Wissenschaftsetat

Lenzen: "Herr Bürgermeister, bitte kehren Sie um!"

Foto: Bertold Fabricius

Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen protestiert in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz gegen die Sparpläne beim Wissenschaftsetat.

Hamburg. Die Universität Hamburg protestiert weiter gegen Ankündigungen des Senats, in der Wissenschaft bis Ende des Jahres 2012 rund 13 Millionen Euro einzusparen. Nach der Aussage von SPD-Fraktionschef Andreas Dressel, ihm könne niemand erzählen, dass bei den Universitäten gerade "in den Verwaltungen kein Cent mehr zu holen sei", hat Uni-Präsident Dieter Lenzen einen offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz geschrieben. Das Abendblatt dokumentiert dieses Schreiben im Wortlaut.

"Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister! Wir appellieren an Sie: Bitte lassen Sie ab von den verhängnisvollen Kürzungsplänen für die Wissenschaft in unserer Freien und Hansestadt Hamburg! Bitte kehren Sie um! Sprechen Sie mit uns!

Das sind die Tatsachen: Nach einer kurzen Phase des Ausbaus der Universität in den 70er-Jahren ist sie von unterschiedlichen Regierungen immer weiteren Einschnitten unterzogen worden.

Die Universität gehört zu den am schlechtesten finanzierten Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland. Diese Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass die Universität in diversen Wettbewerben nahezu chancenlos war.

Die Zahl der Studienbewerber ist kontinuierlich gestiegen. Viel mehr junge Hamburger und Hamburgerinnen als je zuvor möchten an unserer Universität studieren. Die Leistungsbilanz der Universität, etwa in der Einwerbung von Fremdmitteln ist so gut wie nie zuvor. Die Potenziale der Universität, die auch durch zahlreiche Neuberufungen erweitert werden konnten, sind außerordentlich gut.

Und nun dieses: Statt des längst überfälligen Ausbaus der Universität soll jetzt ein weiterer Abbau stattfinden. Vom Gegenteil sind diejenigen ausgegangen, die den Wahlversprechen geglaubt haben. Wir erwarteten nicht nur eine Rücknahme der Kürzungsentscheidungen des Vorgängersenats, sondern selbstverständlich eine neue, endlich zukunftsfähige Finanzierung der Universität.

Kommen Sie in unsere Universität und lassen Sie sich die Folgen Ihrer Absichten zeigen! Diskutieren Sie mit uns als den Entscheidungsträgern, aber auch mit den Betroffenen in der Universität!

Bitte verspielen Sie nicht die Zukunft der Kinder dieser Stadt. Verspielen Sie nicht die Zukunft unserer Freien und Hansestadt Hamburg!"

Unterzeichnet haben den Brief alle Vertreter des Präsidiums, Vertreter des Akademischen Senats, Vertreter des Hochschulrats (darunter die Unicef-Vizevorsitzende Maria von Welser) sowie sämtliche Dekane.

Auch das Studierendenwerk hat der SPD geschrieben, um gegen eine Streichung sämtlicher Zuschüsse für das Mensa-Essen zu protestieren - die war bereits vom schwarz-grünen Senat beschlossen worden. Man habe die "Hoffnung" gehabt, dass mit Amtsantritt der SPD diese Maßnahmen hinfällig seien, schreibt Geschäftsführer Jürgen Allemeyer. Mit einer weiteren Kürzung um 2,3 Millionen Euro sei Hamburg ab 2012 einziges Bundesland, das auf eine Subventionierung des Essens für Studierende verzichte. Auswirkungen: Rund 30 Euro höhere Semesterbeiträge und ein um rund 20 Cent teureres Mensa-Essen sowie Probleme bei weiteren Angeboten, etwa Kinderbetreuung und Wohnangebote für Studierende - dies sei besonders für Studierende aus "bildungsfernen und einkommensschwächeren" Familien schlimm.

Auch die heutige Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) hatte vergangenes Jahr aus der Opposition diese Einschnitte kritisiert. "Es gibt viele soziale Schieflagen, die beseitigt werden müssen", sagte Stapelfeldt damals. Unstrittig ist aber, dass die SPD die Studiengebühren noch in diesem Jahr abschafft und dafür jährlich bis zu 40 Millionen Euro erstattet.

Am morgigen Mittwochabend spricht die Senatorin um 18.30 Uhr vor der Universitäts-Gesellschaft Hamburg. Das Thema: "Hamburg als Stadt der Bildung und Wissenschaft".