Spitzenkandidatin der Liberalen

Das neue Gesicht der Hamburger FDP

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Landesvorstand nominiert Katja Suding mit 13 von 17 Stimmen als Spitzenkandidatin der FDP. Parteichef Rolf Salo lässt eigene Ambitionen offen.

Hamburg. Ein Trost für Fans von Sky DuMont vorneweg: Ja, der smarte Schauspieler, seit Jahren Mitglied und Unterstützer der Hamburger FDP, wird auch in diesem Wahlkampf Auftritte haben. Aber das prominenteste Gesicht der Elb-Liberalen soll ab sofort nicht mehr 63 Jahre alt, männlich und silbergrau sein, sondern weiblich, 35 Jahre jung und dunkelhaarig: Katja Suding.

Die PR-Beraterin aus Rissen wurde vom FDP-Landesvorstand als Spitzenkandidatin für die vorgezogene Bürgerschaftswahl am 20. Februar nominiert. Als neues Aushängeschild der Liberalen soll sie die frühere Regierungspartei zurück in die Bürgerschaft führen - in der sie seit sieben Jahren, seit dem Bruch der CDU/FDP/Schill-Koalition, nicht mehr vertreten ist. Keine leichte Aufgabe: Ausgerechnet in der liberalen Kaufmannsstadt Hamburg waren die Liberalen zuletzt nahezu in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken, die jüngsten Umfragen sagten ihnen drei bis vier Prozent der Stimmen voraus.

Nach Abendblatt-Informationen stimmten 13 von 17 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern für Suding, bei einer Enthaltung sprachen sich drei gegen sie aus. FPD-Landeschef Rolf Salo bestätigte nur, dass die finanzpolitische Sprecherin der Partei mit "großer Mehrheit" nominiert wurde.

Salo selbst, dem Ambitionen auf die Spitzenkandidatur nachgesagt worden waren, hatte im Landesvorstand erklärt, dass er dafür nicht zur Verfügung stehe, und stattdessen Suding vorgeschlagen. Der Verzicht des wegen seines "monarchischen Führungsstils", so die interne Kritik, umstrittenen Parteichefs sowie die Tatsache, dass es gegen seinen Personalvorschlag keine Gegenkandidatur gab, wurde als Indiz dafür gewertet, dass die FDP ihr traditionelles Gezänk bis zur Wahl zurückstellt.

Ob der Unternehmer Salo überhaupt ein Bürgerschaftsmandat anstrebt, ließ er noch offen - er habe ja auch eine Firma zu führen. Von seinen internen Gegenspielern, den FDP-Bundestagsabgeordneten Sylvia Canel und Burkhardt Müller-Sönksen, hatte Müller-Sönksen angekündigt, nicht nach Hamburg wechseln zu wollen. Canel sagte, sie stehe zwar für die Bürgerschaft zur Verfügung, werde aber nicht gegen Suding kandidieren. Am 4. Januar stellt die FDP ihre Wahllisten auf, am 20. Dezember das Wahlprogramm.

Dessen Schwerpunkte dürften ganz auf die Spitzenkandidatin zugeschnitten sein, die erst seit 2006 FDP-Mitglied ist. Jedenfalls machte Suding bei ihrer Vorstellung gestern in der Parteizentrale an der Rothenbaumchaussee - die am 1. März an die Hoheluftchaussee verlegt wird - schon mal klar, welche drei Themen ihr am Herzen liegen: Die "desolate Haushaltssituation", ein "klarer Kurs in der Wirtschaftspolitik" sowie die Bedeutung junger Familien für die Stadt. Vor allem den letzten Punkt kann die Mutter von sechs und acht Jahre alten Söhnen glaubhaft vertreten. Die Erhöhung der Kita-Gebühren würde sie wie alle anderen Parteien zurücknehmen. Darüber hinaus wünscht sich die selbstständige PR-Frau auch ein flexibleres Kita-System, das sich stärker an Eltern-Arbeitszeiten orientiert. Flexibler sollen auch die Ladenöffnungszeiten werden - die würde Suding am Sonntag ganz freigeben.

Nachdem Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) erst einen harten Sparkurs vertreten, dann aber die Rücknahme etlicher Sparbeschlüsse angekündigt hatte, wirft Suding der CDU "eine Rolle rückwärts" vor. Sie strebe in der Haushaltspolitik eine "grundsätzliche Wende" an. In der Verwaltung würde sie jede zweite frei werdende Stelle einsparen - Lehrer, Polizisten und Feuerwehrleute ausgenommen.

Sollte es für eine Rückkehr in die Bürgerschaft reichen, wäre die FDP offen für Koalitionen mit CDU oder SPD - das unterscheidet sie von der GAL, die nach drei Jahren Schwarz-Grün das Bündnis gekündigt hatte und von der CDU erst mal nichts mehr wissen will - was umgekehrt auch gilt. Eine Chance für die FDP? Suding: "Wir sehen uns durchaus als Alternative zur GAL."