzevast zahlt und baut, die Künstler gehen unter Protest.

Unwahrscheinlich. Die meisten Künstler werden das Quartier nicht ohne große Aktionen verlassen. Ihr Vorteil: Die Stadt Hamburg ist uneinig, und die Zeit spielt für sie. Weil die Künstler viele Sympathien gewonnen haben, können sie eine "Abstimmung mit den Füßen" (durch Besucher) fördern. Eine Räumung müsste mit Polizeigewalt erfolgen. Die Künstler könnten sich - friedlich, ganz langsam und sehr publikumswirksam - hinaustragen lassen. Hamburg hätte bundesweit eine schlechte Presse.

Neue Hafenstraße: unwahrscheinlich

Hanzevast baut, das Viertel wird von Militanten besetzt.

Möglich. Für militante Besetzer ist das Quartier interessant, denn es liegt in der City wie auf dem Präsentierteller und findet bundesweit Beachtung. Ein solches Szenario wäre denkbar, wenn die Künstler - freiwillig oder nicht - das Areal verlassen haben. In diesem Fall gäbe es eine Radikalisierung wie in der Hafenstraße oder im Schanzenviertel. Der fröhlich-friedliche Protest wäre vorbei. Und die Polizei würde das Gängeviertel dann wahrscheinlich auch mit Gewalt räumen lassen.

Zusammenarbeit: unwahrscheinlich

Hanzevast zahlt und baut mit den Künstlern.

Unwahrscheinlich. Wenn Hanzevast mit den Künstlern zusammenarbeiten würde, weil sie sich einen Werbeeffekt versprechen, könnten die Künstler die Profiteure zermürben. Die Künstler hätten die Möglichkeit, daraus ein nicht endendes (sehr amüsantes) Theaterstück zu machen. Sie arbeiten professionell und haben ausgebuffte Berater.

Neuer Investor: möglich

Hanzevast zahlt, beginnt den Bau, aber ein anderer steigt ein.

Nicht auszuschließen. Voraussetzung wäre allerdings, dass das Viertel geräumt ist und die Bauarbeiten begonnen haben. Ob es so weit kommt - siehe die obigen Szenarien.