UKE-Problem

Debatin sieht "Licht am Ende des Tunnels"

Ärztlicher Direktor berichtet von Fortschritten im Bereich der Zentralen Notaufnahme und des Bettenmanagements.

Hamburg. "Es ist wahrhaft nicht alles perfekt, wir sind auch von Problemen überrascht worden, es gibt aber auch unzählige Dinge, die extrem gut gelaufen sind. Ja, wir sehen Licht am Ende des Tunnels." Mit diesem Fazit von Professor Jörg F. Debatin, dem Ärztlichen Direktor des Universitätskrankenhauses Eppendorf, endete gestern Abend nach zwei Stunden eine äußerst intensive Diskussion des Wissenschaftsausschusses zum Thema: Wie sicher sind die Patienten im UKE nach dem Umzug ins 190 Millionen Euro teure Neue Klinikum?

Nachdem 15 Ärztliche Direktoren im April in einem Brief Alarm geschlagen und von zahlreichen gravierenden Problemen im OP-Bereich, im Bettenmanagement, in der Zentralen Notaufnahme oder beim neuen Computersystem gesprochen hatten, will die Bürgerschaft in regelmäßigen Abständen von dem UKE-Chef über den Stand der Mängelbeseitigung informiert werden. Mit fünf eingesetzten "Eingreiftruppen" geht die Uni-Klinik laut Debatin die Probleme an.

Zentrale Notaufnahme: Von 20 erkannten Tätigkeitsfeldern seien 14 umgesetzt und sechs in der Umsetzung. Wege sind nun besser ausgeschildert, es gab Arbeitszeitanpassungen und einen Umbau im Anmeldebereich.

Computersystem: Die Hochfahrzeiten der einzelnen Rechner wurden verringert, die Arztbriefschreibung vereinfacht und die Schnittstellenproblematik, die laut Brandbrief der Ärzte "zum Untergehen von Befunden" geführt hatte, entschärft.

Operationsbereich: Dort wurde ein "Wartezimmer-Manager" eingeführt, der jetzt in der Aufwachphase die operierten Patienten betreut. Ebenso wurde im Bettenmanagement ein "Betten-Manager" eingesetzt, sodass die Spitzen besser abgedeckt und die freien Kapazitäten besser genutzt werden können. Durch zusätzliches Personal wurden außerdem die Störungen im Bereich Sterilisation deutlich reduziert, Schulungen wurden intensiviert.

Dorothee Stapelfeldt (SPD) wollte wissen, wie gefährlich es für die Patienten ist, wenn, wie das Abendblatt berichtet hatte, das neue Computersystem Soarian seit einer Woche, mit Ausnahme des Sonnabends, täglich mindestens einmal komplett ausfällt, und dann weder Eingaben gemacht noch Befunde eingesehen werden können. Debatin: "Wir haben bei einem Ausfall den Zugriff auf Altsysteme. Natürlich ist die Einführung einer elektronischen Patientenakte ein beschwerlicher Prozess. Aber wir machen das, weil die Verfügbarkeit der Papierakten früher bei 60 Prozent lag. Jetzt haben wir eine Verfügbarkeit von über 96 Prozent."

Zum Problem des eklatanten Personalmangels im Pflegebereich bestätigte Debatin die im Abendblatt genannten Lücken im Dienstplan für den Monat Juli von mehr als 100 Schichten. "Es sind 130." Für Juli seien 18 Vollkräfte eingestellt worden, für August elf, außerdem prüfe man gerade 40 Bewerbungen für den Bereich der Intensivpflege.

Kersten Artus (Fraktion Linke) stellte schließlich noch Fragen zum Fall des im UKE verstorbenen Wolfgang Schmidt (das Abendblatt berichtete). Artus sagte, dass es in dem Bericht nicht etwa um Behandlungsfehler von Ärzten des UKE, sondern um das von der Familie beschriebene organisatorische Chaos gegangen sei: "Wie kann es sein, dass der Sohn für den behandelnden Arzt Patientenunterlagen aus der Onkologie holen muss?" Debatin: "Ich kann mir das nicht vorstellen, das zeigt aber, wie wichtig die elektronische Patientenakte ist." Unbeantwortet blieb ihre Frage, ob sich das UKE bei der Familie dafür entschuldigt hat, dass es Wolfgang Schmidt nach seinem Tod in einem Brief zu einer Therapie aufgefordert hat. Schließlich wollte Artus wissen, ob es bei der Behandlung eine schadhafte Blutreinigungsmaschine gegeben habe? Debatin: "Das höre ich zum ersten Mal."