Fußball-Oberliga

FC Süderelbe verstärkt sich in Spanien

Saúl Mestre (21) und Mauro Alcaraz (27) auf dem Kunstrasenplatz des FC Süderelbe am Kiesbarg.

Saúl Mestre (21) und Mauro Alcaraz (27) auf dem Kunstrasenplatz des FC Süderelbe am Kiesbarg.

Foto: Maximilian Bronner

Mauro Alcaraz und Saúl Mestre wollen Profi werden. Doch wieso verpflichtet ein Amateurclub aus Hamburg plötzlich Spieler aus Spanien?

Neugraben.  Die Liste der Neuzugänge des FC Süderelbe liest sich zunächst einmal unspektakulär. Die neuen Akteure des Fußball-Oberligisten vom Kiesbarg kommen aus Buchholz, Eimsbüttel oder Wedel. Zwei Namen jedoch stechen sofort ins Auge. Torwart Mauro Alcaraz (27/CAP Ciudad de Murcia) und Mittelfeldspieler Saúl Mestre (21/CD Santanyí Mallorca) wechselten aus der vierten spanischen Liga an die Elbe. Vor dem Beginn der neuen Oberliga-Saison an diesem Sonnabend traf das Abendblatt beide Spieler zum Gespräch – da sie noch kein Deutsch und kaum Englisch sprechen, baten Sie darum, das Interview auf Spanisch zu führen.

„Mittlerweile sind wir seit fast zwei Monaten hier“, berichtet Alcaraz. Kennengelernt hätten sie sich erst am Flughafen, erzählen sie. Aber wieso verpflichtet ein Amateurclub aus dem Hamburger Süden plötzlich Spieler aus Spanien? „Der Kontakt zu den Spielern ist über meine berufliche Ebene entstanden. Mauro und Saúl waren interessiert, als Trainer für die Real-Madrid-Fußballschule zu arbeiten.

Dort bin ich hauptberuflich tätig und organisiere in unserem Team die Camps im deutschsprachigen Raum“, erklärt der neue FCS-Ligamanager Seweryn Malyk. Als er erfahren habe, dass die beiden Spieler in Spanien auf einem hohen Niveau spielten und in Hamburg untergebracht werden sollten, sei er neugierig geworden.

Torwart: Neun Vereine in sieben Jahren

„Ich habe mir dann den Kontakt der Berater geben lassen. Darüber hinaus habe ich mir Videos angesehen und dann konnten wir es so verknüpfen, dass Mauro und Saúl beruflich im Hamburger Raum eingesetzt wurden und sie so dennoch bei uns mittrainieren konnten“, berichtet Ligamanager Malyk. Die Fußballschule von Real Madrid bietet in Hamburg und Umgebung regelmäßig Camps für Kinder und Jugendliche an. Dort arbeiten Alcaraz und Mestre dann jeweils eine Woche lang. Den Rest der Zeit konzentrieren sich die Neuzugänge auf die Oberliga-Saison mit dem FCS.

Insbesondere die Karriere des 27-jährigen Torwarts Mauro Alcaraz ist bemerkenswert. In den vergangenen sieben Jahren war Alcaraz bei neun verschiedenen Vereinen aktiv, zuletzt im spanischen Murcia. „Ich bin eigentlich Argentinier, habe aber schon drei Jahre in Spanien gespielt. Dort habe ich von mehreren Vereinen die Möglichkeit bekommen, Fußball zu spielen. In Argentinien habe ich in der dritten Liga gespielt. Der Wechsel nach Spanien war damals sehr interessant für mich“, erzählt Alcaraz, der im Sommer 2017 aus Argentinien zum spanischen Verein CD Torrevieja wechselte.

In der Mittelmeer-Region um Murcia war er fortan für mehrere Vereine aktiv. Der 21-jährige Saúl Mestre stammt von der Insel Mallorca. In der Jugend sei er unter anderem bei einem spanischen Drittligisten ausgebildet worden, erzählt er. Beide Akteure eint das Ziel, es eines Tages zum Profi zu schaffen. Dafür sind sie auch bereit, Risiken in Kauf zu nehmen.

Vorher nie mit dem Trainer gesprochen

Als sie vor rund zwei Monaten in Spanien am Flughafen standen, kannten sie lediglich FCS-Teammanager Seweryn Malyk, mit Trainer Stefan Arlt habe es vorher noch keinen Kontakt gegeben. „Bevor wir hierhergekommen sind, haben wir noch nicht mit dem Trainer gesprochen. Am dritten Tag hat er uns dann gesagt, dass er uns in der Mannschaft haben möchte. Das hat uns natürlich sehr gefreut“, sagt Saúl Mestre.

Torwart Alcaraz erzählt, dass auch ein spanischer Viertligist Interesse an ihm gehabt habe. „Der Schritt nach Deutschland erschien mir aber als größerer Fortschritt“, erklärt der 27-Jährige. Aufgrund der Beschäftigung bei der Real Madrid Fußballschule habe es für beide Spieler keine Risiken gegeben, erklärt Teammanager Malyk. „Es ist für beide Seiten ein kleines Abenteuer, aber ohne jegliche Risiken. Die beiden haben sich schnell integriert und sind aufgrund ihrer offenen Art sehr beliebt in der Mannschaft. Ich hoffe, dass wir an beiden großen Spaß haben werden und sie uns helfen können, unsere Ziele zu erreichen“, sagt Malyk.

Eines der größten Probleme bleibt dabei die Verständigung mit der Mannschaft. „Ich lerne ein bisschen Englisch. Das reicht, um sich auf dem Platz zu verständigen. Deutsch lerne ich eigentlich nur im Training. Dort kenne ich auch einige wichtige Wörter auf Deutsch, zum Beispiel, um die Verteidigung zu ordnen“, sagt Alcaraz. Die meisten ihrer Mitspieler sprechen nur Englisch, erzählen sie.

Keine Angst vor dem Winter

„Außerdem gibt es einen Portugiesen und einen Brasilianer, die beide Portugiesisch sprechen. Mit denen können wir uns auch verstehen“, sagt der gebürtige Mallorquiner Mestre. Vor den Temperaturen im norddeutschen Winter habe er keine Angst, sagt der 21-Jährige. „In Mallorca gab es nur Sonne und Strand. Dass es hier kälter ist, ist aber kein Problem. Wenn man ein Ziel hat, ist es nicht wichtig, dass es warm ist oder alle meine Freunde hier sind. Wenn man ein Ziel hat, dann muss man dafür kämpfen“, sagt Mestre.

Grundsätzlich seien beide sehr zufrieden mit Hamburg und dem Verein. „Hamburg ist eine sehr schöne Stadt. Wir haben zum Beispiel schon den Hafen und St. Pauli gesehen. Mir gefällt es hier wirklich sehr gut. Der Verein gefällt mir auch sehr gut. Hier gibt es eine Arbeitshaltung, die Dinge immer gut zu machen. Ich hoffe, dass wir dabei helfen können“, sagt Alcaraz.

In diesem Monat leben beide übergangsweise noch in einem Hotelzimmer, ab Oktober geht es dann in eine gemeinsame Wohnung nach Buxtehude. Ob das Abenteuer Süderelbe auch über diese Saison hinaus andauern kann, wissen beide noch nicht. „Wir haben jetzt ein Jahr Vertrag und Zeit, die Sachen möglichst gut zu machen. Ich bin vor vier Jahren mit einem Ziel nach Europa gekommen. Und daran arbeite ich jetzt“, sagt Torwart Alcaraz zum Ende des Gesprächs.