Corona-Krise

Chefärzte: Behandlungen nicht hinauszögern!

| Lesedauer: 2 Minuten
Prof. Dr. Rudolf Töpper, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Neurologie der Asklepios Klinik in Harburg

Prof. Dr. Rudolf Töpper, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Neurologie der Asklepios Klinik in Harburg

Foto: M.Kuhn / HA

Ärzte des Asklepios Klinikums Harburg beobachten, dass Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen notwendige Klinikbehandlungen vermeiden

Harburg . Die Ärzte des Asklepios Klinikums Harburg beobachten mit Sorge, dass Patienten mit schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen aus Angst vor einer Corona-Infektion immer öfter dringend notwendige Klinikbehandlungen vermeiden. Dadurch bringen sie sich mitunter in Lebensgefahr, denn die Grunderkrankung ist oft weit gefährlicher als das Risiko einer Corona-Ansteckung. Besonders kritisch sind hier Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Krebserkrankungen.

„Bei allen sinnvollen Maßnahmen gegen die Corona-Infektion dürfen wir nicht die anderen schwer erkrankten Patienten aus dem Blick verlieren“, sagt Prof. Dr. Rudolf Töpper, Chefarzt der Klinik für Neurologie in der Harburger Asklepios Klinik. „Schlaganfälle sind lebensbedrohliche Krankheiten, die eine sofortige Behandlung erfordern. Wer aus Angst vor einer Infektion eine dringend notwendige stationäre Behandlung vermeidet oder auch nur verzögert, bringt sich in große Gefahr“, so der Spezialist. In den Kliniken werden aufwändige Schutzmaßnahmen zur Infektionsvermeidung vorgenommen. „Patienten haben daher kein erhöhtes Risiko sich in der Notaufnahme oder auf einer Station anzustecken“, so Töpper.

„Ohne Behandlung wachsen Tumoren einfach weiter“

Die gleichen Sorgen wie Töpper teilt auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, die appelliert, auch in der aktuellen Situation die leitliniengerechte Versorgung herzkranker Patienten sicherzustellen. Ähnliche Risiken bestehen auch für Patienten, die an Krebs erkrankt sind. „Ohne Behandlung wachsen Tumoren einfach weiter, dehnen sich in Bereiche aus, wo wir nicht mehr operieren können oder bilden Tochtergeschwülste“, sagt Dr. Stefan Meierling, Chefarzt der Asklepios-Klinik für Thoraxchirurgie.

Er warnt dringend davor, anstehende Behandlungen bis nach der Pandemie auszusetzen, oder begonnene Tumortherapien nicht fortzuführen. „Die Dynamik von Tumorerkrankungen wird uns eine solche Haltung oft nicht durchgehen lassen“, erklärt der Mediziner. „Denn Verzögerungen können viele Krebserkrankungen massiv verschlechtern, so dass eine Behandlung nur noch mit erheblich schlechteren Vorzeichen oder gar nicht mehr möglich ist.“ Daher empfiehlt Meierling Betroffenen, sich grundsätzlich untersuchen zu lassen und das Vorgehen mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

„Viel hängt auch von der Tumorart und dem individuellen Zustand des Patienten ab“, so der Chefarzt weiter. Daher warnt er davor, notwendige Operationen oder sonstige Behandlungen zu vermeiden, um die Betten für Corona-Kranke frei zu halten: „Wir müssen versuchen, allen Patienten die sinnvolle Behandlung zu ermöglichen, selbstverständlich auch den Pandemie-Opfern, aber nicht ausschließlich.“ Für COVID-19 Patienten haben die Asklepios Kliniken massiv Intensivbetten freigeräumt und zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Damit seien die Kliniken sehr gut vorbereitet.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg