Handball-Bundesliga

Treue der Sponsoren macht dem BSV Mut

Mit dieser jungen Mannschaft nimmt der Buxtehuder SV die Herausforderungen der neuen Handball-Bundesligasaison in Angriff. Das Team mit einem Durchschnittsalter von 22,6 Jahren strebt Platz drei bis sechs an.

Mit dieser jungen Mannschaft nimmt der Buxtehuder SV die Herausforderungen der neuen Handball-Bundesligasaison in Angriff. Das Team mit einem Durchschnittsalter von 22,6 Jahren strebt Platz drei bis sechs an.

Foto: Janice Bücker / Buxtehuder SV

Beim Sponsorenabend der Handball-Bundesligafrauen blieben die Spielerinnen diesmal auf Abstand. Trainer formuliert sein Saisonziel offensiv.

Buxtehude. Es war einiges anders beim diesjährigen Sponsorenabend der Handball-Bundesligafrauen des Buxtehuder SV. Eine neue Location, eine von den Gästen streng getrennt sitzende Mannschaft und ein Trainer, der sein Saisonziel offensiv formuliert. Jahrzehntelang hatte die Geschäftsstelle der Sparkasse Harburg-Buxtehude an der Bahnhofstraße den Rahmen für den entspannten Austausch zwischen Förderern, Unterstützern, Spielerinnen und Verantwortlichen gebildet. Wenn in Kürze die Baugenehmigung vorliegt, wird das alte Sparkassengebäude abgerissen.

Am alten Standort entsteht innerhalb von zweieinhalb Jahren ein neues, dreiteiliges Gebäudeensemble. So bildete das neue Ballhaus Buxtehude im ehemaligen Ford-Autohaus Tobaben, Westende 4, den stilvollen Rahmen für den Sponsorenabend 2020. Für Inhaber Marcel Falk war es die Premiere mit mehrmonatiger Verzögerung. Erstmals überhaupt konnte er eine Veranstaltung ausrichten, natürlich unter strenger Einhaltung der Corona-Richtlinien.

Dazu gehörte, dass die Gäste auf den lieb gewonnenen Kontakt mit den Spielerinnen verzichten mussten. Am Nachmittag hatte das Team einen Coronatest über sich ergehen lassen. Unter Aufsicht des Hygienebeauftragten Dr. Stephan Brune („Ich war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit“) nahmen die Spielerinnen gegenseitig Abstriche im Rachenbereich vor. Das Prozedere wird sich am Dienstag vor jedem Bundesligaspiel wiederholen, die Ergebnisse sollen bis spätestens Freitagmorgen vorliegen, um gegebenenfalls die Partie am Wochenende absagen zu können oder nicht unnötig auf Auswärtsfahrt gehen zu müssen. „Wenn es einen positiven Coronatest gibt, wird das Spiel verlegt und neu angesetzt“, sagte Manager Peter Prior, „die betroffene Mannschaft hat nicht automatisch verloren.“

Vorgenommen wird eine sogenannte Pooltestung. Bei jeder Spielerin werden zwei Abstriche genommen: einer wandert in einen größeren Topf mit allen Mannschaftsproben, der zweite in ein Einzelröhrchen. Nur wenn es innerhalb des Pools einen positiven Coronatest geben sollte, werden die Einzelröhrchen geöffnet. Dadurch allerdings erhöhen sich die Kosten für den Verein von 200 Euro für den Pool auf 50 bis 60 Euro pro Einzeltest.

Zum Start ein Heimspiel gegen die Neckarsulmer Sportunion

Geht alles glatt, startet der Buxtehuder SV an diesem Sonnabend, 16 Uhr, mit einem Heimspiel gegen die Neckarsulmer Sportunion in die Bundesligasaison 2020/2021. Die Gäste spielten eine gute Vorbereitung und werden von Tanja Logvin trainiert, die vor Jahren ein kurzes Gastspiel bei den Handball-Luchsen gab. „Ich habe ein richtig gutes Gefühl. Wir haben viel Potenzial, das rauskommen muss“, sagte BSV-Trainer Dirk Leun. Der dienstälteste Trainer der Frauen-Bundesliga geht in seine 13. Saison, es soll eine Glückszahl sein. „Das kann ein richtig gutes Team für die Zukunft werden.“ Dass Leun seiner extrem jungen Mannschaft, das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 22,6 Jahre, schon aktuell eine Menge zutraut, zeigt seine Saisonprognose. „Für mich ist Dortmund der Meisterschaftsfavorit, mit Abstand. Dahinter kommen wohl Bietigheim, Metzingen und Thüringen – und dann wir. Ich möchte auf einem Platz zwischen drei und sechs landen.“

Ein ambitioniertes Ziel für den Buxtehuder SV, bei dem die ältesten Spielerinnen Lone Fischer (31), gleichzeitig Kapitänin, Caroline Müller-Korn (27, kam aus Dortmund) und Johanna Heldmann (25, kam aus Buchholz) den „jungen Wilden“, dieser Begriff fiel des Öfteren am Sponsorenabend, Orientierung und Halt geben sollen. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs 2019/2020 stand der BSV auf Rang sieben. „Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft uns begeistern wird“, sagte Peter Prior.

Kein einziger Partner hat Rückforderungen gestellt

Begeistert ist der Manager auch von der Treue im wirtschaftlichen Umfeld. „Obwohl vier Heimspiele weggefallen sind, hat kein einziger Partner oder Sponsor Rückforderungen an uns gestellt. Auch für die neue Saison sind uns 90 Prozent treu geblieben. Diese Unterstützung macht Mut“, so Prior. Durch diverse Maßnahmen wie Kurzarbeit, Gehaltsverzicht und eine Trikotversteigerung, die allein 15.000 Euro erlöste, konnte das Geschäftsjahr 2019/20 mit einer schwarzen Null abgeschlossen werden.

Der Blick nach vorn wird von vielen unbekannten Faktoren begleitet. Normalerweise kann die Handball-Marke­ting mit einem Zuschauerschnitt von 1200 Fans kalkulieren. Nach Corona erlaubt das Gesundheitsamt Stade maximal 430 Zuschauer in der Halle Nord. Diese Zahl wurde bei den Testspielen nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft. Der BSV hat 600 Dauerkarteninhaber. „Wir haben alle angeschrieben und gefragt, wer zu den ersten zwei Spielen in die Halle kommen will. Die Rückmeldungen haben uns negativ überrascht. Für das Spiel am Sonnabend gibt es nur 210 Kartenwünsche“, sagte Prior, der vermutet, dass viele Fans wegen der Corona-Situation unsicher sind.

Er versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. Bei den Testspielen habe der BSV gute Erfahrungen mit dem Hygienekonzept gemacht, sodass das Risiko einer Corona-Infektion auf ein Minimum reduziert würde. Das Finanzielle ist das eine. Auch die Nähe der Fans zur Mannschaft geht durch die strikte räumliche Trennung verloren. Das übliche Abklatschen mit Zuschauern nach dem Spiel ist derzeit undenkbar. „Wir kämpfen um jeden Zuschauer und jeden Euro“, sagte der Manager.

Neuer Marketingleiter

Die Zusammenkunft nutzte der BSV auch, um einen neuen Marketingleiter vorzustellen. Der 31 Jahre alte Timm Hubert ist ab sofort die rechte Hand von Manager Peter Prior. Damit schließt sich eine Lücke, die durch den Abgang von Tim Mertz Ende April entstanden war. Hubert stammt aus Jork, hat Marketing- und Kommunikationsmanagement studiert und geraume Zeit in Asien und Australien verbracht. Seit acht Jahren leitet er gemeinsam mit seinem Vater eine Drogerie in Jork und war zuletzt für den Otto-Konzern in Hamburg tätig. Dank seiner Kenntnisse im Bereich Digitalvermarktung möchte Hubert beim BSV den crossmedialen Gedanken stärken und sieht in Bewegtbildern eine Chance. „Ich freue mich auf die Herausforderung und denke, dass ich meine Social-Media-Kompetenz gut einbringen kann“, so Hubert.