Harburg
Sammelalben

Die Jagd auf fehlende Panini-Bilder

Panini- Sammelbilder zur Fussball-Weltmeisterschaft in Russland liegen auf dem Tisch einer Tauschbörse

Panini- Sammelbilder zur Fussball-Weltmeisterschaft in Russland liegen auf dem Tisch einer Tauschbörse

Foto: Markus Scholz / dpa

Immer freitags seit dem Start der Fußball-WM kommen Sammler zum Tauschen in die Bücherhalle Harburg

Harburg.  „Hast du die 154? 155? Ja, endlich!“ Aufgeregt lesen sich die Kinder die Nummern der noch fehlenden Panini-Fußball-Sticker vor. Der Tisch ist komplett mit Listen bedeckt, dazwischen sieht man das ein oder andere Sammelalbum.

Jeden Freitag während der derzeit laufenden Fußball-WM bietet die Bücherhalle Harburg von 16 bis 17 Uhr kleinen und großen Sammlern die Gelegenheit, doppelte Panini-Sticker zu tauschen. Dadurch kann das 80-seitige Album mit den 682 offiziellen Stickern schneller und kostengünstiger gefüllt werden. Die Tauschbörse startete vergangenen Freitag zum WM-Beginn.

„Das ist das erste Mal, dass wir eine Tauschbörse veranstalten“, sagt Sabrina Waterstrat von der Harburger Bücherhalle. Die Idee käme vom ganzen Team und sei durch andere Tauschbörsen inspiriert. Nach dem WM-Sieg der deutschen Elf in Brasilien sei dann klar gewesen: „Da müssen wir jetzt auch was machen.“

Die Tauschbörse spiegle die Bücherhalle wider, sagt Waterstrat, jeder sei willkommen. „Wir sind ein Treffpunkt, ein Ort zur Kommunikation und zum Austausch, an dem man sogar neue Freunde finden kann.“

Am Freitag nahm noch eine kleine Gruppe das Angebot wahr. Um den genauen Überblick darüber zu behalten, welche Sticker noch fehlen, hatten die meisten Besucher Listen dabei. Eine von ihnen ist Stefanie Jähnegen. „Mich hat das Tauschfieber gepackt – also natürlich für meinen Sohn.“ Die Marmstorferin setzt auf System: Sie hat alle Karten den Ländern nach sortiert und in einzelne Zipper-Beutel gepackt. „Anders behält man hier gar nicht mehr den Überblick.“

Gegenseitig lesen sich Eltern und Kinder die fehlenden Nummern je Nation vor und hoffen, dass ihr Gegenüber mit dem entsprechenden Spieler aushelfen kann. Auch der zwölfjährige Len versucht hier sein Glück. Die gesuchten Karten werden auf den Tisch gelegt, in der „Rückrunde“ hofft er, dem anderen etwas gegenbieten zu können. Als das nicht klappt, greift sein Vater zum Geldbeutel. „Eigentlich soll ja getauscht werden, aber wir haben die Karten unbedingt gebraucht.“ Auch Stefanie Jähnegen findet, dass man das Tauschen den Kindern nicht alleine überlassen kann.

Ganz anderer Meinung ist da Marek Krosz, der am Vortag mit seinem Sohn Jan bereits auf einer Tauschbörse in Fischbek war. Während die anderen Eltern eifrig ihrem Nachwuchs helfen, hält er sich lieber zurück. „Mein Sohn macht das ganz selbstständig.“ Schließlich sei die Tauschbörse für die Kinder. Der Eifer der meisten Eltern ist auch Anke Zumdohme von der Bücherhalle aufgefallen. „Vielleicht müsste man eine Tauschbörse für Eltern einrichten“, sagt sie lachend.

„Ich habe in meiner Kindheit auch Sammelalben gehabt“, sagt Sabrina Waterstrat. Stickersammeln sei einfach eine Kindheitserinnerung. „Jan hat sein Sammelheft schon seit drei Monaten“, sagt Marek Krosz. Er habe das Gefühl, dass die Sammelleidenschaft generell immer mehr zunehme, obwohl der Spaß immer teurer wird.

Für besondere Sticker wird oft im Verhältnis zwei zu eins getauscht. Jan macht das nicht, schließlich kosten alle Karten gleich viel. „Nur einmal habe ich zwei Karten weggegeben“, erzählt der 10-Jährige, „das war aber auch für Pelé – eine Legende.“ Dass Pelé durchaus mehr wert ist, bewies auch ein Vater bei der WM 1970: für 12.038 Euro kaufte er seinem Sohn ein Panini-Sammelalbum, auf dem Pelé unterschrieben hatte.

Bis zum Sonnabend, 14. Juli, können Sammler freitags Panini-Sticker in der Bücherhalle Harburg tauschen. Dass beim ersten Mal so wenige zu Besuch waren, habe vermutlich am guten Wetter gelegen, sagt Anke Zumdohme.

Auch andere Hamburger Bücherhallen sind im WM-Fieber. Immer freitags von 16 bis 18 Uhr treffen sich Sammler in Neugraben und dienstags und donnerstags von 17 bis 17.30 Uhr in Finkenwerder. Schnelsen lädt freitags von 15.30 bis 17.30 Uhr auch sammelfreudige Erwachsene ein.