Harburg
Radsport

Moritz Plambeck – Radprofi mit 18 Jahren

Weihnachten verbrachte der 18-jährige Moritz Plambeck bei seinen Eltern in Langenbek. 

Weihnachten verbrachte der 18-jährige Moritz Plambeck bei seinen Eltern in Langenbek. 

Foto: Maximilian Bronner

Der Langenbeker steht seit 1. Januar bei einem Kontinentalteam unter Vertrag. Start bei der Deutschland-Tour wäre ein erster Höhepunkt.

Harburg.  Während der Weihnachtsferien war Moritz Plambeck auf Heimatbesuch. Bis zur zehnten Klasse wohnte der heute 18-Jährige bei seinen Eltern in einem Reihenhaus in Langenbek, dann zog er im Alter von 16 Jahren ins Sportinternat nach Kaiserslautern. Das Ziel stand schnell fest: Radprofi werden. Rund 600 Kilometer trennen ihn seither von seiner Heimat. Die vielen Entbehrungen zahlten sich aus: Im Herbst hat das Talent seinen ersten Profivertrag beim Kontinentalteam Dauner Akkon unterschrieben.

„Mit sieben Jahren bin ich das erste Rennen gefahren“, erinnert sich Moritz Plambeck. Der Radsport wurde dem Langenbeker in die Wiege gelegt. Vater Frank war deutscher Meister im Mannschaftszeitfahren und ist bis heute in der Harburger Radsport-Gemeinschaft (HRG) tätig. Auch Mutter Susanne und sein vier Jahre älterer Bruder Philipp sind dem Radsport seit Jahren verschrieben. „Ich war ein einziges Mal beim Fußballtraining, danach nie wieder“, erinnert sich der 18-Jährige. Von Jahr zu Jahr fuhr Moritz Plambeck immer mehr Rennen, Familienurlaube dienten als Trainingslager.

Seit zwei Jahren besucht er ein Internat in Kaiserslautern

„Das waren ganz normale Urlaube, nur dass wir eben größtenteils Trainieren gefahren sind“, erinnert sich der Langenbeker. Die Trainingsfahrten seien stets dem Alter angemessen gewesen, zunächst fuhr er nie mehr als 40 Kilometer pro Tag. „Ich habe es dann einfach wie mein Bruder gemacht. Von Rennen zu Rennen geguckt wie es läuft. Und bisher lief es eben sehr gut“, scherzt er.

Mit 16 Jahren wechselte er aufgrund der besseren sportlichen Förderung ins Sportinternat nach Kaiserslautern. „Ich hatte zwar kein Heimweh. Aber sich mit 16 Jahren komplett selber organisieren zu müssen, war nicht einfach. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt“, sagt Moritz Plambeck. Im Internat teilt er sich mit einem weiteren Radfahrer ein Zimmer. Der 18-Jährige trainiert an fünf Tagen in der Woche. An Trainingstagen sitzt er in der Regel zwischen zwei und drei Stunden im Sattel, das Wetter spielt dabei keine Rolle.

Schule und Sport sind schwierig unter einen Hut zu bringen

Jeder Tag ist streng getaktet. „Wir stehen normalerweise um sieben Uhr auf, damit wir um viertel nach sieben in der Mensa beim Frühstück sind. Unserer Schulsachen nehmen wir direkt mit. Um fünf vor acht müssen wir in der Klasse sitzen, dann haben wir einen ganz normalen Schultag. Nach der Schule geht es wieder in die Mensa und danach sofort zum Training“, beschreibt Plambeck seinen Alltag.

Der Langenbeker zählt zu den besten deutschen Fahrern seines Jahrgangs, bis zum Sommer startete er in der U19-Rad-Bundesliga. Unter 173 Teilnehmern erreichte er 2019 den sechsten Platz der Gesamtwertung und den vierten Platz bei der deutschen Meisterschaft im Einer-Straßenrennen. „Bei der deutschen Meisterschaft habe ich den Sprint der Verfolgergruppe gewonnen. Danach habe ich direkt ein Angebot bekommen“, berichtet der 18-Jährige, der bereits einen Vorvertrag mit einem anderen Team geschlossen hatte.

Erst viel Interesse von Profi-Rennställen, dann musste er sich bewerben

Noch im Zieleinlauf buhlte das Profiteam Lotto-Kernhaus um seine Zusage. „Dort hieß es: Wenn du jetzt zusagst, hast du den Vertrag“, erinnert sich Plambeck. Doch der 18-Jährige zögerte. Die Saison war noch nicht vorbei, zudem besaß er bereits den Vorvertrag des anderen Teams. „Im Oktober gab es dann zwei kritische Wochen. Das Team, bei dem ich den Vorvertrag hatte, musste sich auflösen, weil ein Sponsor abgesprungen ist.

Und auch mit Lotto-Kernhaus hat sich nichts mehr entwickelt, die meisten Teams hatten ihre Kaderplanung bereits abgeschlossen“, so Moritz Plambeck. Kurzerhand bewarb er sich beim Kölner Team Dauner Akkon – mit Erfolg. Wenige Tage später konnte Plambeck seinen ersten Profivertrag unterschreiben. Dauner Akkon nahm 2019 neben Rennen in Übersee auch an der Deutschland-Tour teil.

Fokus liegt weiterhin auf der Rad-Bundesliga

In diesem Jahr wird Moritz Plambeck eine Altersklasse aufrücken, ab sofort gehört er zur Klasse der Fahrer unter 23 Jahren. Die U23-Klasse startet in der Regel bereits mit der Eliteklasse zusammen. „Der Sprung von der U19 ist sehr groß. Man fährt jetzt mit den besten Fahrern, die es gibt“, sagt der Langenbeker. In seinem ersten Jahr in der neuen Altersklasse will sich der 18-Jährige zunächst auf nationale Rennen konzentrieren, der Fokus liege auf der Rad-Bundesliga. Plambeck hofft, ein Top-Ten-Ergebnis einfahren zu können.

Falls Dauner Akkon erneut bei der Deutschland-Tour startet, hat Plambeck die Möglichkeit, sich bei dieser prestigeträchtigen Rundfahrt zu zeigen – falls ihn die Teamchefs nominieren. „Ich muss einfach mal gucken, was mich erwartet. Ich bin ja noch kein einziges Elite-Straßenrennen gefahren“, sagt er. Vor wenigen Wochen fand das erste Team-Treffen in Köln statt. Einige Fahrer kennt der 18-Jährige bereits aus der Junioren-Bundesliga. Im Februar steht das erste, knapp dreiwöchige Trainingslager auf Mallorca an.

Im Februar drei Wochen Trainingslager auf Mallorca

Nicht weniger herausfordernd als der Sprung in den Profibereich ist der Schulstress. „In Bio, Mathe und Informatik habe ich die größten Probleme“, sagt Plambeck, der nach seinem Realschulabschluss mittlerweile die elfte Klasse eines Gymnasiums besucht. „Überragend läuft es gerade nicht. Man merkt, dass es schwerer ist als vorher. Der schulische Stress ist auf jeden Fall da“, erzählt der Langenbeker.

Während des Trainingslagers auf Mallorca wird er erneut im Unterricht fehlen. Da kommt es gelegen, dass es in Rheinland-Pfalz, zu diesem Bundesland gehört Kaiserslautern, im Zeitraum des Trainingslagers eine Woche Schulferien gibt. „Den Rest muss ich nacharbeiten“, sagt Moritz Plambeck.

Silvester verbrachte der Jungprofi noch bei seinen Eltern. Am Montag ging es wieder die 600 Kilometer zurück ins Internat. Dort heißt es dann wieder: Schuften für den Traum vom Radprofi.