Radsport

Das sind die Mountainbike-Trails in den Harburger Bergen

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Lars Hansen
Familiensport: Merle Schwarz geleitet ihren fünf Jahre alten Sohn Neo durch den Geschicklichkeits-Trail.

Familiensport: Merle Schwarz geleitet ihren fünf Jahre alten Sohn Neo durch den Geschicklichkeits-Trail.

Foto: Lars Hansen / xl

Beim Mountainbiken in den Harburger Bergen geht es um Geschicklichkeit, Rücksicht und den Einklang mit der Natur.

Hamburg.  „Der Feuerlöscher ist eine Murmelbahn“, sagt Jonas Höhne und meint das völlig ernst. Während alle anderen, die diesen Satz hören, sich wahrscheinlich fragen würden, was damit meint, nicken seine Mountainbike-Freunde am Eingang des Waldparcours zustimmend. Sie haben es verstanden und sind derselben Meinung: Der Mountainbike-Parcours, fachmännisch „Trail“, den sie „Feuerlöscher“ getauft haben, weil dort, wo sie ihn anlegten, ein weggeworfener Löscher lag, ist einer, auf dem einen das Fahrrad von ganz allein und unfallfrei vom Start oben bis zum Ziel unten bringt, wenn man es denn lässt.

Von oben betracht sieht das allerdings zunächst einmal nicht so aus: Die meisten Trails, die der „Harburger Berge Mountainbike e.V.“ angelegt hat, sind an so steilen Hängen in den Waldhügeln, dass man sich erst einmal trauen muss. „Kleiner Feigling“ heißt ein anderer deshalb nicht umsonst. Die ungefähr 100 Mitglieder des Vereins und einige Aktive eines Vorgängerclubs haben diese beiden und über ein Dutzend weitere Trails in den Endmoränen der Harburger Geestlandschaft angelegt, und zwar mit Zustimmung des Forstamts – eine Kooperation, die außerhalb Hamburgs mit Interesse verfolgt wird. Kann man Mountainbiken und Naturschutz vereinen?

In Absprache mit dem Forstamt diverse Trails angelegt

Jonas Höhne ist der eindeutigen Meinung, dass das geht, und dass man trotzdem Spaß am Mountainbiken haben kann. „In Absprache mit dem Forstamt konnten wir hier ganz unterschiedliche Trails anlegen, die viele verschiedene Aspekte des Mountainbikens beinhalten und deshalb auch für die verschiedensten Mountainbiker-Typen attraktiv sind. Gleichzeitig richten sie möglichst wenig Schaden in der Natur an.“

Die unterschiedlichen Mountainbikertypen sieht man schon oben am „Feuerlöscher“, denn der schnelle „Feuerlöscher“ teilt sich den Startpunkt mit dem sehr technischen „Kleinen Feigling“ und dieser Punkt wiederum liegt an dem für Anfänger geeigneten „Sennhütten-Trail“. Hier kommt alles zusammen, was die Vereinsparcours‘ an Schwierigkeitsgraden zu bieten haben: blau, rot und schwarz, fast wie im Skigebiet. Den Feuerlöscher gibt es sogar in schwarz und rot: Schwarz beinhaltet einen spektakulären Sprung über einen kleinen Abhang, rot führt als „Murmelbahn“ rechts daran vorbei.

Schwierigkeitsgrade wie beim Skifahren: schwarz, rot und blau

Arne Reh liebt die Sprünge: Kurz vor der Kante reißt er sein Fahrrad hoch, damit es nicht einfach herunterkippt, sondern schön glatt durch die Luft saust. Im Flug wagt er ein wenig Schräglage. Aber wehe, er ist bei der Landung nicht wieder in der Senkrechten: Das würde sich schmerzhaft rächen.

Auch Jonas Höhne mag ab und zu solche Sprünge. Jetzt aber ist er mit Familie unterwegs, mit seiner Freundin Merle Schwarz und deren zwei Kindern Jella und Neo. Jella kann noch gar nicht Fahrradfahren. Sie fährt beim Stiefvater Jonas mit und gewöhnt sich schon einmal ans Mountainbiken. Der nimmt deshalb heute lieber die harmlosen und technischen Trails. „Das ist dann kein Adrenalinsport, aber körperlich auch anspruchsvoll“, sagt Jonas Höhne. „Ich liebe diese Kombination aus Technik, Balance und Bewegung in der Natur.“

„Mit Fahrrädern unter 3000 Euro wird man selten glücklich“

Jellas Bruder Neo ist fünf und fährt schon selbst. Manche Steigungen zieht ihn Mutter Merle noch am Schleppseil, aber bergab kurvt er schon allein um Wegbiegungen und Hindernisse – angeleitet von Mutter oder Stiefvater.

Sein Sportgerät hat sich Höhne einiges kosten lassen. „Wenn man länger dabei ist und Ansprüche entwickelt hat, wird man mit Fahrrädern unter 3000 Euro selten glücklich“, sagt er. „Es hat zwar jeder Biker ein anderes Rad, aber teuer waren die meisten.“ Dass die Investition sich in den Augen der Sportler lohnt, liegt auch daran, dass das Fahrrad – Stichwort Murmelbahn – auf der Strecke möglichst viel allein arbeiten soll.

„Wir fahren im Stehen, weil wir im Sitzen das Hinterrad zu sehr in den Trail drücken würden. Das kostet Wendigkeit“, sagt Höhne. „Idealerweise ist die Hüfte über dem Tretlager und der Kopf über dem Lenkervorbau. Dann braucht das Fahrrad nur leichte Impulse. Dazu fahren wir vorausschauend mit Konzentration auf das, was der Weg vor uns macht. Dann folgt der Kopf den Augen, der Körper dem Kopf und das Bike fährt mit.“ Dass es nicht immer so einfach geht, wie es sich anhört, sieht man am Ende des Feuerlöscher-Trails: Einige der Athleten haben sichtbare Schrammen an den Gliedmaßen. Die meisten jedoch kommen selbst auf der „schwarzen Piste“ ohne Blessuren nach unten.

Mountainbike-Verein will gegenseitige Rücksicht fördern

Die Trails, die der Verein anlegt, stehen allen Waldnutzern offen, neben anderen Mountainbikern auch Fußgängern – obwohl die meisten nicht bequem zu gehen sind. „Was wir gern fördern wollen, ist gegenseitige Rücksicht“, so Jonas Höhne. „Wir rufen, wenn wir den Trail herunterkommen, die Fußgänger machen kurz Platz und beide grüßen sich.“

Leider ist das Verständnis nicht überall das gleiche. Immer wieder kommt es vor, dass die Vereinsmitglieder mutwillig entfernte Schilder erneuern oder Hindernisse aus dem Trail räumen müssen. Ebenso häufig kommt es vor, dass sie die Befestigung der Trails reparieren müssen, weil einzelne Fahrer sich ihre eigene Route gesucht haben. „Das sind oft die, wegen derer unser Sport einen schlechten Ruf hat und einige Waldnutzer rabiat werden“, sagt Höhne. „Solche Leute sind aber zum Glück auf beiden Seiten in der Minderheit!“

Informationen unter www.habemtb.de

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