Harburg
Geschichte

Ramelsloh erhält eine Dorf-Chronik

Ingo Pape Ramelsloh

Ingo Pape Ramelsloh

Foto: Christiane Tauer / HA

Seit zwei Jahren sammelt Ingo Pape Eindrücke aus der bewegten Vergangenheit der Ortschaft. Gemeinde unterstützt den Druck des Werkes

Ramelsloh.  Komplett fertig? Ingo Pape schüttelt den Kopf. „Das werde ich wohl nie werden.“ Vor zwei Jahren hat der gebürtige Ramelsloher angefangen, eine Online-Chronik über sein Heimatdorf zu erstellen. 280 Artikel und 700 Bilder über das Leben von anno dazumal sind mittlerweile im Internet zu finden, und obwohl sein Werk aufgrund der Vielzahl an Informationen noch nicht abgeschlossen ist, kann sich der 70-Jährige jetzt freuen: Die Chronik soll nicht nur online, sondern auch in gedruckter Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Unterstützung gibt es von der Gemeinde Seevetal.

Wann genau das Schriftstück erscheinen und wie hoch die Auflage sein wird, steht noch nicht fest. Ingo Pape geht davon aus, dass noch einmal zwei Jahre ins Land ziehen werden, bis aus seinen online erschienenen Texten diejenigen ausgewählt sind, die in der gedruckten Ausgabe berücksichtigt werden sollen. „150 bis 200 Seiten sollen es ungefähr werden“, sagt er. Unterstützt wird Pape von einem Kreis aus zehn bis zwölf Männern, bei denen es sich unter anderem um ortsansässige ehemalige Landwirte, Gewerbetreibende und Vertreter der Kirchengemeinde handelt. Sie haben Pape bereits bei den Inhalten der Online-Chronik geholfen und werden jetzt die Auswahl für die Druck-Ausgabe treffen. „Alleine würde ich das nie schaffen.“ Dass die Chronik bisher ausschließlich virtuell existiert, begründet Pape mit den weitaus geringeren Kosten und der höheren Flexibilität. „Bei Büchern ist es ja oft so, dass sie bereits veraltet sind, wenn sie erscheinen“, sagt er. Im Internet hingegen kann man immer etwas aktualisieren oder korrigieren, ganz ohne großen Aufwand. Als Privatperson war es ihm einfach zu heikel, eine große Summe in eine Druck-Ausgabe zu investieren, von der man nicht genau weiß, wie sie bei der Öffentlichkeit ankommt.

Mit der Gemeinde Seevetal im Rücken, die ihm unter anderem bei der Suche nach Sponsoren helfen würde, sieht die Sache aber ganz anders aus. „Wir haben ihn darin bestärkt, die Chronik auch einem größeren Teil der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Gemeindesprecherin Svenja Riebau. Damit sind vor allem ältere Ramelsloher gemeint, die nicht so bewandert im Umgang mit dem Internet sind.

Inhaltlich geht es in dem Werk vor allem um das Leben im Ort vom Jahr 1900 an. Geschichten aus der Schulzeit, über die Höfe, die alten Gewerbebetriebe, über Brauchtümer und Persönlichkeiten bilden den Kern der Chronik. Eine der Hauptquellen für Papes Wissen war Otto Schneider, ehemaliger Rektor der Grundschule und langjähriger Ortsbürgermeister. Von ihm hat er zahlreiche historische Bilder und Schriftstücke bekommen. Der Großteil der Texte ist hochdeutsch, einige sind aber auch auf Plattdeutsch verfasst. Es sind Erzählungen wie die vom sonnabendlichen Badetag in den fünfziger Jahren – der kleine Bruder kam zuerst in die Zinkwanne, dann der Ältere – oder dem Weihnachtstag vor rund 60 Jahren, als die örtlichen Bäcker Frauen mit großen Körben voller Kuchen und Gebäck von Haus zu Haus schickten.

In der gedruckten Ausgabe soll es außerdem einen umfassenden Teil zur Ramelsloher Kirchengeschichte aus der bereits erschienenen Kirchenchronik geben. Der Ort hat seinen Ursprung um das Jahr 845 herum, als Bischof Ansgar ein Männerstift gründete, das allerdings nicht mehr existiert. Die heutige Kirchengemeinde wurde im Jahr 1684 gegründet und feierte im vergangenen Jahr ihr 333-jähriges Bestehen.

Durch die Arbeit an der Chronik habe er selbst unheimlich viel Neues über Ramelsloh erfahren, sagt Pape. Und das will etwas heißen, denn als Sohn eines Friseurmeisters, der später selbst Friseur gelernt hat, war er schon immer über alles auf dem Laufenden, was im Dorf passiert. Auch als er nicht den väterlichen Friseursalon übernahm, sondern in einer Wilhelmsburger Lackfabrik zu arbeiten anfing, riss der Informationsfluss nicht ab. Pape war allein 25 Jahre lang Vorsitzender des MTV Ramelsloh und ist bestens im Ort vernetzt.

Er schnackt mit den Leuten, besucht sie zu Hause, hört zu. Viele der Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ost-Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Ramelsloh kamen – es waren mehr als 400 – seien beispielsweise erst jetzt bereit, über ihre Erfahrungen der Flucht und des Neuanfangs in der Fremde zu sprechen, sagt Pape. Auslöser sei für sie die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland gewesen. Auch diese Erzählungen will Pape in seine Online-Chronik einbringen. „Ich habe zurzeit immer noch mindestens zehn Artikel in Bearbeitung“, sagt er. Wie war das noch? Komplett fertig werden wird er wohl nie.

Zu finden ist die Online-Chronik unter www.chronik-ramelsloh.de