Harburg
Neubaugebiet

HafenCity ist Buxtehuder Vorbild bei Grundstücksverkauf

Das künftige Neubaugebiet war bisher eine moorige Wiese. Im Hintergrund die bisherige Siedlungsgrenze mit Einzelhäusern am Königsdamm.

Das künftige Neubaugebiet war bisher eine moorige Wiese. Im Hintergrund die bisherige Siedlungsgrenze mit Einzelhäusern am Königsdamm.

Foto: Stadt Buxtehude / HA

Bei der Investorensuche für das neue Wohngebiet Giselbertstraße geht die Este-Stadt neue Wege.

Buxtehude.  Erste Sielschächte, Bau-Straßen und Versorgungsleitungen sind hier bereits zu sehen: In der Nähe des S-Bahnhofs soll mit rund 450 Wohneinheiten das seit langem größte Neubaugebiet Buxtehudes gebaut werden, zum überwiegenden Teil mit den dort besonders benötigten Mehrfamilienhäusern. Etwa Zweidrittel der Grundstücke gehören der Stadt selbst. Und dafür startet in Kürze ein mehrstufiges Vergabeverfahren, das sich stark an der Praxis des Grundstücksverkaufs in der Hamburger HafenCity orientiert. Das Hamburger Stadtplanerbüro Luchterhandt hatte es für Buxtehude entwickelt und stellte es jetzt erstmalig im Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates vor.

Nach der Ausschreibung im Januar erfolgt demnach im Mai eine erste Auswahl möglicher Investoren für den ersten Abschnitt. In einem zweiten Schritt wird es wie in der HafenCity üblich zunächst eine „Anhandgabe“ der ersten Grundstücke geben. Das bedeutet: Der Investor kann das Areal exklusiv konkreter planen, die Finanzierung sicherstellen und auch Nutzer suchen – ohne schon zu bezahlen. Die Stadt behält aber das Heft immer noch in der Hand, falls die zuvor vereinbarten Ziele nicht eingehalten werden. Erst im Anschluss kommt es dann zum Verkauf.

Wohnungspolitische Ziele der Stadt sollen erreicht werden

Mit diesem Verfahren soll sichergestellt werden, dass ganz spezielle wohnungspolitische Ziele der Stadt erreicht werden: Nicht der Meistbietende bekommt danach den Zuschlag, sondern das bessere Konzept. Im Buxtehuder Fall gibt es beispielsweise die Vorgabe, dass mindestens 25 Prozent der Mietwohnungen eine Startmiete von nur 7,50 Euro kalt pro Quadratmeter haben dürfen – was im Vergleich zu anderen Gebieten im Süderelbe-Raum tatsächlich sehr niedrig ist.

„Wir haben uns dabei an den Schwächsten im Wohnungsmarkt orientiert“, sagte Annette Mojik-Schneede, die Fachgruppenleiterin Stadt- und Landschaftsplanung in der Buxtehude Verwaltung ist. So könnten sich rund 80 Prozent der Buxtehuder Haushalte als Normal- oder Besserverdiener gut im Wohnungsmarkt behaupten. Und auch für die Bezieher von staatlichen Leistungen wie Hartz IV (rund zwölf Prozent der Haushalte) sei es möglich, dort etwas zu finden, weil Mieten von mehr als neun Euro vom Staat übernommen werden.

Doch für sieben Prozent der Haushalte ohne finanzielle Leistungen sei es besonders schwierig, so die Stadtplanerin. Und genau für diese Gruppe sei der Anteil der „preisgedämpften“ Wohnungen“ gedacht, die über alle Wohngebäude verteilt werden müssen, um eine „Durchmischung“ zu erreichen – auch dies eine Praxis, wie sie auch in Hamburg bei größeren Projekten gefordert wird.

Wobei sich die Marke 7,50 Euro an dem sogenannten zweiten Förderweg von staatlich geförderten Wohnungen orientiert. Eine solche Förderung sei aber keine zwingende Vorgabe für Investoren.

Vergabeverfahren stößt auf breite Zustimmung

Bei den Ratsfraktionen stieß das Vergabeverfahren auf breite Zustimmung – nur von der Linken gab es heftige Kritik, die aber ebenso heftig erwidert wurde: „Wir finden das Konzept wunderbar, Buxtehude übernimmt damit eine Vorreiterrolle“, sagte etwa der Grünen-Ratsherr Michael Gerkens. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschefin Astrid Bade und sprach von einem „sehr durchdachten“ Konzept. CDU-Fraktionschefin Arnhild Biesenbach erinnerte dran, dass es aus ihrer Partei zwar anfangs Bedenken gegeben habe. „Aber wir haben uns überzeugen lassen und stehen voll und ganz dahinter, weil das Konzept maßgeschneidert für Buxtehude ist.“

Ganz anderes die Einschätzung von Linken-Fraktionschef Benjamin Koch-Böhnke. Er kritisierte, dass Normal und Besserverdiener einfach zu einer Gruppe zusammengepackt würden. Viele Haushalte seien vom Wohnungsmarkt aber ausgeschlossen, behauptet er und forderte eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die günstig bauen müsste. Gleichzeitig vermisse er im Konzept Forderungen für ein barrierefreies Wohnen und „höchste energetische Standards“ – was in der Regel das Bauen aber treuer machen dürfte.

„Das ist keine Meisterleistung“, griff er die Buxtehuder Stadtplanerin scharf an - was ihm aber heftige Rüffel einbrachte. „Alles nur Palaver von Ihnen, nichts dahinter“, entgegnete Buxtehudes Stadtbaurat Michael Nyveld. Die SPD-Politikerin Astrid Bade warf Koch-Böhnke „selbstverliebtes Reden“ vor. Und AfD-Ratsherr Helmut Wiegers empfahl dem Kollegen von der Linken ironisch, sich dort selbst um Grundstücke zu bewerben: „Dann können Sie alles das, was Sie fordern, auch umsetzen.“