Harburg
Buxtehude

Eine Stadt in Großformaten

Künstler Michael Järnecke (r.) und Torsten Lange, in Buxtehude für Kultur und Tourismus zuständig

Künstler Michael Järnecke (r.) und Torsten Lange, in Buxtehude für Kultur und Tourismus zuständig

Foto: Axel Tiedemann / HA

Ungewöhnliche Fotokunst: Michael Järnecke fotografiert die Stadt bei Tag und Nacht – mit einer Kamera, die sich bewegt.

Buxtehude.  Bildbände über Städte gibt es viele, dieser hier dürfte aber ungewöhnlich sein: „Wirklich? Buxtehude? Really?“ – so lautet der Titel einer Sammlung großformatiger Aufnahmen der Estestadt, die jetzt neu als Buch erschienen ist und von der Stadtverwaltung kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Wobei die Fragezeichen im Titel geschickt gewählt sind, denn genau das dürfte die erste Reaktion vieler Betrachter widerspiegeln: „Ist das wirklich Buxtehude?“ Nicht hübsche Szenen aus der Altstadt oder harte, dokumentarische Abbilder der Buxtehuder Gegenwart zeigt dieser Bildband, mit dem sich die Stadt künftig bei Gastgeschenken präsentieren will – sondern es sind lange, kurvige Lichtstränge, schemenhafte Kulissen und vereinzelte Stadtszenen, die sich noch zu überlagern scheinen. Man erkennt nicht sofort – und oft auch nicht nach längere Betrachtung – wo in Buxtehude hier genau fotografiert wurde. Als „lichttopografische Aufzeichnungen“ bezeichnet der Künstler Michael Järnecke seine Bilder, die durch seine ungewöhnliche Technik diese vielen Lichtreflexe bekommen und auch schon in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt wurden. Mit dem Buxtehude-Buch seiner Kunst sei nun erstmals eine „geschlossene Darstellung einer Stadt“ mit bewegter Fotografie entstanden, sagt Järnecke.

Seit 2009 schon arbeitet der in Issendorf (Landkreis Stade) lebende Künstler an solchen Städteaufzeichnungen. Meist fotografierte er in Hamburg, 2015 aber gewann er für seine Aufzeichnungen in der Altstadt Buxtehudes den jährlichen Kunstpreis der Stadt. Diese Arbeit hat er nun ausgeweitet, so dass diese besondere Buxtehude-Buch daraus entstanden ist.

Für seine Arbeiten montiert er eine Großformatkamera (noch mit richtigem Film) im Auto und bewegt sich auf Straßen und Wegen einige Minuten. Raum und Zeit würden so aufgezeichnet, sagt er. Das Resultat erinnert an Langzeitaufnahmen, bei dem die Lichter wie Bewegungsspuren zu erkennen sind. Aber die „bewegte Fotografie“ sei noch viel mehr, heißt es in einem Begleitext zu dem Buch. „Ohne Zweifel gehören die Aufnahmen von Michael Järnecke zu dieser innovativen Kategorie einer höchst individuellem und dabei ebenso aufschlussreichen Form der fotografischen Auseinandersetzung mit einem speziellen Ort“, schreibt der Hamburger Fotohistoriker Ulrich Rüter. Nicht der Moment, sondern die Dauer werde in den Motiven zum Bild. Das mag alles stimmen – aber auch wer einen weniger feuilletonistischen Zugang zu Bildern hat, dürfte sich an dem ästhetischen Reiz dieser Fotokunst erfreuen. Einen anderen Blick in einem anderen Licht auf die Stadt zeigt sie allemal.

Michael Järnecke „Wirklich? Buxtehude? Really?“ Buxtehude in Tag- und NachtfahrtenFritz Albert Presse 2018, 64 Euro, www.jarnecke.de