Harburg/Lüneburg

Willi Meyer: Auf der Baustelle in fünfter Generation

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Lena Thiele
Deichbau gehört zu den neuen Geschäftsfelder, die sich das Unternehmen erschlossen hat.

Deichbau gehört zu den neuen Geschäftsfelder, die sich das Unternehmen erschlossen hat.

Foto: Thorsten Scherz / Willi Meyer Bauunternehmen GmbH

Seit 160 Jahren ist das Bauunternehmen Willi Meyer inzwischen im Geschäft und baut Straßen, Gebäude und Deiche im ganzen Norden.

Harburg/Lüneburg.  An die Nacht auf der Mönckebergstraße erinnert sich Per Carsten Meyer noch gut. Die alte Deckschicht auf der Fahrbahn hatten seine Mitarbeiter am Sonnabend abgetragen, nun musste die beste Mischung gefunden werden, um das Material wiederaufzuarbeiten. Am Sonntag brachten sie den recycelten Asphalt neu auf, am Montag konnten die Busse wieder über Hamburgs bekannteste Einkaufsstraße rollen. „Alles an einem Wochenende“, erinnert sich Meyer. „Das war schon was.“

370 Mitarbeiter planen, entwickeln und bauen

Der 46-Jährige ist Geschäftsführer der Willi Meyer Bauunternehmen GmbH – in fünfter Generation. An diesem Donnerstag feiert das mittelständische Familienunternehmen mit Standorten unter anderem in Harburg und Lüneburg sein 160-jähriges Bestehen. Heute bauen, planen und entwickeln die 370 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe vor allem in Norddeutschland Wohn- und Gewerbegebäude, Straßen, Tankstellen, Biogasanlagen, Deiche und Fundamente für Windkraftanlagen.

„Wir bauen nahezu alles, was größer als ein Einfamilienhaus ist“, sagt Meyer. Unter seiner Führung sind auch Gebäude im Harburger Brückenquartier, im Lüneburger Speicherquartier und zahlreiche Straßen im Hamburger Hafen entstanden. Das Unternehmen hat den Rohbau für das Museum Lüneburg erstellt und einen Teil des Wohnquartiers Ilmenaugarten gebaut.

Am Anfang stand ein Nebenerwerb

Die Anfänge der Firma liegen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Uelzen. Am 1. Oktober 1860 gründete der Maurermeister Jürgen Heinrich Meyer seinen Maurereibetrieb in Batensen. Zunächst sei es ein zusätzliches Geschäft für die Wintermonate gewesen, sagt Meyer beim Gespräch in der Lüneburger Geschäftsstelle. „Die Mitarbeiter des Hofs haben in dieser Zeit Scheunen gebaut und Straßen gepflastert.“

Von 1903 an führte Heinrich Adolf Meyer, der Sohn des Gründers, den Betrieb weiter. Dessen Sohn Willi Meyer stieg 1925 ins Geschäft ein und leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahr 1958. Daraufhin übernahm Fritz Becker als Geschäftsführer, bis Werner Meyer 1973 in den elterlichen Betrieb einstieg. Dessen Sohn Per Carsten Meyer studierte zunächst Bauingenieurwesen und arbeitete in einem internationalen Projektentwicklungsunternehmen in Berlin und München, bevor er im Jahr 2008 das Familienunternehmen von seinem Vater übernahm.

Das Baugeschäft steht im Zentrum der Familie

Das Baugeschäft habe für ihn schon immer zum Alltag gehört, sagt Meyer. Schon als Kind begleitete er seinen Vater am Wochenende auf die Baustellen, als Jugendlicher verdiente er sich sein erstes Geld auf dem Bau. Seinen Großvater lernte er nicht mehr kennen, aber mit seiner Großmutter war er eng verbunden. „Wir haben sie oft in Batensen besucht, das war prägend“, sagt der Firmenchef, der heute in Deutsch Evern nahe Lüneburg wohnt. Mit einem Fahrer des Betriebs durfte er damals auf dem Hof im Lkw herumfahren. Dessen Sohn ist noch heute bei Meyer Bau, auch andere Familien sind seit zwei oder drei Generationen im Unternehmen vertreten.

Eine Besonderheit seien sieben Brüder aus Batensen gewesen, sagt Meyer. „Und auch deren Söhne arbeiten bei uns.“ Ob seine eigenen Kinder einmal in das Familienunternehmen einsteigen, stehe noch nicht fest. Sein 17-jähriger Sohn habe zwar auch schon im Betrieb gejobbt. „Aber die beiden sollen später mal das machen, was sie wollen.“

Immer neue Geschäftsfelder kommen dazu

Die Baufirma hat in den vergangenen 160 Jahren ihre Geschäftsfelder ausgebaut und sich breiter aufgestellt. Unter der Führung von Per Carsten Meyer sind sieben neue Bereiche hinzugekommen. „Wir sind ganz gut gewachsen und das soll so weitergehen“, sagt er. „Es gibt immer wieder neue Themen, die anstehen, und interessante Firmen, die wir aufkaufen wollen.“ So nehme die Bedeutung von Projektentwicklung zu und auch der regionale Ausbau werde weiter vorangetrieben. Zuletzt hatte die Firma Standorte in Kiel und Braunschweig aufgebaut. Außer Per Carsten Meyer, der die Bereiche Sonderbau und Projektentwicklung operativ leitet, haben drei weitere Geschäftsführer die Verantwortung für jeweils einen Teil der Unternehmensgruppe.

Die Branche ist deutlich komplexer geworden

Auch in der Branche hat sich einiges verändert im Laufe der Jahre. „Die Komplexität hat zugenommen“, sagt Meyer. Immer neue Baunormen und Anforderungen machten die Planung anspruchsvoller, auch die Haustechnik werde immer komplizierter. Gleichzeitig seien die Mitarbeiter der ausführenden Firmen immer weniger qualifiziert. Das treffe vor allem den Hochbau, wo bis zu zwei Drittel der Arbeiter zu externen Firmen gehören. Im Straßenbau dagegen, der einen Großteil der Aufträge ausmacht, setzt das Unternehmen fast ausschließlich eigene Mitarbeiter ein.

Die Corona-Pandemie hat sich bisher nicht auf das Geschäft ausgewirkt. Sie hätten noch genug Aufträge für die kommenden fünf Jahre, sagt der Geschäftsführer. „Aber ein konjunktureller Auf- oder Abschwung kommt in der Baubranche immer erst verzögert an.“ Die Auswirkungen zeigten sich etwa eineinhalb Jahre später. Andersherum würden Investitionen in der Baubranche effektiv die Wirtschaft ankurbeln. Mit Blick auf den Wohnungsbau ist Meyer zuversichtlich, dass der Boom weiter anhält. Im Bereich des Tiefbaus dagegen sei die Branche vor allem auf Aufträge der öffentlichen Hand angewiesen. „Da müssen wir sehen, wie sich das entwickelt.“

Zunächst einmal steht der 1. Oktober an. Zwar ist keine große Feier geplant, aber ein kleiner Umtrunk mit den Mitarbeitern im Büro. Auch einen Jubiläumsfilm wird es geben, mit den Höhepunkten und Besonderheiten der vergangenen 160 Jahre in der Firma Willi Meyer Bauunternehmen.

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