Harburg
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St.-Johannis-Kirche: Pläne für Sanierung reichen nicht aus

Pastorin Sabine Kaiser-Reis und Pastor Friedrich Degenhardt im Treppenhaus des Kirchturms.

Pastorin Sabine Kaiser-Reis und Pastor Friedrich Degenhardt im Treppenhaus des Kirchturms.

Foto: Katharina Geßler / HA

Bausachverständige halten Maßnahmen am St. Johannis-Kirchturm für unzureichend. Jetzt wurde das Gerüst am Gebäude wieder abgebaut.

Harburg.  Die Sanierungsarbeiten am Kirchturm der St. Johanniskirche an der Bremer Straße sind vorübergehend eingestellt worden. Das Baugerüst samt Planen am 40 Meter hohen Gebäude wurden abgebaut. Der Grund: Die von der Gemeinde vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen am Betonturm reichen nicht aus. Wie die Begutachtung durch eine Bausachverständige für Betonschäden und Betoninstandsetzung ergeben hat, weist der Turm weitaus mehr Schäden auf als bislang angenommen. An vielen Stellen sitzt der Beton, der die Bewehrung des Turmes schützt, lose, die angerosteten Stahlmatten können das Material nicht sicher halten.

Die Sanierung des Turms muss daher deutlich umfassender ausfallen, als bislang geplant. Da die Windlast von Herbst- und Winterstürmen den Turm gefährden könnten, musste jetzt auch das im Mai aufgestellte Baugerüst abgebaut werden. Wie es mit den Sanierungsarbeiten weiter gehen soll, ist völlig unklar.

Ohne Planen und Baugerüst präsentiert der Turm einen trostlosen Anblick. Die Fenster samt Metallrahmen sind ausgebaut, das Glockengeläut sowie die Turmuhr wurden entfernt und auch das drei Meter hohe Kreuz, das die Turmspitze zierte, fehlt. Die Beschichtung der Fassade ist abgestrahlt, so dass sich der pure, dunkelgraue Beton zeigt. An einigen Stellen ist dieser großflächig abgeschlagen, so dass die rostige Metallbewehrung zu sehen ist.

Wahrlich kein schöner Anblick, findet auch Pastor Friedrich Degenhardt, der gehofft hatte, die Sanierungsarbeiten am Turm bis Dezember abschließen zu können. „Doch im Laufe der Arbeiten hat sich herausgestellt, dass der Turm maroder ist als bislang angenommen“, sagt er. Also wurde eine Bausachverständige hinzugezogen, deren Urteil vernichtend ausfiel. Sie ordnete den sofortigen Baustopp sowie eine genauere Schadensanalyse an.

Zuwenig Beton auf die Bewehrung aufgetragen

Schon seit den 1990er-Jahren war bekannt, dass der Kirchturm baulich nachgebessert werden muss. Beim Bau wurde zu wenig Beton auf die Bewehrung aufgetragen. Im Rahmen der Sanierung sollten nun auch die Fenster aufgearbeitet und erneuert, Glockenaufhängung und Turmuhr repariert und das Kreuz neu befestigt werden. 800.000 der insgesamt zwei Millionen Euro, die für die Sanierung vorgesehen waren, sollten in den Kirchturm fließen. Rund die Hälfte der Kosten übernimmt der Kirchenkreis. Zudem gewährt er der Trinitatis-Gemeinde ein Darlehen von 400.000 Euro. 170.000 Euro bringt die Gemeinde selbst auf und löste dazu ihre Rücklagen auf. Weitere 200.000 Euro kommen aus dem Hamburger RISE-Programm zur Stadtteilentwicklung, 70.000 Euro vom Denkmalschutz und 20.000 Euro von der Zeit-Stiftung.

Um die nun steigenden Kosten zu tragen, hofft der Pastor auf weitere finanzielle Hilfe, etwa in Form von Spenden. „Für die Gemeinde sind weitere Belastungen nicht zumutbar“, so Degenhardt. Nun müsse der Kirchenkreis entscheiden, wie es mit dem Turm weitergehen solle. Vorstellbar sei auch, das Gebäude von 1952 abzureißen und durch einen neuen Turm zu ersetzen, sollten die Kosten dafür niedriger sein.

Porenbetonplatten im Kirchendach durch Holz ersetzt

Die Sanierung des Kirchturms ist nur ein Teil der umfassenden Baumaßnahmen, die die Gemeinde im Frühjahr gestartet hat und deren erster Abschnitt pünktlich zum Advent abgeschlossen werden konnte. So wurden die Porenbetonplatten am Kirchendach durch Holz ersetzt. Diese waren durch ein undichtes Dach über die Jahre brüchig geworden. Die Folge: Wegen fehlender Tragkraft musste die Kirche, die jährlich um die 35.000 Besucher zählt, bei Schneelast für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Auch der Innenraum der Kirche wurde saniert. Die hölzerne Decke war teilweise mit Schimmel befallen und musste komplett gereinigt und neu gestrichen werden. Darüber hinaus wurden im Gebäude eine neue Gasheizung installiert und die Elektro-Installationen nachgebessert.

Die geplanten Dacharbeiten über den Büros und dem Foyer müssen indes noch warten. Sie können erst durchgeführt werden, wenn die Sanierung des Turms abgeschlossen ist. Zwei kleinere Abschnitte der Baumaßnahmen sollen im ersten Halbjahr 2020 umgesetzt werden. Dabei geht es um die Nebendächer auf der Südseite der Kirche und die Treppenanlage, die zur Bremer Straße hin verläuft.

Ein weiteres Gutachten steht noch aus

Wie es mit dem Kirchturm weitergehen wird, wird sich erst im Verlauf des kommenden Jahres klären. „Ein in Auftrag gegebenes Gutachten des Betonsachverständigenbüros steht noch aus“, sagt Friedrich Degenhardt. „Fest steht, dass eine umfassende Sanierung des Turms weitaus teurer wird als bislang geplant. Wir müssen daher zunächst ein neues Konzept erarbeiten und die Frage beantworten, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. Wenn die Zahlen vorliegen, werden der Kirchengemeinderat der dann fusionierten Ev.-Luth. Kirchengemeinde Harburg-Mitte, gemeinsam mit dem Denkmalschutz und der Bauabteilung des Kirchenkreises Hamburg-Ost auf dieser Grundlage über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Degenhardt und sein Team wollen aber auch ohne Turm und Glockengeläut dafür sorgen, dass die Gemeinde eine besinnliche Adventszeit und ein fröhliches Weihnachtsfest erlebt. „Von der traditionellen Abendmusik vor dem 1. Advent bis zur Internationalen Christnacht an Heiligabend können im Dezember in der St. Johanniskirche wieder alle Veranstaltungen wie gewohnt stattfinden“, verspricht der Pastor und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Gegebenenfalls auch bei hoher Schneelast.“