Der Sinn der umstrittenen Aktion war Werbung für ein Grippemittel. Der Bezirk Mitte droht mit einem Verfahren gegen die Pharmafirma.

Hamburg. Auch Otto von Bismarck hat mittlerweile erkannt, dass der Frühling Hamburg erreicht hat, und deshalb seine Winterklamotten eingemottet. Zumindest trägt das fast 35 Meter hohe Denkmal des Reichskanzlers nahe den Landungsbrücken nun keinen roten Schal mehr.

Am Wochenende hatte eine Marketingagentur einen Kletterer die überdimensionale Figur erklimmen lassen, um die 20 Meter lange, rote Stoffbahn um deren Hals zu schlingen. Der Sinn dieser umstrittenen Aktion? Werbung für ein Grippemittel.

Gestern Nachmittag wurde der Schal dann wieder abgenommen. Früher als von der Agentur geplant. "Wir haben mit dem Bezirk gesprochen und zugesichert, den Schal unverzüglich zu entfernen", sagt einer der Macher. Die Resonanz der Passanten sei sehr gut gewesen, auch wenn viele den Absender der Werbung nicht erkannt hätten.

Das Entfernen des Schals war die Bedingung, damit der Bezirk Mitte kein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das Unternehmen einleitet. Schließlich war die Aktion nicht genehmigt. "Zudem hätten wir sonst diese Werbung entfernt und die Kosten dafür der Agentur in Rechnung gestellt", sagt Bezirkssprecher Lars Schmidt-von Koss.

Aber auch nach der Entfernung des Schals sei weiterhin eine Strafanzeige wegen Verunglimpfung oder Sachbeschädigung möglich. "Es handelt sich ja um ein Denkmal, und das ist schützenswert." Bisher hat die Kulturbehörde keine Anzeige geplant. "Sollten durch die Aktion allerdings Schäden entstanden sein, müssen wir über weitere Schritte nachdenken", sagt Behördensprecher Stefan Nowicki.

"Denkmäler sind grundsätzlich ein öffentliches Gut und sollten nicht für privat-kommerzielle Zwecke missbraucht werden", sagt Frank Pieter Hesse, Leiter des Denkmalschutzamtes. Nur selten gebe es Ausnahmen, etwa wenn ein Denkmal wegen Baumaßnahmen eh mit einem Gerüst versehen ist. "Aber selbst dann sollten die Werbeeinnahmen bevorzugt dem Denkmal zugute kommen."