Parteien Hamburg

Schmähkritik per Rundmail: Jungliberaler entschuldigt sich

Foto: FDP

In der E-Mail-Affäre, die die FDP derzeit erschüttert, hat der Landesvorstand der Liberalen eine Entscheidung verschoben.

Hamburg. Vier Stunden lang hat die Parteispitze vergeblich nach einem Ausweg gesucht. Die Fronten zwischen der Gruppe um Parteichef Rolf Salo auf der einen Seite und seinen Stellvertretern, den Bundestagsabgeordneten Burkhardt Müller-Sönksen und Sylvia Canel, auf der anderen Seite bleiben verhärtet. "Es hat Verletzungen in alle Richtungen gegeben", sagte ein Teilnehmer.

Darum geht es: Unmittelbar nachdem der Landesvorstand in der vergangenen Woche Canel vom Posten der bildungspolitischen Sprecherin abberufen hatte, verbreitete eine E-Mail die Nachricht über einen großen Verteiler an Parteifreunde und Journalisten. Der Text war von Empörung über die Entscheidung gegen Canel getragen und sparte nicht mit Kritik am Salo-Lager. Salo selbst wurde als "schwacher Landesvorsitzender", Vorstandsmitglied und Canel-Gegnerin Martina Kaesbach als "die wohl unfähigste Person unter den Sprechern der FDP" bezeichnet. Schwerster Vorwurf: "Dieselben Personen, die die FDP Hamburg bereits in den vergangenen Jahren in den Abgrund gesteuert haben, halten weiter das Heft in der Hand."

Ende der Woche war der Absender der unter Pseudonym verschickten E-Mail ausgemacht: Dem Jungliberalen, der überdies noch Mitarbeiter von Canel ist, wird nun parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.

Nach Abendblatt-Informationen hat der Mann seine Missetat eingeräumt und um Entschuldigung gebeten. Er habe aus Empörung über das Vorgehen des Landesvorstands "im Affekt" die E-Mail geschrieben. "Die Partei überlegt, wie sie angemessen reagieren kann", sagte FDP-Sprecher Henry C. Brinker. Eine Entscheidung soll auf der Klausurtagung des Landesvorstands Ende Januar fallen.