Wahlkampf Hamburg 201

Wie gut sind Hamburgs Wahlplakate? Eine Analyse.

Die Werbeagentur Kolle Rebbe bewertet für das Abendblatt die Werbekampagnen der Parteien. Wer hat das beste Plakat? Lesen Sie selbst!

Hamburg. Sie stehen an jeder Straßenecke. Lehnen an Laternenmasten und Straßenschildpfählen. Vor rotem, blauem oder hellgrauem Hintergrund schauen sie uns an - die Spitzenkandidaten der Parteien. Die ganze Stadt ist übersät mit Wahlplakaten. Wie gut sind sie? Verstecken sich hinter den Plakaten geniale Ideen, oder sind die Kampagnen kalter Kaffee?

Für das Abendblatt nahm Stephan Rebbe, Inhaber der Werbeagentur Kolle Rebbe, die Motive unter die Lupe. "Gestalterisch hat keine der Parteien hier den großen Wurf gewagt", sagt er. "Irgendwie wirken die Plakate bemüht." Kolle Rebbe gehört mit 240 Mitarbeitern und Kunden wie Otto und Google zu den größten inhabergeführten Werbeagenturen Deutschlands. Die Hamburger haben 2009 gemeinsam mit der Agentur Shipyard den Bundestagswahlkampf der CDU betreut. Derzeit sind sie für keine politische Partei tätig.

Die Werbung der CDU sei solide, so Rebbe. Die SPD wolle besonders modern gestaltet daherkommen und wirke dadurch irgendwie bemüht. Die Linke scheine mit ihren forschen Aussagen von allen Parteien die direkteste, während die FDP planlos wirke. Die GAL sei sich treu geblieben - mit ihrer "durchschnittlichen Gestaltung" und der Inszenierung klassischer Themen.

Grundsätzlich müssten Plakate, wie schon der Name sage, plakativ sein, sagt der Werber Rebbe über das Ziel der Wahlwerbung. "Man muss sie als Betrachter innerhalb von drei bis fünf Sekunden decodieren können." Das bedeute: keine langen Texte. "Und idealerweise eine einzeilige Überschrift mit einer gut lesbaren Schrift. Dazu ein ansprechendes Layout, die lesefreundliche Platzierung des Textes und natürlich eine prominente Absendermarkierung." Das müsse im Einklang mit den Gestaltungsgrundsätzen der werbenden Partei stehen.

Ole Keding, Politikwissenschaftler der Universität Hamburg, sagt über die Wahlwerbung der SPD : "Die Kampagne von Olaf Scholz agiert recht überlegen aus den guten Umfragewerten heraus. Mit so einem Vorsprung muss man die Wähler nicht mehr überzeugen, da langt es, vernünftige Präsenz zu zeigen." Das wirke dann so, als habe Scholz tatsächlich einen Amtsbonus und wäre der amtierende Bürgermeister, der nur seine Popularität einsetzen müsse.

Im Gegensatz dazu scheine die CDU bei der Kampagne ihre letzten Mittel auszuschöpfen. "Da muss dann der blanke Populismus herhalten", so Keding. "Das mutet doch teilweise wie Ronald Schills Recht-&-Gesetz-Kampagne an." Der Politikexperte glaubt zudem, dass die Christdemokraten versuchen, Christoph Ahlhaus bekannter zu machen. "Laut Umfragen ist er ja immer noch recht unbekannt."

Dagegen bezeichnet er den Einfall, Katja Suding im "Friesennerz" zu zeigen, als eine gute Bildidee. "Der FDP fehlt es ja im Moment vor allem an Bürgernähe in der öffentlichen Wahrnehmung", sagt Keding. Allerdings erinnere das aufgesetzte Wortspiel mit dem Ja in "KatJa" doch zu sehr an die vergessen geglaubte Spaßpartei. "Weniger wäre da mehr gewesen." Lob spendet Keding der GAL . "Die Plakate der Grünen gefallen recht gut und werden bestimmt klar ihre Zielgruppe erreichen." Auch die Plakate der Linken seien zielgruppengerecht gehalten, "wenn auch natürlich recht populistisch". Dabei sind sich die beiden Experten Rebbe und Keding einig, dass die klassische Plakatwerbung heute nur noch einen Teil der gesamten Wahlwerbung bildet. "Plakate sind ein wichtiger, aber nicht der wichtigste Kommunikationsbaustein im Wahlkampf", sagt Rebbe. Und Keding ergänzt: "Plakatwerbung hat viel weniger Einfluss als früher, und selbst der sinkt stetig." Mittlerweile werde der Kampf um Wechselwähler und die Aktivierung potenzieller Nichtwähler, so Rebbe, im Internet auf Social Media Plattformen wie Facebook, den Parteiseiten und Internetseiten zu bestimmten Themen entschieden. Das Fernsehen spiele bei einer Wahl wie der zur Bürgerschaft 2011 nur eine untergeordnete Rolle. "Internet und Social Media sind die Wahl-Informationsplattformen und Kampfplätze der Zukunft", sagt auch der Politikwissenschaftler Keding. "Dennoch hat selbst Barack Obama seinen Wahlerfolg nur sehr bedingt seiner tollen Internetkampagne zu verdanken. Zudem unterscheiden sich das politische System und die politische Kultur der USA sehr vom Deutschen."

Das Wahlkampf-Budget der einzelnen Parteien ist dabei 2011 durchaus unterschiedlich. So plant die SPD für diesen Wahlkampf eine Million Euro ein und gibt damit von allen Parteien am meisten aus.

Die CDU wiederum will rund 500 000 Euro investieren. Bei der GAL sind es 200 000 Euro und damit genauso viel wie bei der vergangenen Bürgerschaftswahl. Die Linke wiederum will mit 300 000 Euro sogar mehr als 2008 investieren, als der Wahlkampf 270 000 Euro kostete. Die FDP plant mit 100 000 Euro.