Bundestagswahl in Hamburg

CDU liegt erstmals vor der SPD

SPD-Chef Ingo Egloff verliert in Wandsbek, Danial Ilkhanipour in Eimsbüttel, Christian Carstensen in Nord. Nur Johannes Kahrs, Hans-Ulrich Klose und Olaf Scholz verteidigen ihre Wahlkreise.

Als das Landeswahlamt um 18.51 Uhr die erste Hochrechnung zu den Hamburger Ergebnissen veröffentlichte, war klar: Nicht nur im Bund, auch in Hamburg würde es ein historischer Wahlabend werden. Zum ersten Mal lag die SPD bei einer Bundestagswahl in ihrer einstigen Hochburg hinter der CDU auf Platz zwei.

Es war ein hauchdünner Vorsprung für die Union, der im Laufe des Abends abschmolz. Und doch: Die Verluste für die SPD sind mit rund zehn Prozentpunkten dramatisch hoch. Das bedeutet: Die Hamburger SPD hat sich dem für die Partei negativen Bundestrend nicht entgegenstemmen können. Einen Einbruch mussten die Sozialdemokraten auch bei den Erststimmen hinnehmen. Nachdem die SPD vor vier Jahren noch alle sechs Direktmandate geholt hatte, gingen diesmal nur noch drei Wahlkreise sicher an die Roten: In Mitte lagen Johannes Kahrs, in Harburg/Bergedorf Ex-Bürgermeister Hans-Ulrich Klose und in Altona Noch-Bundesarbeitsminister Olaf Scholz uneinholbar vorn.

Dagegen musste sich Danial Ilkhanipour, der umstrittene SPD-Direktkandidat in Eimsbüttel, schnell geschlagen geben. In Wandsbek und in Nord blieb das Rennen zwischen SPD und CDU an diesem Abend zunächst offen. Doch je mehr Stimmen die Wahlhelfer auszählten, desto deutlicher wurde: Auch Christian Carstensen in Nord würde sein Direktmandat an Dirk Fischer (CDU) verlieren und SPD-Landeschef Ingo Egloff das Nachsehen gegenüber Jürgen Klimke (CDU) haben.

Als einer der Ersten äußerte einer seine tiefe Sorge über das schlechte Abschneiden der SPD, von dem man es nicht unbedingt erwartet. "Das ist eine für mich alarmierende Niederlage der SPD", sagte Handelskammer-Präses Frank Horch im Medienzentrum, das im Rathaus eingerichtet worden war. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sei es problematisch, wenn eine Volkspartei so stark geschwächt werde.

Für SPD-Landeschef Ingo Egloff war es ein schwerer Abend - auch weil nach langem Zittern klar war, dass er den Wahlkreis Wandsbek verloren hat. "Ich bin natürlich enttäuscht. Wir werden die Ursachen jetzt sehr genau analysieren müssen", so Egloff. Personelle Konsequenzen schloss er ausdrücklich nicht aus. "Wir werden Montagabend eine Sitzung des Landesvorstands haben. Dann werden wir weitersehen."

Bürgermeister Ole von Beust, der den Wahlabend an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) in Berlin verbrachte, blieb auch in der Stunde des Wahlerfolgs zurückhaltend. "Das ist ein erfreuliches Ergebnis für die Union insgesamt. Auch ich persönlich freue mich darüber. Wichtig ist, dass wir mit dem Ergebnis besonnen umgehen", sagte Beust dem Abendblatt. Mit Blick auf die gewonnenen Direktmandate sagte er: "Das Ergebnis zeigt, dass die CDU in Hamburg sehr verankert ist."

Allen Spekulationen über einen Wechsel in das schwarz-gelbe Bundeskabinett trat von Beust noch einmal entgegen. "Ich bin sehr gerne Bürgermeister von Hamburg. Ich habe mich nicht wegbeworben, und es gibt auch keine Anfrage", sagte von Beust. Aber die Dinge sind ja jetzt im Fluss.

Eitel Sonnenschein herrschte bei der FDP. "Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir so ein sensationelles Ergebnis erzielt haben. Ich denke, das ist das Ergebnis von einer Politik der Glaubwürdigkeit und der Geradlinigkeit", sagte der FDP-Landeschef Rolf Salo.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen: "Ich bin sehr erleichtert, dass wir ein ganz hervorragendes Ergebnis bekommen haben. Wir sind von einer Davidposition zu einem Goliath gekommen."

"Es war ein Superwahljahr für die Linken. Ich freue mich besonders darüber, dass auch in Schleswig-Holstein jetzt die Linke drin ist", sagte Jan van Aken, Spitzenkandidat der Linken, der in den Bundestag einziehen wird.

Frohe Gesichter gab es auch bei der GAL, die ihr Ergebnis von 2005 leicht verbessern konnte. "Das ist im Bund unser historisch bestes Ergebnis", sagte GAL-Landeschefin Katharina Fegebank.

Das Hamburger Wahlergebnis zeigt aber auch: Alle, die die Bundestagswahl zu einem Denkzettel für Schwarz-Grün im Rathaus nutzen wollten, sind mit diesem Vorhaben gescheitert. Die CDU hat ihr Ergebnis von 2005 knapp behauptet, die Grünen haben sich sogar leicht verbessert.