Schule in Hamburg

Wie eine neue Bigband in Harburg Grenzen überwindet

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Lars Hansen
Der erste gemeinsame Auftritt: Bigband-Mitglieder des Heisenberg Gymnasiums (links), der Elisabeth-Lange-Schule (hinten rechts) und Flötenschüler der Schule In der Alten Forst spielen zum ersten Mal zusammen.

Der erste gemeinsame Auftritt: Bigband-Mitglieder des Heisenberg Gymnasiums (links), der Elisabeth-Lange-Schule (hinten rechts) und Flötenschüler der Schule In der Alten Forst spielen zum ersten Mal zusammen.

Foto: Lars Hansen / xl

Hamburgweit einzigartige Kooperation: Drei Schulen eines Stadtteils vernetzen sich und musizieren gemeinsam

Eißendorf. Im Westen von Eißendorf gibt es drei Schulen. In der Wahrnehmung der Eißendorfer sind diese Schulen sehr strikt getrennt und haben nichts miteinander zu tun. Das sehen die Schulleiter allerdings anders.

Sie haben begonnen, die Grundschule In der Alten Forst, das Heisenberg-Gymnasium und die Elisabeth-Lange-(Stadtteil-)Schule in mehreren Projekten miteinander zu vernetzen.

Schulübergreifende Bigband ab der Jahrgangsstufe 7

Das neueste dieser Projekte kann sich hören lassen: „Musik verbindet uns“ ist das Motto, unter dem die drei Schulen ein gemeinsames musikalisches Ziel anpeilen: Eine schulübergreifende Bigband ab der Jahrgangsstufe 7. Was die Grundschule damit zu tun hat? Bereits hier sollen bei den Schülerinnen und Schülern die Grundlagen dafür gelegt werden, dass sie mit 12 bis 13 Jahren in die Bigband aufgenommen werden können.

Die Idee einer nicht nur schul- sondern auch schulformübergreifenden Bigband ist neu. „In ganz Hamburg gibt es so etwas noch nicht“, sagt Andreas Wiedemann, Rektor der Schule In der Alten Forst. Aber die Idee war so überzeugend, dass es von dem Geistesblitz, der Stadtteilschulleiter Tobias Langer eines Abends traf, bis zur Umsetzung nur drei Monate benötigte, denn er musste sich nicht lange damit aufhalten, seine beiden Kollegen zu überzeugen.

Alle Kinder erhalten Flötenunterricht

Das Konzept ist einfach und gut: In der Grundschule erhalten alle Kinder der 4. Klassen ein Schulhalbjahr lang Flötenunterricht durch einen ausgebildeten Musiklehrer. Wenn die Kinder dann auf die weiterführenden Schulen wechseln, haben sie die besten Voraussetzungen für das Erlernen eines Bigband-Instruments. An beiden weiterführenden Schulen gibt es bereits Bigbands: Die an der Elisabeth-Lange-Schule hat derzeit zwölf Mitglieder aus den Jahrgängen 5 und 6 und die Bigband des Heisenberg-Gymnasiums gar 20 in den Jahrgängen der Mittel- und Oberstufe.

Der Plan für die Zukunft ist, interessierte und flötenvorgebildete Kinder aus der Alten Forst, die auf eine der beiden weiterführenden Schulen wechseln, in der fünften und sechsten Klasse an Bigband-Instrumenten zu unterrichten und dann ein gemeinsames Ensemble ab der Klassenstufe sieben zu formen.

Tobias Langer führt den Bigband-Gedanken weiter: „Was für eine wegweisende Zukunftsvorstellung, dass Kinder zuerst eine gemeinsame Grundlage erwerben, dann unterschiedliche Instrumente erlernen, um letztlich zusammen in einer gemeinsamen Bigband zu spielen. So werden ganz praktisch Grenzen zwischen den Schulformen im Sinne der Kinder und Jugendlichen abgebaut“, sagt der Pädagoge.

Lions-Club „Harburger Altstadt“ berät und unterstützt

Sein Kollege Malte Sorgenfrei vom Heisenberg-Gymnasium ergänzt: „In den Köpfen vieler Gymnasial-Eltern – und damit auch ihrer Kinder – ist eine scharfe Abgrenzung zur Stadtteilschule vorhanden. Das ist aber nicht gut für die Kinder und mit dem gemeinsamen Projekt können wir da gegensteuern.“

Sorgenfrei ist Bigband-erfahren: Bevor er Schulleiter in Eißendorf wurde, leitete er 15 Jahre lang die Bigband des Gymnasiums Süderelbe. Daher weiß er auch um die Schwierigkeiten von Schul-Ensembles: „Jedes Jahr muss man neu beginnen, denn es kommen Schüler mit wenig Erfahrung hinzu und die mit viel Erfahrung sind gerade gegangen“, sagt er. „Die Schüler in der Unterstufe erst einmal die Instrumente lernen zu lassen, ist daher eine gute Voraussetzung.“ Und: Das Erlernen der Instrumente erfolgt nicht nur in den Schulen. Die beteiligten Schüler erhalten auch privaten Musikunterricht. Der wird, je nach Einkommenslage der Eltern, bezuschusst, bei einigen nahezu hundertprozentig.

Das geht nicht ohne externe Förderer. Der Lions-Club „Harburger Altstadt“ berät und unterstützt die drei Schulen bei der Umsetzung. „Wichtig ist für uns dabei, dass das Projekt perspektivisch angelegt ist und keine einmalige Aktion“, sagt Lions-Projektpate Hajo Gehrckens. „Deshalb werden wir das Projekt auch weiter fördern.“

Rund 12.000 Euro hat der Lions Club bereits zum Instrumentenkauf und Unterricht für die junge Bigband der Elisabeth-Lange-Schule dazugegeben. Das schulübergreifende Projekt wollen die Lions jetzt auch fördern – finanziell, wie praktisch: Beim jährlichen Harburger Benefizkonzert des Hamburger Ärzteorchesters, das der Club organisiert, soll der erste gemeinsame Auftritt der jungen Musiker im Vorprogramm stattfinden. Termin ist der 23. April.

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