Marmstorf. Förderschule in Marmstorf ist spezialisiert auf Körperbehinderungen. Schulleiter kritisiert Bezirksamt: „Intransparente Angelegenheit“.

  • Die Schule Elfenwiese ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung
  • Die Kinder, die hier zur Schule gehen, haben oft mit schweren Spastiken zu kämpfen
  • Physiotherapie in warmem Wasser ist deshalb für diese Kinder besonders wichtig

Schulleiter Peter Holtz steht in einer kleinen, lichtdurchfluteten Halle. Hinter ihm führt eine Treppe hinunter in ein Schwimmbecken. Es ist nicht groß, es ist gerade auch nicht tief – und es ist knochentrocken. Holtz, Leiter der Schule Elfenwiese im Stadtteil Hamburg-Marmstorf wurmt das. „Seit fast genau einem Jahr können wir das Bad nicht mehr benutzen“, sagt er. „Das trifft den Schulbetrieb hart, und es trifft auch viele Menschen im Stadtteil.“

Die Schule Elfenwiese kann auf eine lange und erfolgreiche Arbeit mit körperbehinderten Kindern zurückblicken. Das Therapiebad spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit einer Wassertemperatur von 33 Grad und einem absenkbaren Boden kann man hier auf die Bedürfnisse und Einschränkungen jedes Kindes eingehen.

Förderschule für körperbehinderte Kinder: Schwimmbad spielt zentrale Rolle im Therapieplan

„Das Durchbewegen der körperlich eingeschränkten Schülerinnen und Schüler ist im warmen Becken sehr viel besser möglich“, sagt Holtz. „Die tragende Kraft des Wassers sorgt auch dafür, dass manche Kinder ihre Einschränkungen für eine Weile überwinden.“ Jede Stunde des Schulbetriebs sei das Becken in Betrieb gewesen.“

Was nicht ganz richtig ist, denn das Becken stammt – wie die Schule selbst – aus den 1970er-Jahren und war aufgrund seiner ebenso anspruchsvollen wie alten Technik zuletzt sehr störanfällig. Deshalb sollte es saniert werden. Und eigentlich hatte sich Peter Holtz über die Zusage der Sanierung durch die „Gebäudemanagement Hamburg“ GmbH (GMH) auch sehr gefreut – das ist die Firma, die für die Hamburger Finanzbehörde öffentliche Gebäude betreut. Doch hätte Peter Holtz geahnt, dass dies mindestens ein Jahr Stillstand bedeutet, hätte er wahrscheinlich gewünscht, nie gefragt zu haben.

Die Bauprüfabteilung des Bezirksamts entzog dem Bad die Betriebsgenehmigung

„Am 1. April 2023 sollte die Sanierung ausgeschrieben werden, und wir dachten, dass wir das Bad, bis die Sanierung tatsächlich beginnt, wieder in Betrieb nehmen können“, erinnert sich Holtz an das vergangene Jahr. „Dagegen stellte sich aber die Bauprüfabteilung des Bezirksamtes quer. Sie entzog dem Bad die Betriebsgenehmigung.“

Laut Holtz ging es dabei um ein Schild an einer Tür zur Wasseraufbereitungsanlage. Die wies den Bereich dahinter als „Chlorgasraum“ aus. Für einen solchen gab es aber anscheinend keine Betriebsgenehmigung. Das hieße, dass das Therapiebecken fünf Jahrzehnte lang ohne Genehmigung betrieben wurde.

Die ganze Angelegenheit ist sehr intransparent, und man hat es schwer, verlässliche Informationen und verbindliche Zusagen zu bekommen.
Peter Holtz - Leiter der Schule Elfenwiese

Über die Pressestelle der Finanzbehörde lässt GMH mitteilen, dass die 1976 tatsächlich baulich umgesetzte Planung des Schwimmbades nicht der ursprünglich genehmigten Planung entsprach. „Deswegen waren für die Sanierung nachträglich zusätzliche Planungen erforderlich, die die Durchführung verzögert haben. Zudem gab es Verzögerungen durch schwer verfügbare Fachplanungsbüros für Schwimmbadtechnik.“

Der Stillstand liegt also nicht am Schild allein, wie es in Kreisen der Schule und weiterer Vereine, die das Bad nutzen, angenommen wird. Besser wissen kann es Peter Holtz aber auch nicht – und das wurmt ihn. „Die ganze Angelegenheit ist sehr intransparent, und man hat es schwer, verlässliche Informationen und verbindliche Zusagen zu bekommen“, sagt er. „Sowohl im Bezirksamt als auch bei der GMH bleiben Nachfragen lange unbeantwortet.“

Außer der Schule Elfenwiese nutzen noch viele andere Vereine das Schwimmbad

Außer der Schule nutzen auch mehrere Vereine das Becken: Die Rheumaliga ist hier mit zehn Gruppen vertreten, die Behindertensport-Gemeinschaft Wilhelmsburg-Harburg (BSG) ebenfalls mit zehn, und der SV Grün-Weiß Harburg veranstaltete hier an drei Terminen Babyschwimmen und Seepferdchen-Kurse. Einige Gruppen konnten beim TuS Harburg in dessen Schwimmhalle in Bostelbek unterkommen, aber nicht alle.

Vor allem die Breitensportler der Rheumaliga sind auf die hohe Wassertemperatur angewiesen, da jedes Grad, das das Wasser kühler ist, Gefahr birgt, ihre Beschwerden zu verstärken, satt sie eine Stunde lang zu lindern. „Für viele Teilnehmer ist das Schwimmen auch ein wichtiger sozialer Termin“, sagt Ute Meier, Vorsitzende der BSG. „Aufgrund ihrer Einschränkungen gehen sie nicht allzu oft aus dem Haus. Dazu kommt die gute Erreichbarkeit der Schule Elfenwiese.“

Therapiebad für behinderte Kinder: Harburger CDU-Fraktion stellt kleine Anfrage

Den sozialen Aspekt bestätigt auch eine Übungsleiterin der Rheumaliga: „Viele Gruppen treffen sich vor der Stunde schon auf eine Tasse Kaffee. Das ist für die Teilnehmer ein Wochen-Highlight“.

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Die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung hat eine kleine Anfrage an die Verwaltung gestellt, um zu erfahren, ab wann man wieder mit dem Betrieb des Schulbades rechnen könne. „Wir werden uns sehr freuen, wenn es wieder losgeht“, sagt Rainer Bliefernicht, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten und zugleich Präsident des SV Grün-Weiß Harburg.

Glaubt man GMH, werden sich Schüler und Vereine schon bald freuen können: „Die Planung ist nunmehr abgeschlossen, sodass die Sanierung nach aktuellem Stand im April 2024 beginnen kann“, schreibt die Finanzbehörde.