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Steht das Buxtehuder Skandal-Hochhaus vor dem Verkauf?

Seit Jahren gilt das Hochhaus in der Schröderstraße 9 in Buxtehude als problematische Adresse

Seit Jahren gilt das Hochhaus in der Schröderstraße 9 in Buxtehude als problematische Adresse

Foto: Axel Tiedemann / AT

Auch in Hamburg sind die Methoden des Haus-Eigentümers berüchtigt. Linke fordern nun eine Enteignung.

Buxtehude.  Kakerlakenbefall, eine ausgefallene Heizung, mangelnder Brandschutz und ein offenbar abgetauchter Vermieter, von dem es heißt, er kümmere sich nicht: Seit Jahren sorgt das zwölf Stockwerke hohe Gebäude an der Schröderstraße 9 in Buxtehude für Negativschlagzeilen. Nun könnte wieder Bewegung in den Fall kommen.

In Buxtehude ist von einem möglichen Verkauf des Hauses mit seinen immerhin 74 Wohnungen die Rede. Es gebe diese Hinweise, man habe ebenfalls davon gehört, letztlich bestätigt sei der Verkauf aber noch nicht, heißt es bei der Stadtverwaltung.

Man nennt es „Skandal-Hochhaus“ und „Horrorhaus“

„Ein offizieller Kaufvertrag liegt uns bisher nicht vor“, sagt Ralf Dessel, Fachbereichsleiter Finanzen, Recht und Sicherheit in Buxtehude. Und in dieser Eigenschaft hatte er zuletzt reichlich mit dem gelben Gebäude zu tun, das auch schon mal als Skandal-Hochhaus – oder noch heftiger – als Horrorhaus von Buxtehude bezeichnet wird.

Eigentümer ist seit 2009 der Hamburger Immobilienkaufmann Sven Basner, ein Zwei-Meter-Mann mit jungenhaften Gesichtszügen und knallharten Geschäftsmethoden. Auch in Hamburg ist die Liste mit Vorwürfen gegen ihn lang. „Einen solchen Vermieter wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht“, sagt etwa der Geschäftsführer vom Mieterverein zu Hamburg, Siegmund Chychla.

Ermittlungen wegen eines Hauses in der Grindelallee

In der Grindelallee 80 in Eimsbüttel ermittelten die Behörden, weil in dem stark vernachlässigtem Haus durch einen Voreigentümer aus ursprünglich sechs plötzlich 26 Wohnungen gemacht worden seien, offensichtlich ohne auf den Brandschutz zu achten. Aufforderungen an den aktuellen Eigentümer zur Nachbesserung blieben wirkungslos, eine Firmenadresse gibt es in Hamburg nicht mehr. Wer im Internet etwas zu dem Namen recherchiert, stößt indes auf eine Firma auf Ibiza, die sich mit Bauen und Entwickeln beschäftigt.

Mangelnder Brandschutz ist auch das aktuelle Thema in Buxtehude: Türen mussten erneuert werden, Fensteröffnungen verkleinert, hatte zuvor eine Inspektion durch die Stadt ergeben. Doch wie in Eimsbüttel gab es auf entsprechende Aufforderungen der Stadt keine Reaktion von Basner. Buxtehude ließ daher die Arbeiten zunächst auf eigene Kosten für rund 95.000 Euro erledigen und konnte dann im Wege der Drittschuldner-Haftung bei knapp 20 Mietern erreichen, dass sie ihre Miete an die Stadt und nicht an den Vermieter zahlen.

Rund 30.400 Euro konnten so bisher zurück in die Stadtkasse geholt werden, sagt Fachbereichsleiter Dessel. Über Rechtshilfeersuchen und spanische Behörden an das Geld zu kommen, habe man indes verworfen, weil sich ein solches Verfahren bei anderen Behörden als „extrem schwierig“ erwiesen habe.

„Die Stadt lässt sich vorführen!“

Doch nicht alle Mieter überweisen an die Stadt, viele zahlen ihre Miete weiter direkt nach Spanien, sagt Wolfgang Dietrich vom Buxtehuder Mieterverein. Immer wieder gebe es in dem Haus Klagen über bauliche Mängel. „Aber wir können nichts machen, weil es keine Adresse des Vermieters gibt“, sagt Dietrich, der staatlichen Stellen in diesem Fall Vorwürfe macht. So seien dem Mieterverein sehr teure Mieten in dem Haus aufgefallen.

Viele der Mieter bekämen das Geld aber vom Jobcenter oder Sozialamt. Und die würden das dulden und den hohen Preis nach Spanien überweisen. Dietrich: „Die Stadt lässt sich da trefflich vorführen.“

Mieter haben Angst um ihre Wohnungen

In eine ähnliche Kerbe schlägt die Linke im Stadtrat, die jetzt fordert, dass alle sozialen Transferleistungen zur Miete dort auf das Konto der Stadt gehen sollen. Jedenfalls sollte man ein solches Vorgehen jetzt juristisch prüfen, heißt es in einem Antrag dazu. Das würde auch den Druck von den Mietern nehmen, die Angst um ihre Wohnungen und vor einer Kündigung hätten, wenn sie eigenständig an die Stadt überweisen.

„Der Vermieter hätte dann jederzeit die Möglichkeit, aus seinem Versteck zu kommen und mit der Hansestadt zwecks Rückzahlung der Kosten in Kontakt zu treten“, sagt Linken-Ratsherr Benjamin Koch-Böhnke, der letztlich auch eine Enteignung als Mittel der Wahl in Betracht ziehen will, wie er sagt.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Während Hamburg sein Wohnraumschutzgesetz vor einiger Zeit schon verschärft hatte, hat das Land Niedersachsen einen solchen neuen Instrumentenkasten gerade erst verabschiedet, um den Kommunen in solchen Fällen mehr Möglichkeiten geben. Allerdings müssen sie diese Regelungen noch per Satzung beschließen. Es könnte also noch einige Zeit vergehen, bis Buxtehude schärfer gegen die Zustände in der Schröderstraße 9 vorgehen kann.

In Eimsbüttel sieht sich der dortige Bezirk unterdessen zu einem drastischen Schritt veranlasst und will das Haus an der Grindelallee räumen, weil es zu stark vernachlässigt worden sei. Ziel sei nun, mithilfe des Wohnraumschutzgesetzes dort wieder legalen Wohnraum zu schaffen. Ob es in Buxtehude einen anderen Weg über einen Verkauf gibt, dürfte indes fraglich sein.

Schon in den 1980er Jahren galt die Schröderstraße 9 unter Taxifahrern als Adresse mit, vorsichtig formuliert, schwieriger Kundschaft. Und auch als Eigentümer Basner 2009 im Alter von damals erst 29 Jahren das Haus bei einer Zwangsversteigerung für rund eine Million gekauft hatte, zeigten sich schon Schäden an der Substanz.

Das Haus stand damals unter Zwangsverwaltung, weil auch damals schon einmal ein Eigentümer für die Behörden nicht mehr auffindbar gewesen war. Ob nun ein weiterer neuer Eigentümer mehr Geld in das Haus stecken wird, stößt in der Stadtverwaltung auf wenig Hoffnung. An einen „weißen Ritter“ glaube er da nicht mehr, sagt ein leitender Beamter: „Ich fürchte, dass hier dann der letzte Tropfen aus einer schon ausgequetschten Zitrone gepresst wird.“