Wilhelmsburg

SV Wilhelmsburg: Aufstieg zum Jubiläum

Doppelter Grund zum Feiern: Der SV Wilhelmsburg wird 125 Jahre alt und die Fußballer kehren in die Landesliga zurück.

Wilhelmsburg. Das Jubiläum "125 Jahre SV Wilhelmsburg" hat der 1600 Mitglieder starke Sportverein in diesem Jahr mit mehreren Veranstaltungen ausgiebig gefeiert. Da trafen sich die Senioren zum Klönschnack, veranstalteten die Jugendlichen große Fußballturniere und die mehr als 20 Sparten von Aerobic bis Yoga beteiligten sich an einem bunten Bühnenprogramm. Dazu bestimmten Frühschoppen, Skatturniere und Knobeln im Vereinslokal an drei Tagen das Festprogramm. Und jetzt haben die Fußballer nachgelegt und dem Verein den Aufstieg der Ersten Herren in die Landesliga beschert.

Den Sportverein SV Wilhelmsburg gibt es erst seit der Fusion des TV Jahn Wilhelmsburg, des TSC Viktoria Wilhelmsburg-Veddel und des Wilhelmsburger SV im Jahr 2003. Der Zusatz "von 1888" im Vereinsamen bezieht sich auf das Gründungsdatum des Veddeler Turnvereins, dem ältesten Stammverein des TSC Viktoria. Mit seiner Tennisanlage und Gastronomie sowie den Vereinshäusern am Vogelhüttendeich und Am Turnplatz bietet der größte Sportverein in Wilhelmsburg und auf der Veddel seinen Mitgliedern vielfältige Möglichkeiten.

Fußball wurde erst am Anfang des 20. Jahrhundert populär. Im Osten Wilhelmsburgs wurde mit dem TV Jahn nur ein bedeutender Verein gegründet, der dafür aber mehr als 100 Jahre existierte. Im bevölkerungsreichen Westen und auf der Veddel dagegen sprossen Sportvereine wie Pilze aus der Erde. Hier fanden später auch die vielen Fusionen statt, die zumeist mit Änderungen der Vereinsnamen verbunden waren. Erfolgreiche Fußballer, die in Wilhelmsburg und auf der Veddel bekannt wurden und später eine Profilaufbahn einschlugen, sind Dirk Zander und Klaus Klock.

Die erfolgreichsten Wilhelmsburger Fußballvereine waren Wilhelmsburg 09 und Viktoria Wilhelmsburg in den 1930er und 1940er Jahren in der Gauliga, die seinerzeit die höchste Spielklasse war. Die unmittelbaren Nachfolgevereine konnte an diese Erfolge nicht wieder anknüpfen, der TSC Viktoria spielte mehrere Jahre in der höchsten Hamburger Amateurliga, verpasste 1986 knapp die Aufstiegsrunde zur Oberliga. Die Frauen des SV Wilhelmsburg spielten 2011 und 2012 im DFB-Pokal.

Peter Lascheit, der die Herrenmannschaft in seinem ersten Jahr als Trainer jetzt zurück in die Landesliga führte, war schon beim Abstieg in 2009 dabei. "Damals aber als Spieler", sagt der erst 28 Jahre alte Erfolgscoach. Dass der Verein jetzt - vier Jahre später - wieder aufsteigt, sei alles andere als selbstverständlich. "Wir haben im Training viel Wert auf die spielerischen Elemente gelegt und an der Taktik gefeilt", sagte Lascheit. Dabei habe die Mannschaft bis zur Winterpause viele Spieler wegen Verletzung oder aus beruflichen Gründen verloren. Torjäger Kevin Pieschek wechselte gar zum Ligarivalen Harburger TB, den der SV Wilhelmsburg im letzten Saisonspiel noch von Tabellenplatz zwei verdrängen konnte. Martin Johannson kehrte in seine Heimat Schweden zurück. Lascheit: "Im Winter konnten wir neun Wochen lang nicht trainieren. Laufen, Soccerhalle, Boxen, Spinning und Schwimmen waren die einzigen Alternativen. Wir brauchen dringend einen Kunstrasenplatz." Doch nach der Bezirksreform ist dieser Traum erst einmal geplatzt.

Zum ersten Spiel nach der Winterpause standen gerade 12 Mann zur Verfügung. "Aber wir konnten Spieler aus der zweiten Herrenmannschaft und Jugendliche aus unserem Verein erfolgreich integrieren", sagte Lascheit. Trotz aller Widrigkeiten blieb die Mannschaft in der Rückrund und zuletzt auch in der Relegation ohne Niederlage.

Wegen des kleinen Kaders musste der Trainer zuletzt häufig selbst auflaufen. Beim 4:1 im letzten Relegationsspiel gegen den SV Altengamme traf Peter Lascheit zum 3:1. In der nur drei Wochen kurzen Sommerpause will Lascheit die Strukturen im Verein verbessern. "Ich brauche dringend Unterstützung durch einen Co-Trainer, Liga-Obmann und Mannschaftsbetreuer. Außerdem müssen wir uns mit zwei bis drei Spielern verstärken."