Schule

Schlechtes Zeugnis für Hamburgs Bildung

Leistungscheck der Bundesländer: Hamburg rutscht von Platz 11 auf 14 ab. Bei den Naturwissenschaften ist Hansestadt Letzte.

Hamburg/Berlin. Der schwarz-grüne Senat ist gar nicht mehr im Amt, aber nun erhält die Bildungspolitik von CDU und GAL im Nachhinein ein schlechtes Zeugnis. Hamburg ist im Jahr 2009 beim Leistungscheck der 16 Bundesländer für Schulen und Hochschulen von Platz elf auf 14 abgerutscht.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zum achten Mal den "Bildungsmonitor" erstellt. "Hamburg tritt auf der Stelle, während andere Länder eine Erfolg versprechende Dynamik aufweisen", fasst Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft das Ergebnis zusammen. Es ist vor allem der Bereich Wissenschaft, der das Hamburger Ergebnis nach unten zieht. So betrug der Anteil der Hochschulabsolventen in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MINT-Fächer) 2009 nur 10,9 Prozent - der niedrigste Wert aller Länder. Bei der Promotionsquote in den Ingenieurwissenschaften ist Hamburg ebenfalls Schlusslicht. Der Anteil der MINT-Wissenschaftler am Hochschulpersonal beträgt 51,9 Prozent - das ist der viertletzte Platz. Die Folge: Hamburg belegt im Handlungsfeld MINT den letzten Platz.

Auch bei der Forschungsorientierung schneidet Hamburg schlecht ab: Platz 15. Die Ursachen: Bei der Einwerbung von Drittmitteln lag ein Hamburger Professor 2009 mit 83 500 Euro jährlich weit unter dem Bundesdurchschnitt von 99 800 Euro. Der Anteil der abgeschlossenen Habilitationsverfahren an den Abschlüssen insgesamt betrug 3,7 Prozent (Bundesschnitt 4,6).

Auf der Positivseite steht dagegen, dass Hamburg die zweithöchste Abiturquote aufwies: 40,4 Prozent gegenüber 29,9 Prozent im Bund an den allgemeinbildenden Schulen. Nach Bremen zieht Hamburg die meisten Studenten aus anderen Ländern an. Die Folge: Bei der Akademisierung liegt Hamburg auf Platz drei aller Länder.

Das größte Manko im Schulbereich ist unter dem Begriff "Bildungsarmut" zusammengefasst - Platz 14 für Hamburg. Verantwortlich ist unter anderem die hohe Quote von Schulabbrechern. Zwar sank der Wert von 12,4 Prozent im Jahr 2000 auf nur noch 7,8 Prozent im Jahr 2009, aber zehn Länder waren besser. Bei der Überprüfung der Lesekompetenz verfehlten 11,9 Prozent der Hamburger Schüler die Mindeststandards - nur in Bremen und Berlin war der Anteil mit 14,2 Prozent höher.

Es gibt aber auch Lichtblicke: So belegt Hamburg bei den Bemühungen um Integration Platz zwei. Ein Erfolgsfaktor war der Anteil ausländischer Abiturienten, der mit 23,4 Prozent weit über dem Bundesschnitt von 11,7 Prozent lag.

Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) räumt ein, dass Hamburg zu wenig Absolventen in den technischen Studiengängen hat. "Hieran arbeiten wir mit den Hochschulen nachhaltig", sagte Stapelfeldt. Es sei aber auch klar, dass "unsere kleine Technische Universität mit den großen TUs der Flächenländer nicht mithalten kann". Die Senatorin bemängelte, dass außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie Desy in der Studie nicht berücksichtigt worden seien. Die Drittmittel-Einwerbung habe sich 2010 deutlich auf 93 Millionen Euro pro Professor und Jahr verbessert.

Der CDU-Bildungspolitiker Robert Heinemann zieht die Seriosität des "Bildungsmonitors" in Zweifel. "Ich bin sehr vorsichtig, was die Kriterien anbelangt. Die Gewichtung ist mir unklar", sagte er. Zudem beruhe die Studie im Bereich Schülerleistungen in Mathematik und Naturwissenschaften auf Pisa-Ergebnissen aus dem Jahr 2006. "Es ist nicht fair, fünf Jahre alte Werte zu verwenden und dann zu kritisieren, hier hätte sich in den letzten Jahren nichts verbessert." Dass Hamburg die Schulabbrecherquote von 2000 bis 2009 fast halbiert habe, werde nicht ausreichend gewürdigt. "Weil Hamburg bei der Forschung Nachholbedarf hat, hat Schwarz-Grün die Wissenschaftsstiftung eingerichtet", sagte die GAL-Hochschulpolitikerin Eva Gümbel. Der neue Senat wolle die Stiftung auflösen. "Das wird negative Folgen für den Forschungsstandort haben", so Gümbel.

"Hamburgs Schulen haben unter der CDU-GAL-Regierung erheblich an Boden verloren. Die Kämpfe um die Primarschule haben sinnvolle Reformen blockiert", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Der Schulfrieden biete jetzt die Chance, Vertrauen zu schaffen.

Für GAL-Schulpolitikerin Stefanie von Berg wird aus den schlechten Werten für Hamburg deutlich, "wie nötig die Reformen der vergangenen Wahlperiode waren". Die von den Grünen angestoßenen Entwicklungen würden sich in der Zukunft positiv auswirken. Anna von Treuenfels (FDP) forderte Rabe auf, sich der Qualitätsentwicklung zu widmen. "Senator Rabe hat das mehrfach angekündigt, aber konkrete Initiativen sind bisher ausgeblieben."