Harburg

Marktkauf-Umbau halbiert die Verkaufsfläche

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Lars Hansen
Das Kaufhaus im Marktkauf-Center wird zum Edeka-Markt  verkleinert.

Das Kaufhaus im Marktkauf-Center wird zum Edeka-Markt  verkleinert.

Foto: Lars Hansen / xl

Im Erdgeschoss wird umgebaut, ab Oktober eröffnet dort ein Edeka-Markt. Was mit dem Untergeschoss wird, bleibt offen.

Harburg.  Das Marktkauf-Center in Harburg ändert sein Gesicht radikal. Das Kleinkaufhaus, das dem Center den Namen gab und das seinen Kern bildet, verschwindet. Darüber, was danach kommt, hält sich Konzernmutter Edeka bedeckt. Sicher ist nur: Lebensmittel und Seifenwaren soll es hier weiterhin geben. Auf der Hälfte der Kaufhausfläche, im Center-Erdgeschoss, wird ein Edeka-Markt eröffnen. Was aus dem Rest des Sortiments wird, kann oder will niemand sagen. Die Kaufhaustochter Marktkauf ist ein Sorgenkind des Edeka-Konzerns. In den vergangenen Jahren wurden bereits einige Center so umgewandelt, wie es jetzt in Harburg geschehen soll. Im Januar dementierte Edeka solche Pläne für das Harburger Center allerdings noch. Jetzt allerdings sieht es anders aus: Mitte September schließt Marktkauf, Mitte Oktober öffnet das „E-Center“.

Elektro-Kleingeräte werden abverkauft

Die Abteilung mit Kleinelektrogeräten wird schon leergezogen. Mit ständig steigenden Rabatten wandern Toaster, Wasserkocher, Handmixer und Funkwecker aus den Regalen. So radikal, wie sie abverkauft werden, liegt die Vermutung nah, dass sie auch nicht wiederkommen. Vor einem Regal, das schon weitgehend leergeräumt ist, steht Silke Schubert und macht ein langes Gesicht: „Ich will einen Toaster kaufen, aber hier gibt es nur noch teure Markenware oder ganz billigen Klöterkram – nichts, was gleichzeitig gut und günstig ist; denn das ist schon weg!“, sagt die Kundin, „dabei habe ich genau solche Ware hier sonst immer bekommen. Deshalb bin ich hier. Ich wusste gar nichts von geplanten Umbau und Ausverkauf!“

Plakate weisen seit kurzem auf Umbau hin

Erst seit kurzer Zeit hängen überall im Center die Plakate, die auf den Umbau und die damit verbundenen Rabatte hinweisen. Dass der Umbau die Reduzierung der Verkaufsfläche auf die Hälfte bedeutet, steht dort nicht. Mit einer Verkleinerung des Angebotes lässt sich schlecht werben. Erst auf Nachfrage bestätigt die Edeka-Nord-Zentrale in Neumünster diese Pläne: „Die Umbaumaßnahmen im Marktkauf-Center Harburg sehen die Reduzierung der bisherigen Verkaufsfläche auf das Erdgeschoss vor“, schreibt Pressesprecherin Helene Dahlke, „Die Neuausrichtung des Marktes orientiert sich eng an den Wünschen unserer Verbraucherinnen und Verbraucher. In moderner Atmosphäre entsteht ein neues Einkaufserlebnis, das sich stark auf Frische fokussiert. Ergänzende Nonfood-Sortimente, die im Center sowie in der näheren Umgebung nicht verfügbar sind, runden das vielseitige Angebot ab.“

Was vom Non-Food-Sortiment bleibt, ist fraglich

Auch auf Nachfrage sagt die Sprecherin nicht, was denn vom Non-Food-Sortiment übrig bleibt, wenn man alles abzieht, was es „im Center sowie in der näheren Umgebung“ bereits gibt. Direkt auf der anderen Straßenseite befindet sich das riesige Phoenix-Center, gleich um die Ecke die Fußgängerzone Lüneburger Straße. Dennoch war das Center-Kaufhaus im Marktkauf stets ziemlich gut besucht. Orientiert sich der Umbau also tatsächlich „an den Wünschen unser Verbraucher“, wie Edeka durch Frau Dahlke ausrichten lässt?

Kunden sind über Umbau verärgert

„Ich finde das nicht gut“, sagt Thomas Behr, Stammkunde des Zentrums, seit es 1982 als „Suba-Center“ eröffnet wurde, „Harburg verliert damit ein Geschäft bei dem man – bis auf wenige Ausnahmen – quasi alles kaufen konnte. Ich fand es sehr praktisch, den normalen Wocheneinkauf mit dem Einkauf von Dingen, die ich nicht so häufig brauche, zu verbinden!“

Die Umfirmierung von Marktkauf-Standorten in inhabergeführte „E-Center“ läuft bereits seit 2017. Laut dem Branchenportal supermarkt-inside.de fährt Edeka Nord mit den Marktkauf-Häusern jährlich Verluste in zweistelliger Millionenhöhe ein. Im kommenden Jahr wird auch der Marktkauf in Wilhelmsburg – Kernmieter im „Luna-Center – auf Edeka umfirmieren.

Im Untergeschoss droht Leerstand

Die Frage, was aus der frei werdenden Fläche im Untergeschoss wird, ließ Edeka-Sprecherin Dahlke bis Redaktionsschluss ebenfalls unbeantwortet. Die Vermutung liegt nahe, dass hier nach dem Karstadt-Untergeschoss die zweite Brachfläche in einer Harburger Einkaufsstätte entsteht.

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