Harburg
Kleckerwald

Dat ole Försterhuus ist frisch saniert

Vereinsvorstand Wolfgang Schnitter präsentiert stolz den frisch sanierten Westgiebel des Olen Försterhuus'.

Vereinsvorstand Wolfgang Schnitter präsentiert stolz den frisch sanierten Westgiebel des Olen Försterhuus'.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Auf den Postkutschenverein warten noch weitere Instandsetzungen am alten Gebäude – die kosten rund 300.000 Euro in den nächsten Jahren.

Klecken.  Vergessen hat er das Erlebnis nie, obwohl es über 60 Jahre zurückliegt. Wolfgang Schnitter war damals sieben Jahre alt, ein kleiner Junge in Kniebundhosen und kariertem Hemd, der Platt snacken konnte und seine Zeit am liebsten im Freien verbrachte. Er erinnert sich noch genau. Wie sie plötzlich da stand. Direkt vor dem Haus seiner Eltern, strahlend gelb, mit ihren großen Rädern aus Holz und den vier Pferden im Gespann. Ein Gefährt wie aus der Zeit gefallen. Es war Schnitters erste Begegnung mit dem Wagen des Postkutschenvereins Lüneburger Heide e.V. – und sie prägte sein Leben.

Noch heute, 61 Jahre später, fühlt sich der Nenndorfer Jung mit eben diesem Gefährt und seinen Mitstreiters eng verbunden. Seit beinahe 40 Jahren engagiert er sich im Verein Postkutsche Lüneburger Heide e.V. und übernahm 2016 sogar dessen Vorstand mit dem Ziel, dieses Stück Zeitgeschichte auch für die kommenden Generationen zu bewahren. Doch inzwischen geht es um viel mehr als nur um die Kutsche und die Reisen in die Vergangenheit deutscher Postgeschichte, die mit dieser erfahrbar sind. Die eigentliche Herausforderung ist eine eine andere: Dat ole Försterhuus zu erhalten, in dem der Verein seinen Sitz hat.

Gebäude aus dem 18. Jahrhundert

Das historische Fachwerkhaus ist seit 1968 Heimat des zehn Jahre zuvor gegründeten Vereins. Ein Kleinod, das die Spaziergänger im Kleckerwald zum Staunen bringt. „Es wurde 1852 mit verwendbaren Teilen eines alten Bauernhauses, das vorher an einem anderen Ort in der Heide gestanden hatte, im Klecker Wald aufgebaut“, sagt Wolfgang Schnitter. „Als unser Verein Mitte der 1960er Jahre neue Räume suchte, erfuhren wir, dass das alte Forsthaus wegen Baufälligkeit abgerissen werden sollte und für den Förster in der Nähe ein neues Haus gebaut wurde.“ Mit Unterstützung zahlreicher Heimatfreunde gelang es dem Verein schließlich, das historische Gebäude als Pächter zu übernehmen. 2007 wurde es Vereinseigentum.

Erhalt kostet in den nächsten Jahren 300.000 Euro

Inzwischen ist allen Beteiligten klar, was für eine Mammutaufgabe der Erhalt des Gebäudes ist. 300.000 Euro, so die Schätzung der Gutachter, müssen in den kommenden Jahren in den Erhalt des Hauses investiert werden. Erste Arbeiten sind bereits erledigt. So wurde das komplette Dach saniert und von Schädlingen befreit. Anschließend wurde die abgängige Dielendecke erneuert. In den vergangenen Monaten wurde nun der komplette Westgiebel denkmalgerecht saniert. „Das Fachwerk war völlig marode, das Mauerwerk fiel uns entgegen“, sagt Wolfgang Schnitter. Auch die Balken des 1852 erbauten Hauses waren teilweise verrottet und wurden durch gleich altes Holz ersetzt. Die Steine wurden gesäubert oder durch alte Steine ersetzt, die sich noch im Vorrat befanden.

Landkreis Harburg beteiligt sich mit Zuschüssen

Etwa 40.000 Euro hat der Verein in die Sanierung investiert. Ein Viertel der Summe übernimmt der Kreis. „Zur Finanzierung hat der Verein außerdem in diesem Jahr einmalig seine Mitgliedsbeiträge verdoppelt“, so Schnitter, der froh ist, den Westgiebel mit altersgerechtem Material so schön hinbekommen zu haben. „Damit haben wir ein Großprojekt zu Ende gebracht, das wir die letzten zehn Jahre vor uns hergeschoben haben.“ Um die weiteren Sanierungsarbeiten vornehmen zu können, ist der Verein dringend auf Spenden angewiesen. Denn auch der Ostgiebel des Hauses muss ausgebessert werden. Darüber hinaus müssen alte Fenster ersetzt, die Elektrik erneuert und das alte Backhaus im Vorgarten des Försterhuus’ grundlegend saniert werden. Kosten: 15.000 Euro.

Die Groot Dör wird in Blaugrün gestrichen

Als nächstes aber will sich der Verein um eine neue „Groot Dör“ kümmern. Die große Holztür an der Rückseite des Gebäudes ist undicht und muss ersetzt werden. Etwa 3000 Euro, schätzt Schnitter, kommen an Kosten auf den Verein zu. Großzügige Spender gab es bereits. So wurde mit deren Unterstützung in diesem Jahr der Vorgarten mit Rollrasen ausgelegt und der Weg zur Eingangstür neu gepflastert. Diese wird aktuell neu gestrichen. „Die Eingangstür entsprach in ihrem dunklen Braunton nicht dem Original“, so Schnitter. „Jetzt lassen wir sie im klassischen Blaugrün gestalten, so, wie sie früher tatsächlich ausgesehen hat.“

Auch für die kommenden Projekte möchte der Verein finanzielle Unterstützung beim Kreis beantragen. „Es sollte der Verwaltung und Politik ein Anliegen sein“, sagt Schnitter. „Schließlich profitieren alle Bürger vom Försterhuus.“

Drei Kitas nutzen das Haus für Waldexkursionen

So wird das Haus von den drei Kitas der Umgebung als Anlaufstelle für pädagogische Waldtage genutzt. Allein 2018 waren an 76 Tagen Kinder im Förster­huus zu Gast. Außerdem organisiert der Verein regelmäßig musikalische und literarische Veranstaltungen am offenen Herdfeuer, es gibt Klönabende mit Kartenspiel, Backen und Basteln mit Kindern, ein Pfingstvergnügen und einen Weihnachtsmarkt. Darüber hinaus ist das ole Försterhuus offizielle Außenstelle des Standesamtes Rosengarten. „Die Brautpaare geben sich im Herdfeuerraum an den knisternden Flammen das Jawort“, schwärmt Wolfgang Schnitter. Auch für private Feiern könne das Haus gebucht werden.

Bei all den Nutzungsmöglichkeiten aber vergisst der Verein nicht seinen Ursprungsgedanken: die Postkutsche. Sie steht in der Remise, einer über 300 Jahre alten Durchfahrtsscheune, sorgt mit ihren sechs Kilometern pro Stunde für beschleunigte Entschleunigung im Landkreis und bringt damals wie heute Kinder zum Staunen.