Harburg
Turnen

Die neue Nummer eins der Regionalliga

Foto: KTG Lüneburger Heide / HA

Turnerinnen der KTG Lüneburger Heide gewinnen den zweiten Wettkampftag und übernehmen die Gesamtführung.

Winsen/Buchholz.  Eintagsfliege oder Aufwärtstrend? Das war die entscheidende Frage für neun junge Sportlerinnen der Kunstturngemeinschaft (KTG) Lüneburger Heide am zweiten Wettkampftag der Regionalliga Nord. Im vergangenen Jahr, der Premierensaison, hatten die KTG-Turnerinnen gegen den Abstieg aus der vierthöchsten deutschen Turnliga kämpfen müssen – mit Erfolg. Im ersten Regionalliga-Wettkampf 2016 gelang ihnen Anfang Mai in Hannover der zweite Platz unter sechs Riegen. Und nun?

Die Anspannung unter den neun Turnerinnen, die sich auf den Weg nach Bünde in Westfalen machten, war groß. Nur acht dürfen eingesetzt werden. Aussetzen musste die zwölf Jahre Alexandra Hinkel, die zwar einen starken Deutschland-Cup geturnt hatte, aber von einer Magen-Darm-Erkrankung geschwächt war. Als Startgerät hatten die Turnerinnen dank der guten Platzierung am ersten Wettkampftag zum ersten Mal den Sprung. Alle standen ihre hoch hinaus geturnten Tsukaharas gebückt. Punktbeste war Marieke Wagener (MTV Borstel-Sangenstedt), gefolgt von Joline Ruprecht (MTV Pattensen), die ein glänzendes Comeback feierte.

Kleine Buchholzer Riege belegt den dritten Platz

Dieselben Turnerinnen gingen am Stufenbarren ans Gerät und turnten alle mehr als neun Punkte. Beste war Annika Heimer, die für ihre schwierige Übung starke 9,95 Punkte erhielt. Lina Köhlert (beide HT 16), Marieke Wagener und Joline Ruprecht kamen fehlerfrei durch. Emma Malewski hatte Schwierigkeiten bei einem C-Element, bekam die Übung aber souverän wieder in Schwung und stand ihren Doppelsalto-Abgang sicher. Die elf Jahre alte Bundeskaderathletin ließ sich vom für sie mäßigen Beginn nicht entmutigen und wurde von Gerät zu Gerät stärker. Am Schwebebalken turnte sie den höchsten Schwierigkeitswert aller Turnerinnen und erhielt 11,30 Punkte. Am Boden gelang endlich alles und Malewski erturnte die neue persönliche Bestleistung von 12,25 Punkten.

Beste am Schwebebalken war Marieke Wagener mit einer wunderschönen Übung und mehreren Höchstschwierigkeiten (11,65 Punkte). Am Boden begeisterte das Team der KTG Lüneburger Heide ebenfalls mit hohen Wertungen, gelobt wurden auch die Choreographien. Emma Malewski und Annika Heimer beeindruckten mit schwierigen Übungen, Merit Laengner erneut mit einer ausdrucksstarken, tänzerisch-turnerischen Darbietung.

Als das Endergebnis bekannt gegeben wurde, kannte der Jubel bei der KTG Lüneburger Heide keine Grenzen. Der zweite Platz des ersten Wettkampfes konnte nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen werden. Die KTG-Riege holte sich in Bünde mit 180,05 Punkten den ersten Regionalligasieg der Vereinsgeschichte, gefolgt von KTG Hannover II (177,80) und Turn-Team Blau-Weiss Buchholz-Bremerhaven-Hamburg (175,30). Weil Auftaktsieger TuS Wüllen diesmal nur Fünfter wurde, hat die KTG nach zwei von vier Wettkampftagen sogar die Gesamtführung übernommen. Der nächste Wettkampf wird am 1. Oktober in Stadtlohn nahe der holländischen Grenze ausgetragen. Ausrichter ist TuS Wüllen. Die Saison endet am 5. November in Berlin.

Mit erheblichen Personalproblemen hatte die Riege aus Buchholz, Bremerhaven und Hamburg zu kämpfen. „Quasi über Nacht und ohne Nennung von Gründen verließen drei Turnerinnen die Mannschaft. Und das mitten in der Saison. Das gesamte Team, vor allem die Mädchen, waren traurig und sehr enttäuscht“, berichtet Trainerin Susanne Tidecks. Erschwerend hinzu kamen Ausfälle von Naja Penther, Jule Kohl (beide verletzt) und Lisa Unger (Abiball). So blieb nur noch eine Kleingruppe mit sechs Turnerinnen übrig.

Am Balken, dem ersten Gerät, war die Verunsicherung deutlich zu spüren, unnötige Stürze waren die Folge. Andererseits zeigte Katharina Richter (TC Hamburg) erstmals einen Salto rückwärts auf dem Balken. Die Gruppe beruhigte sich, fand zueinander und bildete eine echte Einheit. Letztlich belegte das Klein-Team den beachtlichen dritten Platz unter sechs Riegen. Jasna Ruge (TC Hamburg) wurde mit 46,45 Punkten als beste Einzelturnerin des Wettkampfs ausgezeichnet. „In der Gesamttabelle stehen wir immer noch auf dem fünften Platz. Aber es fehlen nur noch wenige Punkte für einen Schritt nach vorn“, so Susanne Tidecks.