Hamburg

Traditionsverein sucht die ehrbaren Kaufleute von morgen

"Die Orientierung an den Werten der Vergangenheit sind für Unternehmer aktueller denn je", sagt VEEK-Vorsitzender Christian Dyckerhoff.

Hamburg. Finanzkrisen erschüttern die Weltwirtschaft. Waghalsige Spekulationen von Bankern lassen das Vertrauen in den Börsenhandel schwinden. Doch es scheint sie dennoch zu geben, die ehrbaren Kaufleute.

Christian Dyckerhoff ist einer von ihnen. Wenn der Wirtschaftsprüfer spricht, dann wirkt das kompetent und ehrlich. Ein Geschäftsmann mit Stil, der weiß, dass man sich mit Höflichkeit und Fairness Respekt verschafft. Derzeit ist er Vorsitzender des Vereins "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns" (VEEK), die bereits seit dem 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Hansestadt spielt. Bereits im Jahr 1517 wählte die Hamburger Kaufmannschaft - damals vor allem die den Seehandel betreibenden Kaufleute - einen Vorstand, der "alles Notwendige zu des Kaufmanns Nutzen fördern und Nachteile verhüten" sollte. Neben einem Schutz gegen äußere Feinde sorgte diese Vereinigung für Ordnung in den eigenen Reihen. 1665 wurde aus der VEEK die Commerz-Deputation, Vorläuferin der Handelskammer.

Der heute bestehende VEEK orientiert sich an den traditionellen Maximen. "Die Orientierung an den Werten der Vergangenheit sind für Unternehmer aktueller denn je", sagt Dyckerhoff. "Seitdem es den großen Knall während der Finanzkrise gegeben hat und die Korruptionsaffären bei Siemens und VW, zeigt sich ganz deutlich, dass es nicht reicht, sich an der Marktwirtschaft zu orientieren. Es braucht Ethik und Moral."

Die derzeit rund 1100 Mitglieder des Vereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, sich auch in schwierigen Situationen eben davon leiten zu lassen.

Eine weitere Zielsetzung der Vereinigung ist die Weitergabe ihrer Grundsätze an die Unternehmer von morgen. In einer Kooperation mit der Hamburg School of Business Administration coachen die Mitglieder Studierende. "Wichtig ist, dass wir nicht bekehren wollen, sondern Ideen aufzeigen, die uns antreiben", sagt der Präsident der Vereinigung. Er selbst ist bereits seit zwölf Jahren Mitglied und setzt sich für den Nachwuchs ein. Derzeit läuft neben der Kooperation mit der Universität ein vom VEEK veranstalteter Wettbewerb, der sich an Berufsschüler richtet.

Und vielleicht wird in Zukunft einer der jungen Teilnehmer in der großen Runde der Ehrbaren Kaufleute sitzen. Voraussetzung: Die neuen Mitglieder müssen in der Führungsebene eines Hamburger Unternehmens arbeiten, bereit sein, die Regeln des Vereins zu unterstützen - und zwei Bürgen haben. "Wenn uns die Anwärter überzeugen, dann freuen wir uns und unterstützen sie, wo wir können", sagt Dyckerhoff.