Harburg
Landkreis Harburg

Die Schüler im Landkreis nehmen Umweltschutz ernst

Die Klasse 6f der IGS Winsen setzt sich mit ihrer Lehrerin Christine Tholen engagiert für den Klimaschutz ein.

Die Klasse 6f der IGS Winsen setzt sich mit ihrer Lehrerin Christine Tholen engagiert für den Klimaschutz ein.

Foto: Christiane Tauer

Immer mehr Schulklassen starten konkrete Projekte zum Thema Klimawandel. Dafür gibt es viel Unterstützung und auch schon einen Preis.

Winsen.  Spätestens seit Greta Thunberg und den Fridays-for-Future-Demonstrationen wissen wir: Junge Leute machen sich für Klimaschutz stark, und wenn sie das tun, tun sie es aus voller Überzeugung. Auch an den Schulen im Landkreis Harburg ist diese Entwicklung deutlich zu spüren. Viele Schüler engagieren sich für Umweltschutz-Projekte und sind mit viel Herzblut dabei.

Am Anfang stand eine Projektwoche

„Iiih, Plastik!“, heißt es zum Beispiel in der Klasse 6f der IGS Winsen, sobald auch nur ein Schüler einmal eine Einweg-Plastikflasche mit in den Unterricht bringt. Die Kinder sind sensibilisiert für den Umweltschutz und schauen einander ganz genau auf die Finger. Dabei ging das Interesse für Umweltthemen zunächst ganz regulär mit dem Unterrichtsfach „Projektzeit“ los.

„Wir haben Anfang des Schuljahres über den Regenwald gesprochen und über die Folgen, die die Abholzung der Bäume für das Ökosystem der Erde hat“, erinnert sich Lehrerin Christine Tholen. Die Kinder waren sofort wie elektrisiert und wollten direkt aktiv werden. Sie entschieden, als Zeichen des Protests neue Bäume pflanzen zu wollen. „Schließlich geht es ja um unsere Zukunft“, erklärt Max.

1000 Euro für Bäume auf dem Schulhof

Um die Bäume kaufen zu können, brauchten die Schüler natürlich Geld, was für Gavin wiederum bedeutete, einfach bei Freunden und Verwandten in Scharmbeck Spenden zu sammeln. Gavins Vorbild machte Schule, die Klassenkameraden zogen nach, um die „Baumkasse“ zu füllen. Mit offiziellen Flyern der IGS ausgestattet, die belegen sollten, dass sie das Geld nicht etwa in ihre eigene Tasche stecken wollten, baten die elf- und zwölfjährigen Schüler im Freundeskreis, in der Familie oder der Winsener Innenstadt um Spenden – und zwar so erfolgreich, dass mittlerweile insgesamt mehr als 1000 Euro zusammengekommen sind. Dank der Unterstützung der Gärtnerei von Ehren können sie jetzt tatsächlich zwei Bäume auf dem Schulhof pflanzen.

Kinder entwickeln ökologischen Allzweckreiniger

Bei der Spenden-Sammelaktion sollte es aber nicht bleiben. Die 29 Mädchen und Jungen stellten einen ökologisch unbedenklichen Allzweckreiniger aus Kernseife, Wasser und Duftöl her, den sie auch zu Hause verwenden. „Meine Mutter fand es sofort super, dass wir den selbst herstellen“, berichtet Lenja. Lehrerin Christine Tholen überlegt jetzt, über eine Schülerfirma die Produktion zu vergrößern und in den Verkauf zu gehen.

Generell hätten die Schüler jetzt ein viel größeres Bewusstsein für Umweltthemen entwickelt, fasst sie zusammen. Auch die Eltern werden bei den wöchentlichen Supermarkteinkäufen von den Schülern kritisiert, wenn sie zu viele plastikverpackte Lebensmittel mitbringen. Selbst Autofahren können Mama und Papa unter den wachsamen Augen des Nachwuchses nicht mehr ohne Probleme. „Ich habe meiner Mutter gesagt, dass sie doch mal das Rad nehmen soll“, berichtet Bastian. Christine Tholen freut das. „Auf diese Weise bringen die Kinder auch den Eltern etwas bei.“ Sie würden so lange dran bleiben, bis sich im Alltag tatsächlich etwas verändert, getreu dem Motto, das die Klasse in Abwandlung des bekannten Mottos „Fridays for Future“ für sich gewählt hat: Friday is everyday.

Wasserspender, um Plastikflaschen zu vermeiden

Am Gymnasium Hittfeld ist Umweltschutz ebenfalls Thema. Eine Imker-AG sei dort bereits Standard, erklärt Lehrerin Irmgard Bierwisch. Darüber hinaus werden für Obstsalat und Joghurt nicht mehr Plastik-, sondern ausschließlich Glasbecher verwendet. Außerdem gibt es einen Wasserspender, um Plastikflaschen zu vermeiden. „Wir wollen das Plastik so weit es geht aus unserer Schule verbannen“, so die Lehrerin.

Folie aus nachhaltigen Rohstoffen

„All days for future“ heißt es hingegen in einer AG an der Oberschule Jesteburg, die sich aus dem großen Umwelt-Engagement der Mädchen und Jungen heraus entwickelt hat. So haben sie im Kunstunterricht beispielsweise eigene Kleidung aus alten Kleidungsstücken entworfen, sie haben Plastikfolie aus nachhaltigen Rohstoffen entwickelt und insektenfreundliche Naturflächen gestaltet. Für diesen Einsatz gab es sogar eine Auszeichnung der Buchholzer Zukunftswerkstatt. Als Preis erhielten sie mehrere Obstbäume, von denen fünf schon eingepflanzt sind. „Wo können wir etwas tun, wo bewegen wir etwas?“ Diese Fragen würden die Schüler immer wieder stellen, sagt Lehrerin Kornelia Petersen. Sie ist sich sicher: Die weltweiten Aktionen rund um „Fridays for Future“ haben bei jungen Leuten wirklich etwas ausgelöst.