Harburg
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Denkmalschutz: Eigentümer erhalten Infobrief – im Dutzend

Diese unsinnige Papierflut brach über einige Eigentümer herein.

Diese unsinnige Papierflut brach über einige Eigentümer herein.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Archäologisches Museum informiert Eigentümer von Flurstücken mit Bodendenkmälern – mit bis zu 20 Anschreiben pro Wohnung.

Harburg.  Ansbert Kneip traut seinen Augen nicht, als er Ende vergangener Woche seinen Briefkasten öffnet: Dort liegen 14 Briefe vom Archäologischen Museum Hamburg (AMH), sieben an ihn, sieben an seine Lebenspartnerin. Am Folgetag kommen noch einmal je drei Briefe. Das Paar besitzt eine Eigentumswohnung in einem der schwarzen Mehrfamilienhäuser an der Harburger Schloßstraße 27 bis 39, im Projekt Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal.

Der Inhalt der Briefe unterscheidet sich nur marginal. Die Besitzer der Häuser werden darauf hingewiesen, dass sie auf einer „Archäologischen Vorbehaltsfläche“ siedeln. Da der gesamte Gebäudekomplex insgesamt zehn Flurstücke umfasst und das Grundstück Gemeinschaftseigentum ist, erhalten alle Eigentümer der 61 Wohnungen zehn einzelne Briefe mit gleichlautendem Text plus Info-Faltblatt „Hinweise für Grundeigentümer“. Wenn mehrere Eigentümer im Grundbuch stehen, vervielfacht sich die Briefeflut entsprechend.

„Wir informieren derzeit hamburgweit Grundeigentümer, auf deren Grundstücken sich ein Bodendenkmal befindet. Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet“, sagt Thorsten Römer, Geschäftsführer des Archäologischen Museums. Wenn jemand beispielsweise plant, einen Bauantrag zu stellen, müsse er wissen, dass er nicht ohne weiteres Eingriffe vornehmen könne, die das Bodendenkmal beeinträchtigen, so Römer. „Wir prüfen bei jedem Bauprojekt, ob ein Bodendenkmal berührt wird. Dabei orientieren wir uns an den Flurstücken. Deshalb erhält jeder Eigentümer für jedes Flurstück ein Schreiben.“ Es sei eine einmalige Benachrichtigung, fügt er tröstend hinzu. Er verstehe, dass die mehrfachen Aussendungen zu Irritationen führen, so Römer. Aber selbst in Zeiten der Digitalisierung ließe sich das Verfahren angesichts der gesetzlichen Anforderungen nicht anders gestalten.

Adressat Kneip und andere Briefempfänger halten es für bürgerunfreundlich, dass im Betreff nicht einmal die Adresse genannt wird, sondern dort nur steht: „Ihr Grundstück 020709__“, gefolgt von einer weiteren als „Objekt-ID“ bezeichneten, vierstelligen Ziffer. Die Tatsache, dass diese in jedem Anschreiben variiert, lässt vermuten, dass hier die einzelnen Flurstücke gemeint sind. Alle sind Archäologische Vorbehaltsflächen, die meisten gehören zusätzlich zu einem „Grabungsschutzgebiet“. Römer: „Diese Gebiete sind besonders wertvoll für die Stadtgeschichte – in ganz Hamburg gibt es nur vier Grabungsschutzgebiete.“

Hamburg verfüge über rund 5000 Bodendenkmäler oder Fundstellen, so der Museums-Geschäftsführer. Rund die Hälfte enthalten noch archäologisch relevante Strukturen oder Gegenstände. Die Eigentümer dieser Grundstücke werden jetzt angeschrieben. Insgesamt lässt das AMH als städtischer Bodendenkmalpfleger rund 12.000 Briefe verschicken – „das machen wir nicht selbst, sondern ein Dienstleister“, sagt Römer.

Die Mehrzahl der Briefe ist bereits versendet. Auch das AMH selbst hat Post bekommen. Es betreibt drei Schauvitrinen, das „Archäologische Fenster“ an der Harburger Schloßstraße 39 und ist dadurch Miteigentümer beim Maritimen Wohnen. Warum beim Museum sieben und nicht zehn Briefe eintrafen, ist auch Römer nicht ganz klar.