Kampfabstimmung über den Vorsitz der CDU Mitte

David Erkalp tritt gegen Amtsinhaber Christoph de Vries an

Der CDU-Kreisverband Mitte entwickelt sich zur Krisenregion innerhalb der Partei: Heute Abend wird es in den Räumen der Handwerkskammer (Neustadt) zur Kampfabstimmung darüber kommen, wer neuer Kreisvorsitzender zwischen Billstedt und Finkenwerder wird. Der Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp tritt gegen Amtsinhaber Christoph de Vries an.

Alle Versuche, zwischen den beiden rivalisierenden Lagern zu einer Einigung zu kommen, sind fehlgeschlagen. Zuletzt war nach Informationen des Abendblatts am Freitag ein Gespräch unter der Leitung des amtierenden Landesvorsitzenden Frank Schira ohne Erfolg geblieben. "Der Kreisverband ist gespalten", sagt ein führender Christdemokrat aus der Mitte-CDU.

Es geht bei dem Konflikt weniger um politische Inhalte als um Macht und Einfluss, nicht zuletzt bei der Besetzung von Ämtern und Posten. Nach Informationen des Abendblatts war eine Einigung vor allem daran gescheitert, dass die Erkalp-Seite darauf bestand, sieben der ersten zehn Plätze der Liste für die Bezirksversammlungswahl 2012 mit eigenen Leuten zu besetzen. Drei aussichtsreiche Plätze waren de Vries und seinen Mitstreitern zu wenig.

"Das gibt das Stärkeverhältnis im Kreisverband nicht wieder", kritisiert ein De-Vries-Mann die Erkalp-Forderung. Doch selbst die Unterstützer des Kreisvorsitzenden räumen ein, dass die Erkalp-Seite eine Mehrheit bei den Delegierten des Kreisparteitags hat, wenn auch eine knappe.

Die Verhandlungen waren mit dem Ziel geführt worden, eine Kampfabstimmung zu vermeiden. De Vries wäre bereit gewesen, auf eine erneute Kandidatur für den Kreisvorsitz zu verzichten. Eine Voraussetzung wäre gewesen, dass de Vries seinen Platz im CDU-Landesvorstand behält. Doch auch zu diesem Zugeständnis soll das Erkalp-Lager nicht bereit gewesen sein.

Der Machtkampf in der Mitte-CDU ist auch die Folge ausgesprochen erfolgreicher Mitgliederwerbung. Von Januar bis April dieses Jahres stieg die Zahl der Christdemokraten mit Parteibuch in Hamburg um 535 auf 9800 - trotz der großen politischen Probleme der Union mit der Folge sinkender Umfragewerte. Der weitaus größte Zuwachs an Mitgliedern entfällt auf die CDU Mitte und hier wiederum auf Ortsverbände, die von Erkalp-Anhängern geführt werden.

Der Bürgerschaftsabgeordnete selbst, der aramäischer Christ ist, hatte vor einigen Jahren zahlreiche seiner Glaubensbrüder und -schwestern bewegen können, in die Billstedter CDU einzutreten. Kurz darauf wurde er zum Vorsitzenden des Ortsverbands gewählt. An dem 36 Jahre alten Diplom-Betriebwirt führt im CDU-Kreisverband Mitte längst kein Weg mehr vorbei. Vor Kurzem erst hatte David Erkalp seinen Vertrauten Joseph Ilcin als stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksversammlung Mitte installiert.

Mittlerweile wird der Billstedter CDU-Vorsitzende sogar als Nachfolger für die stellvertretende Parteichefin Aygül Özkan gehandelt, die als Sozialministerin nach Niedersachsen gewechselt ist.