Motorsport

Slot-Racing – die Leidenschaft für schnelle Spielzeugautos

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Beim Club Hanse-Racing Hamburg im Keller einer Harburger Villa pflegen Autofreaks ihre Begeisterung für Modellrennautos. Die Bahn ist 28 Meter lang, die Fahrzeuge sind im Maßstab von 1:24 nachgebaut.

Harburg. Es gibt schon besondere Weihnachtsgeschenke. Wenn ein Junge unter dem Baum eine Carrera-Bahn auspackt, kann das unabsehbare Folgen haben. Es kann passieren, dass viele Jahre später die Ehefrau aus dem Wohnzimmer vertrieben wird, weil über Tisch und durch Stuhlbeine kleine Autos flitzen. Andrea Scharré kann davon erzählen. Aber der Reihe nach. Es war Weihnachten vor 44 Jahren, da wurde der kleine Mario Scharré mit der Bahn und ein paar Modellautos überrascht. Und, so muss man das wohl ehrlicherweise formulieren, der Vater ließ ihn auch damit spielen, gelegentlich. Die Jahre vergingen, der Sohn und auch der Vater verloren ihr Interesse am gemeinsamen Spielzeug.

Aber Mario Scharré, Croupier in der Hittfelder Spielbank, war den Rennbazillus nie losgeworden. Nach seiner Hochzeit 1988 kaufte er sich erste Teile. „Im Wohnzimmer habe ich eine Bahn aufgebaut“, erzählt der 53-Jährige, der heute Clubwirt beim Harburger Tennis- und Hockeyclub (HTuHC) am Vahrenwinkelweg ist, „meine Frau war nicht begeistert, hat diese Verrücktheit immer akzeptiert.“ Zur Silberhochzeit schenkte sie ihm den Bausatz einer Chevrolet Corvette. Dieses Geschenk hat sich finanziell gelohnt. „Mit dem Auto war ich richtig schnell“, sagt Mario Scharré. „und schnelle Autos sind in unserer Szene begehrt. Ich habe einen sehr guten Preis bekommen.“

Die Szene der leidenschaftlichen Slot-Racer, der großen Jungen, die Modellautos um ihre Spezialbahnen flitzen lassen, hat in Harburg eine neue Heimat gefunden. Im ehemaligen Eiskeller einer Villa an der Cuxhavener Straße haben sie Quartier bezogen. Eine neue Slot-Racing-Bahn mit sechs Spuren ist dort aufgebaut. Das Prinzip ist bekannt. Die Spuren, die um die 28 Meter lange Bahn führen, sind Schlitze mit elektrischen Kontakten. Darin sausen die kleinen Wagen, die im Maßstab 1:24 den echten Autos nachgebaut sind. Die Fahrer stehen am Rande, können über einen Kontakt in der Hand mit den kleinen Elektromotoren Gas geben oder wegnehmen. Die Kunst des Fahrers besteht darin, das nötige Feingefühl im Auge und Finger zu haben. „Eine Runde dauert etwa sechs Sekunden“, sagt Gerd van de Wiel, der genau wie Mario Scharré zum neugegründeten Hanse-Racing Hamburg (HRH) gehört, „ehe nach einem Unfall das Auto wieder in der Spur ist, sind zwei bis drei Sekunden vorbei. „Wer einmal aus der Kurve fliegt, hat das Rennen verloren.“

Beim letzten Rennen kurz Weihnachten sind Freunde aus Berlin, Bremen und aus Wunstorf bei Hannover gekommen. Gerd van de Wiel hat seinen Rolls Roys Silver Cloud in die Spur gesetzt. Mit dem schießt er gerade an einem knallgelben Chevrolet Van vorbei, auf dem in roter Schrift „Maler Meister Manke“ steht. „Im Original ist das mein Firmenwagen“, sagt Andreas Manke, der seinen Betrieb in Wilstorf hat, „mit dem habe ich zwar keine Chance, aber mit meinem Miniatur-Tranporter Rennen zu fahren ist ein besonderer Spaß.“

Auch Andreas Manke war ein kleiner Junge, als ihm sein Opa einen VW-Käfer im Miniformat schenkte. Er hat inzwischen seine Renn- und Bastelleidenschaft an Sohn Daniel weiter gegeben, der an diesem Renntag zu seinen Konkurrenten zählt. Begeisterung und Leidenschaft der Autofreaks im Spielzeugformat sind geteilt. Fast alle basteln ihre Miniautos selbst, stecken 150 bis 200 Arbeitsstunden in ihr Hobby. Mario Scharré ist von der Rennleidenschaft fasziniert. „Ich will Rennen fahren und gewinnen“, sagt er, „ohne Rennen würde ich keinen Bausatz kaufen, ohne die Feinheiten beim Basteln aber kannst du nicht gewinnen. Nach einem Rennen liege ich oft lange nachts wach und grübel, wie ich mein Auto schneller machen kann.“

( (nos) )

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