Ganz ohne Schläger

Frisbeescheibe ersetzt den Golfball

„Disc-Golf“ ist ein Programmpunkt von Sport im Park der Stadt Winsen. Ein langer Putt. Reinhard Roth (66) aus Winsen versucht die verbleibende Distanz von etwa zehn Metern mit einem einzigen Wurf zu meistern.

„Disc-Golf“ ist ein Programmpunkt von Sport im Park der Stadt Winsen. Ein langer Putt. Reinhard Roth (66) aus Winsen versucht die verbleibende Distanz von etwa zehn Metern mit einem einzigen Wurf zu meistern.

Foto: Markus Steinbrück / HA

In Winsen warb Andreas Runte bei „Sport im Park“ für die neue Trend-Sportart Disc-Golf.

Winsen.  Wenn selbst der Hamburger SV diese Sportart anbietet, darf das getrost als Qualitätsmerkmal dienen. „Der HSV ist der größte Disc-Golf-Verein in Hamburg, hat im Volkspark eine Anlage mit 21 Bahnen“, sagt Andreas Runte. Der Mann, der Mitglied im Discgolfclub Hamburg ist, das Unternehmen Nordisc Frisbeesport betreibt und mit einigen Mitstreitern dabei ist, den Frisbee-Sportverband Hamburg zu gründen, war im Rahmen der Aktion „Sport im Park“ der Stadt Winsen jetzt zu Gast im Eckermannpark, um die von ihm so geliebte Sportart vorzustellen.

„Disc-Golf ist wie normales Golf. Bis auf die karierten Hosen ist alles gleich“, lässt Runte die Teilnehmer schmunzelnd wissen. Beim Disc-Golf geht es darum, eine Spielbahn, die üblicherweise zwischen 60 und 160 Meter lang ist, mit möglichst wenig Würfen einer Frisbeescheibe zu überbrücken. Am Ende der Bahn steht ein mit Ketten ausgestatteter Fangkorb – wahlweise fest installiert oder transportabel. Er ist das Loch, um in der Golfersprache zu bleiben, er ist das Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Disc-Golfer Scheiben für diverse Entfernungen und Flugeigenschaften dabei. „Echte“ Golfspieler dürfen 14 Schläger mitnehmen, beim Disc-Golf sind es bis zu 20 Scheiben. „Auch wir haben einen Driver für lange Entfernungen und einen Putter zum Einlochen“, erklärt Runte. Die Kosten pro Scheibe betragen zehn bis 20 Euro.

Ein Starterset beinhaltet drei Scheiben. Beim Schnuppertraining im Eckermannpark gab der Experte seinen Schützlingen nur zwei Scheiben an die Hand, eine für kürzere und eine für längere Distanzen. Sie unterscheiden sich durch das Gewicht und den sogenannten Shape. „In knapp 20 Minuten habe ich allen Teilnehmern die Grundtechnik erklärt. Damit sind sie vollständig spielfähig. Disc-Golf ist ein niederschwelliges Angebot“, berichtet Andreas Runte. Die Frauen und Männer im Alter zwischen 24 und 66 Jahren erfuhren zum Beispiel, dass sie viel aus dem Handgelenk werfen müssen, dass eine Scheibe, die nach rechts gedreht wird, gegen Ende des Fluges nach links wegkippt – und umgekehrt.

Disc-Golf wird in der Natur gespielt, aber nicht querfeldein

„Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Man hat relativ schnell Erfolge. Es macht Spaß, wenn man die Scheibe ungefähr in die Richtung bekommt, die man sich vorgenommen hat“, erzählt Annemarie Herder vom benachbarten Schrebergartenverein Brasilien. Einige Vereinsmitglieder verfolgen die Idee, Fangkörbe für Disc-Golf fest im Eckermannpark zu installieren. Sollte das Naturbad irgendwann kommen, ließen sich dort zusätzlich transportable Körbe zum Ausleihen deponieren.

Disc-Golf wird in der Natur gespielt, aber nicht querfeldein. „Es ist ein Sportspiel auf definierten Bahnen und mit definierten Hindernissen“, sagt Runte. „Wir spielen gern mit Wasser und mit Höhenunterschieden. Das macht den Reiz aus. Auch die Neulinge in Winsen stellte er vor die Aufgabe, ihre Scheiben zwischen zwei Bäumen hindurch oder sogar im Slalom durch mehrere Bäume fliegen zu lassen. Wer das nicht schafft, kassiert Strafschläge. Disc-Golf ist ein Spiel für jedes Alter, und es gibt auch in dieser Sportart ein „German Wunderkind“. Der 28 Jahre alte Simon Lizotte aus Bremen zählt zu den Top-Ten der Weltrangliste und stellte einen Distanz-Weltrekord auf. Mit einem einzigen Wurf schaffte er fast 300 Meter.