Virus Hamburg

Die unerwarteten Folgekosten der Schweinegrippe

Foto: dpa

Überschüssige Impfdosen kosten die Hansestadt voraussichtlich rund vier Millionen Euro. Etwa 650.000 Dosen bleiben momentan übrig.

Hamburg. Anders als befürchtet, ist die große Schweinegrippewelle ausgeblieben. Diese gute Nachricht hat allerdings auch einen faden Beigeschmack. Denn der nicht verbrauchte Impfstoff führt dazu, dass den Ländern ein finanzieller Verlust von rund 236 Millionen Euro droht (wir berichteten).

Auch Hamburg rechnet mit Einbußen in Millionenhöhe. "Wir haben 750.000 Impfdosen bestellt und 100.000 davon verimpft. Momentan bleiben 650.000 Dosen im Wert von ungefähr vier Millionen Euro übrig", sagt Rico Schmidt, Pressesprecher der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz. Eine Erklärung liefert er sogleich mit: Die geringe Impfbereitschaft und der milde Verlauf der Grippe seien nicht vorhersehbar gewesen. "Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Verlust in Hamburg auch noch überschaubar", so Rico Schmidt.

Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat 6,4 Millionen Impfdosen im Wert von 53,3 Millionen Euro auf Lager. Derzeit bemüht sich das Gesundheitsministerium von Niedersachsen, das derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder innehat, den überschüssigen Grippeimpfstoff aller 16 Bundesländer ins Ausland zu verkaufen. Das Problem: Mitte 2011 läuft die Haltbarkeit des Serums ab. "Mit jedem Tag schwindet aber die Wahrscheinlichkeit, die Impfdosen erfolgreich zu verkaufen", sagt Thomas Spieker, Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Denn auch bei den potenziellen Käufern im Ausland ist die Angst vor der Schweinegrippe gesunken.

Allerdings gibt es möglicherweise Hoffnung für Hamburg und die übrigen Länder, den Impfstoff einzusetzen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat am 23. April bei der Europäischen Kommission eine Empfehlung auf Zulassungserweiterung abgegeben. Der Impfstoff Pandemrix könnte dann auch in Nicht-Pandemiezeiten genutzt werden.

Susanne Stöcker, Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, hält die Zulassung für wahrscheinlich. Pandemrix sei eine wichtige Ergänzung zu dem Impfstoff gegen die saisonale Grippe und ermögliche den Schutz vor dem Schweinegrippevirus H1N1, der das menschliche H1N1-Virus fast völlig verdrängt habe. Er schütze allerdings nur gegen einen Virenstamm, nicht wie der saisonale Impfstoff gegen drei. Gut möglich also, dass die Bürger im nächsten Winter aus zwei Impfstoffen wählen können - je nach Impfbedürfnis und persönlichem Risiko.