Harburg
Bezirkspolitik

Harburg wählt am Sonnabend einen neuen Integrationsrat

Vertreter des Integrationsrats und der Goethe-Stadtteilschule feiern das gemeinsame Mentoring-Projekt -S-Plus.

Vertreter des Integrationsrats und der Goethe-Stadtteilschule feiern das gemeinsame Mentoring-Projekt -S-Plus.

Foto: HA

32 Kandidaten für 19 Plätze. Gremium ist einzigartig in Hamburg. Bezirkspolitik lobt das Engagement der bisherigen Mitglieder.

Harburg.  44 Prozent der Einwohner des Bezirks Harburg haben einen Migrationshintergrund, bei den Jugendlichen sind es über die Hälfte. Von den Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln hat die Hälfte die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Die andere Hälfte, also immerhin noch gut ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, hat das nicht – und damit wenig Möglichkeiten, sich in die Entscheidungen, die ihr direktes Umfeld angehen, einzubringen. Seit fünf Jahren gibt es den Harburger Integrationsrat. Als gewähltes Gremium, das allen Einwohnern des Bezirks offen steht, ist er in ganz Hamburg einmalig. Am Sonnabend wird der Integrationsrat zum zweiten Mal gewählt. 32 Kandidaten bewerben sich um die 19 Sitze des Gremiums.

„Der Integrationsrat ist für uns Kommunalpolitiker eine wichtige Brücke zwischen den verschiedenen Migrantengemeinschaften und der offiziellen Bezirkspolitik“, sagt Tülin Akkoc (Grüne), stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung. „Mitglieder des Rats nehmen an verschiedenen Fachausschüssen der Bezirksversammlung teil und debattieren hier aus Blickwinkeln, die uns etablierte Politiker manchmal überraschen. Und vielleicht können wir den Sachverstand dieser Leute so auch für die Parteien gewinnen.“

Alle Einwohner können kandidieren

Dem Integrationsrat gehören nicht nur Harburger mit ausländischen Wurzeln an. Die Kandidatur stand allen Einwohnern des Bezirks offen. So kandidieren US-Bürgerinnen neben Deutschen, Afrikaner neben Araberinnen, Griechen neben Türken. Und die Arbeit in den politischen Ausschüssen ist längst nicht die einzige Aktivität des Integrationsrats. „Das Gremium hat von Anfang an die Integrationskonferenzen maßgeblich mitgestaltet und begleitet,“ lobt Tülin Akkoc, „Außerdem bieten Mitglieder des Integrationsrats ehrenamtlich regelmäßige Sprechstunden für die Harburgerinnen und Harburger an. Zudem haben sie ein erfolgreiches Mentoring-Projekt mit dem Titel S-Plus initiiert, bei dem TU-Studenten den Schülern der Goethe-Schule helfen. Und bei vielen Integrationsprojekten des Bezirksamts ist der Beirat ein Berater auf Augenhöhe.“

Nicht nur in Bezirksamt und Bezirksversammlung ist man voll der Anerkennung für den Harburger Integrationsrat: Im Oktober überreichte Sozialsenatorin Melanie Leonhard dem Beirat den „Hamburger Nachweis“, eine Anerkennung der Stadt für besonderes Engagement.

Harburger Integrationsrat hat höhere Legitimation

Ähnliche Beiräte gibt es auch in anderen Hamburger Bezirken, aber deren Mitglieder sind von den Bezirksversammlungen benannt. Dass der Harburger Integrationsrat von allen Harburgerinnen und Harburgern über 16 Jahren gewählt werden kann, macht ihn zu einer Ausnahme – und verleiht ihm eine größere Legitimation und Glaubwürdigkeit innerhalb der Bevölkerung.

Gewählt werden kann von 10 bis 18 Uhr im steg-Stadtteilbüro Gloriatunnel, Stadtteilbüro Neugrabener Bahnhofsstraße, Kinderzentrum Neuenfelde, im Habibi Atelier in den Harburg Arcaden, sowie im steg-Stadtteilbüro Neuwiedenthal am Rehrstieg. Jeder Wähler hat drei Stimmen.

Die Kandidatenliste lässt sich online einsehen.