Hafenanbindung

Gutachten: Moorburger Elbdeich muss nicht gesperrt werden

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Lars Hansen
Die Straße Moorburger Elbdeich soll über ein Jahr lang voll gesperrt werden Vorbereitende Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Die Straße Moorburger Elbdeich soll über ein Jahr lang voll gesperrt werden Vorbereitende Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Foto: Lars Hansen / xl

Bürgerinitiative legt ein Gutachten vor, das die Planung der HPA in Frage stellt. Doch das Bauschild steht bereits und erste Absperrungen auch.

Moorburg. . Die Bewohner von Moorburg wehren sich gegen die geplante Vollsperrung des Moorburger Elbdeichs. Mehr als ein Jahr lang soll die Hauptverkehrsstraße des Elbdorfes zwischen der Waltershofer Straße und der Autobahnbrücke gesperrt werden, weil die Hamburg Port Authority (HPA) hier den südlichen Straßenanschluss des Containerterminals Altenwerder herstellen will. Die Moorburger hatte das überraschend getroffen. Dass die Südanbindung geplant war, wussten sie. Über Baubeginn und Bauumfang wurden sie allerdings erst kurzfristig informiert. Jetzt hat die Initiative „Runder Tisch Moorburg“ ein Gutachten vorgelegt, das die Planung der HPA in Frage stellt. Es bemängelt handwerkliche Fehler bei der Erstellung der Planung und kommt zu dem Schluss: Die Vollsperrung ist gar nicht nötig. Die HPA hingegen hält das Gutachten für irrelevant. Das Bauschild steht bereits und erste Absperrungen auch.

Umwege über Hausbruch oder Neuhof

Die Vollsperrung würde Moorburg zweiteilen. Niemand käme mehr vom westlichen „Baben Moorburg“ ins östliche „Ünner Moorburg“ und umgekehrt, ohne einen großen Umweg über Hausbruch oder Neuhof zu fahren. Für Ralf Bock, Leiter der Kita „Kinderland Moorburg“ ist das eine Katastrophe: „Wir haben mindestens sechzig Kinder – das ist weit über die Hälfte, die aus Richtung Westen kommen. Da müssen die Eltern jetzt eine Viertelstunde mehr pro Weg einplanen“, sagt er, „und ich muss die Spätdienste verlängern, damit die Kleinen abgeholt werden können. Meine Mitarbeiterinnen werden sich bedanken.“

Schulkinder aus Moorburg sind üblicherweise mit dem Linienbus nach Neuenfelde zur Grundschule und nach Neugraben zu den weiterführenden Schulen unterwegs. „Deren Bus muss dann einen Umweg fahren und auch die Kinder müssen mehr Zeit einplanen.

Auch die Feuerwehr hat schon Bedenken angemeldet. Ihr Gerätehaus liegt in Ünner Moorburg, aber nicht alle Aktiven rücken aus diesem Dorfteil an. Auch sie müssten bei Alarm 15 Minuten Umweg zum Ausrücken einplanen.

Verkehrsprognose stimmt schon jetzt nicht mehr

Das Gutachten des Marburger Büros Regioconsult bemängelt unter anderem, dass die Verkehrsprognose, die der eingereichten Planung der HPA zugrunde liegt, schon jetzt nicht mehr stimmt, da sie von einem Ist-Stand von 4100 Fahrzeugen pro Tag am Moorburger Elbdeich ausgeht und auf dieser Grundlage für das Jahr 2030 eine Steigerung auf 7500 Fahrzeuge voraussagt. Verkehrszählungen kamen aber bereits im Jahr 2016 auf 5200 Fahrzeuge. Bei den Steigerungsraten, die die HPA prognostiziert, kämen 8850 Fahrten für 2030 heraus. Damit wäre der Nachweis der Leistungsfähigkeit in den Plänen in Frage gestellt. „Für den Knotenpunkt Waltershofer Straße/Moorburger Elbdeich wurde der Leistungsfähigkeitsnachweis nicht vorgelegt“, bemängeln die Gutachter, „ob die Verlängerung der Linksabbiegerspur vom Moorburger Elbdeich in Fahrtrichtung Waltershofer Straße ausreichend bemessen ist, kann daher nicht überprüft werden.“

Diese Kritik teilen die Kommunalpolitiker des Bezirks Harburg: „Der Verkehr, der hier abgewickelt werden soll, wird auf alle umliegenden Straßen und Kreuzungen ausstrahlen“, sagt Frank Richter (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses, „dafür halten sich die HPA-Planer allerdings nicht zuständig.“

Kein Lärmgutachten

Ebenfalls bemängeln die Gutachter, dass die Planer keine Prognosen zu den Baustellenverkehren und dem entstehenden Baulärm angefertigt hätten. Dies sei bei Vorhaben dieser Größe aber üblich. „Es ist daher auch nicht nachvollziehbar, dass die Genehmigungsbehörde die Terminierung der Bauphasen der Bauausführungsplanung überlassen hat“ heißt es im Gutachten. Vor allem aber kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass es mit einer geringfügigen Trassenverschiebung möglich sei, die Vollsperrung auf eine halbseitige Sperrung zu reduzieren. Der Linienbus, Rettungsdienste und die Feuerwehr könnten so jederzeit die Baustelle passieren, andere Verkehre eventuell im Wechsel.

Die HPA stellt ihrerseits die Gültigkeit des Gegengutachtens in Frage: „Die Stellungnahme berücksichtigt einen veralteten Planungsstand. Zudem werden örtliche und zeitliche Restriktionen nicht berücksichtigt“, schreibt Sinje Pangritz, Pressesprecherin der Hafenbehörde.

Stefan Zins vom Runden Tisch Moorburg will das nicht gelten lassen: „Der Unterschied der jüngsten Planungen zu den die uns und den Gutachtern kurzfristig zur Verfügung standen, ist nur gering“, sagt er. „und im wesentlichen Punkt, nämlich, dass die Vollsperrung nicht nötig ist, lässt der neue Verlauf sogar noch etwas mehr Platz!“

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